Unterwasser-Rechenzentrum, China

Unterwasser-Rechenzentrum: China nimmt 24-MW-KI-Anlage in Betrieb

31.05.2026 - 15:42:04 | boerse-global.de

China nimmt das weltweit erste kommerzielle KI-Rechenzentrum unter Wasser in Betrieb. Die Anlage vor Shanghai senkt den Stromverbrauch durch passive Meerwasserkühlung drastisch.

Aker BP Aktie: Produktions-Schock! - Foto: über boerse-global.de
Aker BP Aktie: Produktions-Schock! - Foto: über boerse-global.de

Shanghai – China hat das weltweit erste kommerzielle KI-Rechenzentrum in Betrieb genommen, das unter Wasser liegt und komplett mit Offshore-Windenergie betrieben wird. Die Anlage vor der Küste Shanghais markiert einen Wendepunkt für die energiehungrige KI-Branche.

2000 Server auf dem Meeresgrund

Die Investition von umgerechnet rund 226 Millionen Euro steckt in einer außergewöhnlichen Konstruktion: In 35 Metern Tiefe lagern rund 2000 Server in druckfesten, stickstoffgefüllten Kapseln. Darunter befinden sich leistungsstarke GPU-Cluster der chinesischen Staatsfirma China Telecom und des Anbieters LinkWise – speziell ausgelegt für das Training Künstlicher Intelligenz und massive Datenverarbeitung.

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Die 24-Megawatt-Anlage ist der kommerzielle Nachfolger eines Pilotprojekts mit 2,3 MW. Entwickelt wurde sie von einem Konsortium aus der Lingang-Verwaltungszone, der Investitionsholding Shanghai Lingang und dem Technologieunternehmen Hi cloud Technology.

Kühlung vom Meer – fast kostenlos

Der entscheidende Vorteil liegt in der Kühlung: Meerwasser übernimmt die Arbeit passiv und senkt den PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) auf rund 1,15. Zum Vergleich: Herkömmliche Rechenzentren liegen im Schnitt bei 1,5. Die Kühlung selbst verbraucht weniger als zehn Prozent der Energie – bei Landanlagen sind es 40 bis 50 Prozent.

Die Betreiber versprechen eine Reduzierung des Stromverbrauchs um 22,8 Prozent. Hinzu kommt: kein Frischwasserbedarf für die Kühlung und eine Verringerung des Landflächenbedarfs um über 90 Prozent.

Vom Pilotprojekt zur kommerziellen Realität

Der Bau begann 2025 und war bereits im Oktober desselben Jahres abgeschlossen. Nach einem Probebetrieb ab Februar 2026 erreichte die Anlage im Mai 2026 die volle kommerzielle Nutzung. Die modularen Kapseln lassen sich laut Ingenieuren in rund 90 Tagen fertigen und installieren.

Damit setzt China ein Konzept um, an dem internationale Konzerne jahrelang forschten. Microsoft testete mit Project Natick ab 2018 versunkene Server vor der schottischen Küste – das Projekt endete 2024 ohne kommerzielle Umsetzung. Grund waren die hohen Wartungs- und Ersatzkosten.

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Schwimmende Rechenzentren im Kommen

Der Trend zu maritimen Standorten gewinnt weltweit an Fahrt. Erst im April 2026 stellte Samsung Heavy Industries auf einer Branchenkonferenz in Washington ein schwimmendes 50-Megawatt-Rechenzentrum vor – bereits mit vorläufigen Klassifikationszulassungen. Auch japanische und singapurische Unternehmen entwickeln schwimmende Plattformen, die unter anderem die Kälteenergie von verflüssigtem Erdgas nutzen sollen.

Die Botschaft ist klar: Die Industrie sucht händeringend nach Lösungen für den explodierenden Energie- und Kühlbedarf moderner KI-Infrastruktur. Chinas Unterwasser-Rechenzentrum könnte dabei zum Vorbild werden – oder zumindest zum Maßstab, an dem sich künftige Projekte messen lassen müssen.

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