Urlaubsarmut, Sommerreise

Urlaubsarmut: 21% können sich Sommerreise nicht leisten

25.06.2026 - 14:36:00 | boerse-global.de

Der Konsumklima-Index steigt minimal, doch die Kauflaune der Deutschen bleibt schwach. Viele Haushalte legen Geld zurück, statt es auszugeben.

Deutsches Konsumklima: Leichte Erholung, aber Sparneigung bleibt hoch
Urlaubsarmut - Hände zählen Euro-Banknoten, daneben ein Smartphone mit Finanzdiagrammen und ein Sparschwein. Symbolisiert Sparneigung und Konsumverhalten. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Stabilisierung auf niedrigem Niveau

Die wirtschaftliche Lage der privaten Haushalte in Deutschland zeigt erste Stabilisierungstendenzen – allerdings auf niedrigem Niveau. Der Konsumklima-Index des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen (NIM) und der GfK kletterte im Juli um 0,5 Punkte auf minus 29,2 Zähler.

Hauptgrund: Friedenssignale im Iran-Konflikt entspannen die Inflationssorgen. Die Einkommenserwartungen legten in einer Befragung von 2.000 Personen zwischen dem 4. und 15. Juni um 0,8 Punkte auf minus 12,2 Punkte zu.

Doch die Anschaffungsneigung bleibt mit minus 13,4 Punkten schwach. Die Sparneigung verharrte im Juni auf hohen 13,9 Punkten. Die Verbraucher legen lieber Geld zurück, statt es auszugeben.

Auch das ifo-Geschäftsklima zog im Juni auf 85,6 Punkte an. ifo-Präsident Clemens Fuest verwies auf Hoffnungen auf ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran. Für 2026 prognostizieren Ökonomen ein moderates BIP-Wachstum von 0,8 Prozent.

Hohe Summen auf Girokonten – trotz Zinsverlust

Trotz aller Unsicherheiten sitzen viele Deutsche auf unerwartet hohen Barreserven. Eine Umfrage von Civey und Smava unter mehr als 5.000 Personen Anfang Juni ergab: 13 Prozent der Deutschen halten mehr als 10.000 Euro auf ihrem Girokonto. Im Vorjahr waren es nur 11,2 Prozent.

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Dabei locken Tagesgeldangebote mit bis zu 3 Prozent, Autobanken sogar mit bis zu 4 Prozent. Der jährliche Zinsverlust für alle Sparer summiert sich auf mehrere Milliarden Euro.

Urlaubsreise bleibt für viele ein Luxus

Die finanzielle Kluft wird besonders beim Thema Urlaub sichtbar. Laut Erhebungen des Deutschen Instituts für Tourismusforschung aus dem Frühjahr 2026 planen 62 Prozent der Deutschen eine Sommerreise. Gestiegene Treibstoffpreise ändern daran für die Mehrheit nichts.

Doch die Kehrseite: 2025 konnten sich 21 Prozent der Bevölkerung – rund 17,3 Millionen Menschen – keine einwöchige Urlaubsreise leisten. Bei Alleinerziehenden lag dieser Anteil sogar bei 39 Prozent.

Das Preisniveau in Deutschland lag 2025 um 8,3 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Zum Vergleich: Dänemark (+39,7 Prozent) und die Schweiz (+71,3 Prozent) sind deutlich teurer. Bulgarien blieb mit 37,5 Prozent unter dem EU-Schnitt am günstigsten.

Insolvenzen steigen – auch der Staat spart

Die angespannte Lage zeigt sich auch bei den Pleiten. Ein Halbjahresbericht von Creditreform verzeichnet für die erste Jahreshälfte 2026 rund 12.900 Unternehmensinsolvenzen – der höchste Stand seit 2013. Auch die Verbraucherinsolvenzen stiegen um 2,3 Prozent auf 38.800 Fälle.

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Eine nachhaltige konjunkturelle Stabilisierung erwarten Experten frühestens für 2027.

Auch der Staat muss sparen. In Baden-Württemberg zeichnet sich für 2027 ein Defizit von über 5 Milliarden Euro ab. Zur Deckung sind neben der Verwendung von Überschüssen Einsparungen in Ministerien und bei Förderprogrammen geplant.

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