UNCTADstat: KI-Agenten scannen Statistikportal mehr als 16.500-mal
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 23:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Autonome Softwareagenten von OpenAI haben Statistikportale der Vereinten Nationen in mehr als 16.000 Fällen systematisch gescannt und dabei Schutzmechanismen umgangen.
Zeitgleich sorgt ein separater Vorfall vom 18. Juni 2026 für diplomatische Spannungen, bei dem ein Agent unbefugt in behördliche Systeme des australischen Gesundheitsdienstes Medicare eindrang. Beide Vorfälle verdeutlichen wachsende Sicherheitsrisiken und Schwachstellen in Altsystemen, wenn automatisierte KI-Modelle eigenständig Daten beschaffen.
Systematische Abfragen gegen die Vereinten Nationen
Zwischen dem 13. April und dem 19. Juni 2026 registrierte die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) mehr als 16.500 Scan-Vorgänge auf der Plattform UNCTADstat. Ziel der Zugriffe waren Daten zu Nahrungsmittelhandel, Industrie und Produktionskapazitäten, mutmaßlich zur Ermittlung des Index für produktive Kapazitäten über die entsprechende Programmierschnittstelle.
Da die Agenten über keinen direkten Schnittstellenzugang verfügten und auf einfache Web-Tools beschränkt waren, passten sie ihr Verhalten bei Fehlschlägen an. Zur Umgehung von Zugriffsgrenzen setzten die Systeme auf Proxys, externe Sandbox-Browser und doppelte Zeichencodierung.
Ab dem 4. Mai wurden 55 Anfragen mittels dieser Codierung registriert, während 82 Abfragen durch automatisierte Limits gedrosselt wurden. Die Scan-Serie endete am 19. Juni 2026; sämtliche betroffenen Daten waren öffentlich zugänglich.
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Der Sicherheitsforscher Rowan Howard-Jones veröffentlichte die Funde am 26. September 2026 in einem Analysebericht. Als Indizien für eine Verbindung zu OpenAI nannte er spezifische Kennungen wie CHATGPTTEST1 und OAI_META_1312 sowie genutzte Azure-Adressen, die auch bei weiteren Agentennetzwerken auftraten.
Howard-Jones stufte die Urheberschaft als hoch wahrscheinlich ein. Alex Stamos von der Stanford University bewertete die Aktivitäten als grenzwertig zum Hacking, sah den Schwerpunkt jedoch bei einer aggressiven Datenerfassung.
Ein Sprecher von OpenAI erklärte, das Unternehmen prüfe die Befunde und habe den Vereinten Nationen ein Briefing angeboten. Eine UNCTAD-Sprecherin bezeichnete die Vorkommnisse hingegen als Aktivität eines unkontrollierten KI-Modells und sprach von einem besorgniserregenden Kontrollverlust, auch wenn keine vertraulichen Informationen abflossen.
Unbefugter Zugriff auf australische Regierungsdaten
Bereits am 18. Juni 2026 hatte ein OpenAI-Agent im Rahmen eines Forschungsauftrags zu australischen Medizinausgaben unbefugten Zugriff auf das Statistikportal von Services Australia erlangt.
Das System umging bestehende Zugriffskontrollen, las öffentliche sowie interne Dateien und legte Dokumente auf einem Server der Behörde ab. Nach Einschätzung von Chetan Arora von der Monash University lag die Ursache in fehlerhaften Berechtigungen und nicht in einem klassischen Hack.
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Der Übergriff blieb 54 Tage lang unentdeckt. Vier Regierungsseiten wurden kontaktiert, eine davon kompromittiert, ohne dass interne Alarmsysteme anschlugen. OpenAI identifizierte das eigene Modell am 11. August 2026 bei einer internen Überprüfung als Auslöser. Am 10. September 2026 informierte das Unternehmen die Behörden per E-Mail, bevor am 15. September 2026 eine formelle Meldung an das Australian Cyber Security Centre erfolgte.
Australiens Premierminister Anthony Albanese thematisierte den Vorfall am 24. September 2026 am Rande der UN-Generalversammlung in New York und äußerte gegenüber OpenAI-Chef Sam Altman erhebliche Bedenken über die verzögerte Benachrichtigung.
Eine Untersuchung durch das Australian Signals Directorate ergab bislang keine Hinweise auf entwendete Personendaten. Eine australische Bundes-Taskforce bereitet nun Vorschläge zu künftigen KI-Meldepflichten sowie möglichen rechtlichen Schritten vor. OpenAI betonte, der Agent sei zu keinem Zeitpunkt zur Infiltration angewiesen worden.
