Urlaub, Smartphone

Urlaub ohne Smartphone: 22-Jährige radelt zur Ostsee ganz analog

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

57 Prozent der Reisenden posten im Urlaub, während ein Gegentrend zu bewusster Offline-Zeit wächst. Die Generation Z zeigt sich gespalten.

Bitkom-Studie: Deutsche Urlauber zwischen Social-Media-Pflicht und Digital-Detox
Analoge Reiseutensilien wie Papierkarten und ein Kompass auf einem Holztisch vor einer verschwommenen Berglandschaft. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Deutschen reisen vernetzter denn je – und sehnen sich gleichzeitig nach bewusster Offline-Zeit. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt: 57 Prozent der Urlauber teilen ihre Erlebnisse in sozialen Medien, im Vorjahr waren es noch 50 Prozent. Besonders die Generation der 16- bis 29-Jährigen postet fleißig: 69 Prozent von ihnen dokumentieren ihre Reise online.

Posten für die Community

Die Motive sind klar: 44 Prozent der Befragten wollen im Urlaub gesehen werden. Jeder Vierte gibt sogar zu, mit den Beiträgen Neid bei anderen wecken zu wollen. Die digitale Präsenz ist für viele längst fester Bestandteil der Reise – trotz aller Sehnsucht nach Ruhe.

Doch parallel entsteht ein Gegentrend: Immer mehr Reisende setzen auf radikalen Verzicht. Eine 22-jährige Stuttgarterin radelte im August an die Ostsee – ganz ohne Smartphone. Statt Navigation per App nutzte sie Papierkarten und gedruckte Fahrkarten. Andere steigen bewusst auf Klapphandys um, um Stress zu reduzieren. Eine Anwenderin berichtet von besserer Konzentration und mehr Zeit für analoge Aktivitäten wie Lesen oder Sport.

Die Generation Z ist gespalten

Die Jüngsten zeigen sich ambivalent: Eine Tui-Studie vom Februar 2026 ergab, dass 30,3 Prozent der 18- bis 24-Jährigen ihr Smartphone im Urlaub weniger nutzen möchten. Gleichzeitig bleibt die digitale Welt für die Reiseplanung zentral: 45,8 Prozent lassen sich von sozialen Medien inspirieren, ein Drittel nutzt KI für die Planung.

Auch die Politik reagiert auf die Digitalisierung des Alltags. Rheinland-Pfalz verbietet ab Februar 2027 die private Nutzung digitaler Endgeräte in Schulen bis zur zehnten Klasse. Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig fordert: Geräte in Pausen und Ganztagsangeboten aus – für mehr Fokus im Unterricht.

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Natur als Gegenpol

Die Sehnsucht nach Entschleunigung hat auch eine neurobiologische Basis. Dr. Anna Lorenzen erklärt: Naturlandschaften und Wasser steigern das Wohlbefinden und fördern die Kreativität. Ein Projekt des Anbieters Le Boat verband beides: Im Herbst 2025 entstand auf einem Hausboot in der Mecklenburgischen Seenplatte ein Musikstück – fernab jeder digitalen Ablenkung.

Der Tourismusmarkt bedient längst beide Bedürfnisse. Während eSIM-Anbieter weltweite Datenverbindungen in über 200 Destinationen bewerben, zeigt die Unterhaltungsindustrie den Reiz der Isolation: Serien wie „Sterling Point“ spielen bewusst an Orten ohne Mobilfunknetz.

Familien suchen Entlastung

Für Eltern zählt vor allem eines: reibungslose Logistik. 96,1 Prozent der befragten Eltern im Urlaubsguru Trendreport vom Oktober 2025 halten eine gute Anbindung für wichtig. Doch die Erholung bleibt oft auf der Strecke: Nur 25,5 Prozent fühlen sich nach dem Urlaub vollständig erholt.

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Neue Reiseformen gewinnen derweil an Bedeutung. 93 Prozent der Hundehalter nehmen ihre Tiere mit in den Urlaub – Nord- und Ostsee führen das Ranking 2026 an. Bei Fernreisen boomen Afrika (+25 Prozent) und Südostasien (+16 Prozent), der Gesamtmarkt wuchs im Winter 2025/26 um 9 Prozent.

Der Urlauber von heute will beides: geteilt werden und abschalten können. Die Branche hat diesen Spagat verstanden – und bietet für jede Stimmung das passende Angebot.

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