Urolithin, Herzfunktion

Urolithin A: Herzfunktion bei Mäusen verbessert sich um bis zu 80 Prozent

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 05:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mausversuche und Tests an Herzgewebe zeigen positive Veränderungen; eine klinische Wirksamkeit beim Menschen ist bislang nicht belegt.

Urolithin A: Präklinische Hinweise auf mögliche Wirkung bei Herzinsuffizienz
Nahaufnahme einer aufgeschnittenen Granatapfelfrucht mit leuchtend roten Kernen vor einem dunklen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Das natürliche Stoffwechselprodukt Urolithin A rückt im Gesundheits- und Wellnesssektor zunehmend in den Fokus. Auslöser des Interesses ist die vermutete Rolle des Moleküls bei Prozessen der zellulären Verjüngung.

Während die Substanz in Nahrungsergänzungsmitteln bereits Verwendung findet, liefern neue Labor- und Tierexperimente erste wissenschaftliche Anhaltspunkte für weitergehende medizinische Anwendungen – wenngleich die klinische Relevanz für Patienten noch weitgehend unbestätigt bleibt.

Mikrobiom und mitochondriale Mechanismen

Urolithin A wird nicht direkt über die Nahrung aufgenommen, sondern entsteht im menschlichen Verdauungstrakt. Darmbakterien wandeln dazu sogenannte Ellagitannine um, die unter anderem in Granatäpfeln, Beeren und Nüssen vorkommen. Die Fähigkeit, diesen Metaboliten selbst zu bilden, variiert jedoch je nach individueller Zusammensetzung des Mikrobioms deutlich.

Wissenschaftlich wird dem Stoffwechselprodukt vor allem ein Einfluss auf die Mitophagie zugeschrieben. Dabei handelt es sich um den zellulären Abbauprozess beschädigter Mitochondrien, der gleichzeitig die Bildung gesunder Zellkraftwerke unterstützen soll.

Aus dieser Funktion leiten sich vermutete Vorteile für das allgemeine Energieniveau sowie für Muskelkraft, Ausdauer und die aerobe Kapazität ab, insbesondere bei älteren Erwachsenen. Zudem werden entzündungshemmende sowie antioxidative Effekte und ein möglicher Zellschutz diskutiert. In Fachbeiträgen wird auch das Potenzial zur Verringerung bestimmter Stoffwechselmarker thematisiert.

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Präklinische Resultate bei Herzinsuffizienz

Auf besonderes Interesse in der Kardiologie stieß eine vom King's College London durchgeführte und von der British Heart Foundation unterstützte Untersuchung, die im Fachjournal Science Advances erschien. Die präklinische Forschungsarbeit widmete sich der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF).

In Versuchen an männlichen Mäusen verbesserten sich die diastolische Funktion sowie die ventrikulären Relaxationsparameter im Vergleich zu unbehandelten Kontrolltieren um bis zu 80 Prozent. Gleichzeitig gingen Narbengewebe, intrakardialer Druck, Fibrose und Zellhypertrophie zurück.

Ergänzende In-vitro-Tests an menschlichem, aus Stammzellen gezüchtetem Herzgewebe wiesen zudem eine gesteigerte Dehnbarkeit auf. Als molekularer Wirkmechanismus hinter diesen Effekten wird die Aktivierung von PKGI? beziehungsweise PKGI?/Cys42 beschrieben.

Offene Fragen zur klinischen Wirksamkeit

Trotz dieser Laborergebnisse steht die klinische Bestätigung beim Menschen aus. Fachleute betonen, dass große, randomisierte Studien erforderlich sind, um die tatsächliche therapeutische Wirksamkeit und Sicherheit zu belegen.

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Der Weg von den aktuellen präklinischen Befunden bis zu einem möglichen klinischen Einsatz wird auf mindestens sieben Jahre geschätzt – vorausgesetzt, frühe Phase-1-Studien können Sicherheit und Wirksamkeit untermauern. Granatapfelsaft oder frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel dürfen keinesfalls als Ersatz für ärztlich verordnete Therapien verstanden werden.

Im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel stufen die US-Behörden Urolithin A bei einer täglichen Dosierung von 250 bis 1.000 Milligramm bereits als grundsätzlich sicher ein (GRAS).

Bisherige Humanstudien deuten auf eine gute Verträglichkeit mit wenigen Nebenwirkungen hin. Allerdings müssen die langfristige Sicherheit und die Effekte in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen noch eingehender erforscht werden.

Während Anbieter das Pulver für Kapseln, Tabletten und funktionelle Lebensmittel bewerben und weitreichende Einsatzfelder bei Stoffwechselproblemen oder neurodegenerativen Erkrankungen darstellen, fehlen für viele dieser Anwendungsbereiche bislang belastbare klinische Daten.

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