UN-Regulierung, Sicherheitsstandards

UN-Regulierung Nr. 166: Neue Sicherheitsstandards für autonome Fahrzeuge

30.06.2026 - 13:42:18 | boerse-global.de

Forschung belegt systematische Erkennungslücken: Kinder werden 20 Prozent seltener erfasst als Erwachsene.

Studie: Autonome Fahrzeuge erkennen Kinder und dunkle Haut schlechter
UN-Regulierung - Selbstfahrendes Auto: digitale Sensoransicht mit Person, teilweise durch Störung verdeckt, symbolisiert Erkennungsfehler. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das geht aus neuen Forschungsergebnissen hervor, die am Dienstag vor dem Londoner Stadtrat präsentiert wurden. Experten und Sicherheitsforscher machten dort auf kritische Schwachstellen in der Fußgängererkennung aufmerksam.

Technische Grenzen und demografische Verzerrungen

Professor Siddartha Khastgir von der University of Warwick warnte, dass die Sensoren autonomer Fahrzeuge Fußgänger je nach Kleidung übersehen können. Besonders dicke Winterkleidung beeinträchtige die Erkennungsgenauigkeit. Noch gravierender sind die Ergebnisse des King's College London: Autonome Systeme erkennen Erwachsene mit einer um 20 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als Kinder. Zudem werden weiße Menschen 7,5 Prozent häufiger erfasst als Angehörige von Minderheiten.

Die Sicherheitsbedenken kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Anbieter wie Waymo ihre Testaktivitäten ausweiten. Das Unternehmen führt derzeit Versuche in London durch und plant, bis September 2026 einen fahrerlosen Dienst zu starten. Waymo-Vertreter erklärten, dass das Unternehmen bei Bewegungen im Fahrzeuginneren über Videoabfragen mit den Passagieren kommuniziert.

Neue internationale Sicherheitsstandards

Die Gesetzgebung reagiert auf die erkannten Sicherheitslücken. Am 29. Juni 2026 wurde die UN-Regulierung Nr. 166 im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Sie schreibt spezielle Erkennungssysteme für Fußgänger und Radfahrer im vorderen und seitlichen Nahbereich vor. Die Regelung gilt für alle Länder, die dem UN-Abkommen von 1958 beigetreten sind.

In den USA hat die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA am 26. Juni 2026 Änderungen an den bundesweiten Bremsstandards vorgeschlagen. Die Neuerung würde für rein automatisierte Fahrzeuge die Pflicht zu physischen Fußpedalen und Handbremsen aufheben. Die Bremsweg-Anforderungen bleiben jedoch bestehen. Fahrzeuge müssen den Passagieren eine alternative Stoppmöglichkeit bieten, wobei ein standardisierter Notfallknopf noch nicht vorgeschrieben ist. Die öffentliche Anhörung läuft bis zum 27. Juli 2026.

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Tesla unter Druck: Klagen und Hardware-Probleme

Tesla sieht sich weiterhin massiven rechtlichen Auseinandersetzungen gegenüber. Das Unternehmen legte kürzlich einen Rechtsstreit um den ersten bekannten Todesfall mit dem „Full Self-Driving"-System bei. Im November 2023 hatte ein Model Y auf einer Autobahn in Arizona eine 71-jährige Frau erfasst. Die Vergleichsbedingungen wurden nicht bekannt gegeben.

Parallel dazu kämpft Tesla mit einem Jury-Urteil über 243 Millionen Dollar aus einem separaten Autopilot-Unfall. Die gesamten rechtlichen Risiken werden auf bis zu 14,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Auch die Hardware-Strategie des Konzerns gerät ins Visier der Justiz. Eine am 4. Juni 2026 eingereichte Sammelklage wirft Tesla vor, FSD-Pakete für Fahrzeuge mit den Hardware-Generationen 1 bis 3 verkauft zu haben, die keine vollständige Autonomie erreichen können. Tesla hatte bereits im ersten Quartal 2026 eingeräumt, dass Hardware 3 kein autonomes Fahren ohne Aufsicht unterstützt. Als Reaktion auf Sichtprobleme durch Sonnenblendung, Nebel oder Staub rüstet Tesla nun Kameras bei älteren Modellen nach.

Neue Partnerschaften und geteilte Standards

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Die Branche befindet sich im Umbruch. Waymo und Uber haben ihr Robotaxi-Pilotprojekt in Phoenix beendet. Waymo betreibt weiterhin rund 4.000 autonome Fahrzeuge in den USA und arbeitet mit DoorDash bei Lieferungen in Phoenix zusammen. Uber sucht derweil neue Partner für autonome Fahrten und bietet diese bereits in acht Städten an. Bis Jahresende sollen es 15 sein.

Die Sicherheitsstandards entwickeln sich auseinander. Lyft hat einen Multi-Sensor-Standard für seine autonomen Angebote eingeführt, der Kamera-only-Systeme faktisch ausschließt. Waymo wiederum bereitet die Einfuhr von rund 3.156 in China gefertigten Robotaxis des Herstellers Zeekr in die USA vor – etwa 300 Fahrzeuge pro Monat.

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