Universal Cart: Google revolutioniert KI-Handel mit neuer Plattform
21.06.2026 - 06:23:06 | boerse-global.de
Mit der Einführung des Universal Cart schafft das Unternehmen einen zentralen Einkaufswagen, der sich über das gesamte Google-Ökosystem erstreckt – von der Suche über YouTube bis hin zu Gmail.
Vizepräsidentin Vidhya Srinivasan stellte die Neuerung auf der Entwicklerkonferenz I/O 2026 im Mai vor. Ihre Botschaft war klar: Der „agentische Handel" beginnt jetzt. Gemeint sind KI-Assistenten, die selbstständig Einkäufe für den Nutzer abwickeln.
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Ein Warenkorb für das ganze Internet
Der Universal Cart ist kein gewöhnlicher Einkaufswagen. Er ist tief in Google Search, Gemini, YouTube und Gmail integriert. Nutzer können damit Preisnachlässe verfolgen, historische Preiskurven einsehen und sich benachrichtigen lassen, wenn ein Produkt wieder auf Lager ist.
Der Start erfolgt im Sommer 2026 zunächst in den USA. Für Kanada, Australien und Großbritannien sind Erweiterungen geplant – ein EU-Starttermin steht noch nicht fest.
Sicherheit als oberste Priorität
KI-gesteuerte Einkäufe bergen Risiken. Google hat deshalb das Agent Payments Protocol 2 (AP2) entwickelt. Dieses Sicherheitsframework wandelt Nutzererlaubnisse in fälschungssichere digitale Verträge um. Die Bezahlung läuft über tokenisierte Google-Pay-Konten – sensible Finanzdaten landen nie direkt auf der KI-Plattform.
Das System prüft vor dem Kauf sogar technische Kompatibilitäten. Kauft ein Nutzer etwa ein Mainboard und eine CPU, stellt die KI sicher, dass beide zusammenpassen.
Offener Standard für den KI-Handel
Google setzt auf Partnerschaften. Der Universal Commerce Protocol (UCP) soll als offener Standard für KI-gestützte Einkäufe etabliert werden. Zu den Entwicklungspartnern zählen Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart. Ein Aufsichtsgremium umfasst zudem Vertreter von Amazon, Meta, Microsoft, Salesforce und Stripe.
Erste Großkunden sind bereits an Bord. Nike nutzt Googles KI-Handelstools, und Gap Inc. – mit den Marken Gap, Old Navy, Banana Republic und Athleta – setzt auf Gemini für Einkäufe über das neue Protokoll.
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SAP und Google Cloud treiben die Entwicklung voran
Auch für den deutschen Markt relevante Akteure sind involviert. SAP und Google Cloud haben kürzlich eine Architektur für den agentischen Handel vorgestellt. Der SAP Commerce Cloud übernimmt den UCP für standardisierten Datenaustausch. Google Gemini fungiert dabei als Shopping-Assistent für Chat, Sprache und Text.
Eine SAP-Studie zeigt allerdings eine Diskrepanz: 78 Prozent der Unternehmen sehen KI 2026 als entscheidend für die Kundenbindung. Doch nur 37 bis 39 Prozent teilen derzeit die nötigen Kundendaten, um solche Systeme vollständig zu implementieren.
Wettbewerb verändert sich
Während Google auf integrierte Checkout-Lösungen setzt, hat sich OpenAI anders positioniert. Der ChatGPT-Entwickler hat sich von einer eingebauten Bezahlfunktion verabschiedet. Stattdessen konzentriert sich OpenAI auf visuelle Produktvergleiche, Preisverfolgung und Bewertungen. Der Schritt folgte auf enttäuschendes Feedback von Händlern wie Walmart.
Nutzerverhalten im Wandel
Die Technologie trifft auf ein verändertes Konsumverhalten. Multimodale Suche gewinnt an Bedeutung: Mehr als ein Sechstel der KI-Mode-Anfragen sind inzwischen nicht-textuell. Google Lens verzeichnet monatlich über 25 Milliarden visuelle Suchanfragen. Die durchschnittliche Anfrage im KI-Mode ist zudem dreimal länger als bei traditionellen Suchen.
Google testet zudem Gemini Spark, einen rund um die Uhr verfügbaren KI-Agenten. Er soll Einkäufe innerhalb festgelegter Budgetgrenzen selbstständig ausführen. Das Unternehmen betont, keine Provision auf Verkäufe über den Universal Cart zu nehmen – man stelle lediglich die Infrastruktur bereit.
