US-Arbeitsmarkt: 7,62 Millionen offene Stellen, aber Einstellungen sinken
04.06.2026 - 16:53:21 | boerse-global.de
Während die Produktivität überraschend schwach wächst, bleibt der Arbeitsmarkt in Teilen robust – allerdings mit einer entscheidenden Schieflage.
Produktivität auf dem Tiefpunkt
Das Bureau of Labor Statistics (BLS) revidierte die Arbeitsproduktivität im Nicht-Agrar-Sektor für das erste Quartal auf magere 0,3 Prozent nach unten. Die erste Schätzung hatte noch bei 0,8 Prozent gelegen. Es ist der schwächste Wert seit Anfang 2025. Auch das BIP-Wachstum wurde korrigiert – von 2,0 auf 1,6 Prozent.
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Die Lohnstückkosten entwickelten sich dagegen moderater als erwartet: Sie stiegen um 1,8 Prozent, deutlich unter der ursprünglichen Prognose von 2,3 Prozent. Die Stundenlöhne legten im Quartalsvergleich um 2,1 Prozent zu, im Jahresvergleich um 3,3 Prozent.
Viele offene Stellen, wenige Einstellungen
Der Arbeitsmarkt zeigt ein gespaltenes Bild. Die Zahl der offenen Stellen kletterte im April auf 7,62 Millionen – der höchste Stand seit fast zwei Jahren. Besonders gefragt: Fachkräfte in professionellen Dienstleistungen mit einem Plus von 668.000 Stellen.
Doch die Kehrseite: Die tatsächlichen Einstellungen sanken auf 5,12 Millionen. Die Einstellungsquote liegt bei mageren 3,2 Prozent. Unternehmen suchen also intensiv, finden aber offenbar nicht die passenden Kandidaten – oder zögern bei Neueinstellungen.
Der ADP-Arbeitsmarktbericht für Mai zeigt immerhin ein Beschäftigungsplus von 122.000 Stellen in der Privatwirtschaft – der stärkste Zuwachs seit Anfang 2025. Die Lohnentwicklung offenbart eine wachsende Kluft: Wer seinen Job behält, bekommt im Schnitt 4,4 Prozent mehr. Jobwechsler steigern ihre Bezüge um satte 6,5 Prozent.
Die Kündigungsrate bleibt niedrig. Ein Zeichen dafür, dass Arbeitnehmer vorsichtiger geworden sind und nicht leichtfertig wechseln.
Gesundheitssektor als Produktivitätsausnahme
Während die Gesamtwirtschaft schwächelt, zeigt eine Studie des American Enterprise Institute (AEI) für das Gesundheitswesen zwischen 2002 und 2021 eine jährliche Produktivitätssteigerung von 1,0 Prozent. Bei der Behandlung von neun häufigen Erkrankungen im Rahmen von Medicare lag die Rate sogar bei 7,5 Prozent. Grund: neue Therapien und der verstärkte Einsatz von Generika.
Neue Risiken am Horizont
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Der UCLA Anderson Forecast vom Juni warnt vor einem wachsenden Risiko: Ein möglicher Ölpreisschock durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten könnte die Handelszölle als Hauptinflationsfaktor ablösen. Die Prognose für das Gesamtjahr 2026: BIP-Wachstum von 2,1 Prozent, aber eine Inflationsrate von bis zu 4,5 Prozent zum Jahresende.
Der ISM Services PMI stieg im Mai auf 54,5 Punkte. Der Preisindex erreichte mit 71,3 Punkten den höchsten Stand seit Sommer 2022. Analysten von PIMCO beobachten zudem eine Erosion des realen verfügbaren Einkommens: Es sank im April um 1,1 Prozent im Jahresvergleich, die Sparquote fiel auf 2,6 Prozent.
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