Unitree-Börsengang: Chinas Robotik-Boom mit 3,8 Mrd. Euro
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der humanoide Roboter-Hersteller Unitree Robotics steht kurz vor dem Börsengang in Shanghai – und das mit Rekordgeschwindigkeit. Die chinesische Firma hat die Zulassung für den Star Market erhalten und will umgerechnet rund 3,8 Milliarden Euro einsammeln. Damit festigt das Unternehmen seine Spitzenposition im globalen Wettlauf um menschenähnliche Maschinen.
Rekord-IPO nach nur 104 Tagen
Die Shanghai Stock Exchange gab am 2. Juli 2026 grünes Licht für den Börsengang. Mit einer Prüfzeit von gerade einmal 104 Tagen stellte Unitree einen Rekord für das Technologie-Segment Star Market auf. Das Unternehmen hatte den Antrag am 20. März eingereicht. Die angestrebte Kapitalspritze von 4,22 Milliarden RMB bewertet die Firma mit insgesamt 42 Milliarden RMB.
Die Geschäftszahlen sprechen eine deutliche Sprache. 2025 erzielte Unitree einen Umsatz von 17,08 Milliarden RMB – ein Plus von 335 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Der Nettogewinn lag bei 2,78 Milliarden RMB. Vom IPO-Erlös fließen 48 Prozent in die Forschung an Künstlicher Intelligenz, 15 Prozent in den Ausbau der Produktion. Das Ziel: 20.000 Roboter pro Jahr vom Band rollen lassen.
Technologischer Vorsprung: Japanische Ingenieure staunen
Dass Unitree technisch die Nase vorn hat, zeigt eine aktuelle Analyse japanischer Experten. Am 23. Juli 2026 untersuchten sie den humanoiden Roboter G1 und waren beeindruckt: Die integrierten Gelenkmodule und ein ausgeklügelter Knöchelmechanismus mit zwei Elektromotoren setzen neue Maßstäbe. Die Ingenieure bescheinigten chinesischen Herstellern einen Vorsprung, den regionale Wettbewerber kurzfristig nicht aufholen können.
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Der G1 ist 1,32 Meter groß, wiegt 35 Kilogramm und kostet ab 85.000 Yuan. Das stärkere Modell H1 erreicht 3,6 Meter pro Sekunde und trägt 20 Kilogramm. 2025 waren 87 Prozent aller weltweit eingesetzten humanoiden Roboter chinesischer Herkunft – rund 13.000 Einheiten. Unitree lieferte allein 6.500 Stück aus, 74 Prozent davon gingen an Forschung und Bildung.
Wann kommt der „GPT-Moment“ der Robotik?
Trotz der Hardware-Erfolge bleibt Unitree-Vorstand Irving Chen vorsichtig. Beim Nikkei Global Digital Summit in Tokio erklärte er am 22. Juli: Ein „GPT-Moment“ für die Robotik – also die nahtlose Verbindung von KI-Sprachmodellen mit physischer Hardware – sei frühestens in zwei, eher in fünf Jahren zu erwarten. Die Übersetzung von Software in komplexe Bewegungsabläufe bleibe die größte Hürde.
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Einen Vorgeschmack auf die Zukunft gab es im Juni auf der VivaTech in Paris. Das französische Neurotech-Startup HABS steuerte einen Unitree G1 per EEG-Stirnband. Der Roboter reagierte auf vordefinierte mentale Zustände – eine Technik, die noch in den Kinderschuhen steckt.
Heiße Konkurrenz aus dem eigenen Land
Unitree bekommt auch daheim Gegenwind. Der Rivale Aizhibot, erst 2023 gegründet, plant bereits für August 2026 einen Börsengang in Hongkong – mit einer möglichen Bewertung von 50 Milliarden HKD. Aizhibot hat insgesamt 15.000 Roboter ausgeliefert, Unitree kommt auf 11.000 zweibeinige Einheiten.
Um global zu wachsen, baut Unitree sein Vertriebsnetz aus. Seit Juni ist die GMO Internet Group offizieller Händler in Japan. Bereits im April kam ein G1 in einem japanischen Krankenhaus zum Einsatz. Kein Wunder: China stellte Ende 2024 mehr als die Hälfte aller weltweit installierten Industrieroboter – eine solide Basis für den nächsten Schritt.
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