Urologenmangel, Barnim

Urologenmangel im Barnim: Patienten müssen für Behandlungen weiter fahren

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fehlende Praxisnachfolger verlängern Wege und Wartezeiten; digitale Hilfen und spezialisierte Verfahren ergänzen die urologische Versorgung.
Ein leerer, ruhig beleuchteter Wartebereich in einer medizinischen Praxis mit Stuhlreihen. Illustration mit AI erstellt.

Die ambulante fachärztliche Betreuung gerät in vielen Regionen unter erheblichen Druck. Besonders in der Urologie zeichnen sich strukturelle Probleme ab, wenn niedergelassene Mediziner den Ruhestand ansteuern und keine Nachfolger finden.

Am Beispiel des Landkreises Barnim und der Stadt Eberswalde wird deutlich, wie lückenhafte Versorgungsstrukturen den Praxisalltag belasten und Betroffene zu weiten Anfahrtswegen zwingen. Zugleich zeigen internationale Beispiele und medizinische Projekte, vor welchen logistischen und therapeutischen Aufgaben die Disziplin steht.

Nachfolgeprobleme und Kapazitätsgrenzen im Barnim

In der Region Eberswalde und dem Landkreis Barnim arbeitet der Urologe Gunther Haarfeldt nach entsprechenden Medienberichten am Limit seiner Kapazitäten. Weil eine gesicherte Nachfolge für die Praxis fehlt, zeigen sich in der regionalen Versorgung spürbare Lücken.

Für die Patientinnen und Patienten bedeutet der Facharztmangel, dass sie für notwendige Behandlungen und Kontrollen zunehmend weitere Strecken in andere Städte oder Einrichtungen auf sich nehmen müssen.

Die Situation im Barnim steht stellvertretend für Herausforderungen, die vielerorts drohen, wenn ältere Praxisinhaber ausscheiden. Bleibt eine Neubesetzung aus, verteilt sich das Patientenaufkommen auf wenige verbleibende Anlaufstellen, was die Terminvergabe erschwert und Wartezeiten verlängert.

Internationale Dimension: Zuspitzung durch Facharztmangel

Dass personelle Engpässe in der urologischen Facharztversorgung auch drastischere Formen annehmen können, verdeutlichen Entwicklungen in anderen Ländern. In Santarém im westlichen brasilianischen Bundesstaat Pará bedient laut dem Conselho Municipal de Saúde ein einzelner Urologe den ambulanten Dienst des öffentlichen Gesundheitssystems SUS für die Stadt und 20 weitere Gemeinden. Mindestens 500 Patienten warten dort auf eine Facharztkonsultation.

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Wie Gracivane Moura als Präsidentin des Gesundheitsrats von Santarém schilderte, beträgt die Wartezeit häufig vier Monate, während sich der gesamte Behandlungsprozess über bis zu ein Jahr hinziehen kann.

Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsverwaltung Semsa ist ein Urologe regulär im städtischen Ambulatorium im Einsatz; zuvor hatten fünf Patienten gemeldet, keinen freien Platz erhalten zu haben. Neue Termine werden nach Verwaltungsangaben erst ab dem 29. November für die Folgemonate Dezember oder Januar vergeben.

In ländlichen Gebieten Frankreichs wird versucht, Lücken über organisierte Mobilität abzufedern. Der Gemeindeverband Vosges côté Sud-Ouest in Darney organisiert bereits seit 2022 Fahrdienste für nicht betreute Patienten zu den jeweils zuständigen Fachärzten. Während es anfangs laut Projektkoordination noch schwierig war, die Fahrten auszulasten, besteht mittlerweile eine Warteliste.

Infrastruktur, digitale Entscheidungshilfen und operative Spezialisierungen

Neben der reinen Personalfrage versuchen Versorger in Deutschland, Praxisabläufe räumlich neu zu strukturieren. Am Krankenhaus Johanneum in Wildeshausen zog die urologische Praxis des Medizinischen Versorgungszentrums in einen Neubau im Souterrain um, der ausschließlich über die Deekenstraße erreichbar ist.

Gleichzeitig entstehen neue Ansätze, um Patienten in komplexen Versorgungsphasen zu unterstützen. Die Urologische Stiftung Gesundheit entwickelt eine internetbasierte Entscheidungshilfe für Betroffene mit fortgeschrittenem Harnblasenkrebs.

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Bei diesem System speisen Mediziner klinische Daten ein, woraufhin die Plattform individualisierte Menüs mit Informationsvideos und Fragebögen bereitstellt, ohne dabei eine konkrete Therapieempfehlung vorzugeben.

Prof. Dr. Maximilian Kriegmair, Chefarzt an der Urologischen Klinik München Planegg, leitet eine multizentrische Machbarkeitsstudie mit 135 Teilnehmenden an den fünf Zentren Mannheim, Ulm, München-Planegg, Bonn und Heidelberg. Die Rekrutierung hierfür läuft bis Ende 2026. Als nachfolgender Schritt wird eine Zulassung als Medizinprodukt angestrebt, die nach Einschätzung von Kriegmair in den kommenden Jahren realistisch ist.

Auf operativer Ebene werden derweil differenzierte Verfahren zur Behandlung urologischer Folgeerkrankungen vorgehalten. An der Urologie Rotthalmünster bietet Chefarzt Dr. sc. Nikola Zebic spezielle Methoden an, darunter das über einen Port ambulant nachjustierbare ATOMS-System bei männlicher Belastungsinkontinenz sowie künstliche Blasenschließmuskeln bei schweren Ausfällen.

Bei Senkungsbeschwerden der Frau setzt die Abteilung auf minimalinvasiv verankerte InGYNious-Netzimplantate. Laut Zebic lässt sich die Organsenkung damit bei über 90 Prozent der Patientinnen erfolgreich beheben, während die Komplikationsrate bezüglich der Netze unter zwei Prozent liegt. Die zugehörige Spezialsprechstunde findet donnerstags von 13 bis 16 Uhr nach Terminabsprache statt.

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