Ultraschall-Vorsorge: 30 Prozent zeigen Fettleber oder Gefäßveränderungen
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medizinische Fachgesellschaften diskutieren derzeit intensiv, wie künstliche Intelligenz und weiterentwickelte Ultraschalltechnik dazu beitragen können, chronische Erkrankungen und Entzündungsprozesse früher zu identifizieren. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob die diagnostische Standardisierung durch KI ausreicht, um Vorsorgeuntersuchungen zu verbessern, ohne die ärztliche Beurteilung zu verdrängen.
Standardisierung statt Ersatz der ärztlichen Beurteilung
Auf einer Pressekonferenz zum Dreiländertreffen Ultraschall in Mainz erläuterte die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), dass KI-Systeme in der Schwangerschaftsdiagnostik vor allem dazu dienen sollen, Untersuchungen vollständiger, einheitlicher und nachprüfbarer zu machen.
Christian Enzensberger von der Uniklinik RWTH Aachen, stellvertretender Leiter des DEGUM-Arbeitskreises KI, betonte laut einem Bericht vom 22. September 2026, dass der Nutzen der Technologie derzeit vor allem in der Standardisierung liege. Die Systeme prüften Schnittebenen sowie Beurteilbarkeit und Reproduzierbarkeit von Messungen.
Seltene Fehlbildungen selbstständig zu erkennen, sei hingegen nicht der Hauptfortschritt. Diagnose, Beratung und Therapie blieben ärztliche Verantwortung. Das 49. Dreiländertreffen der deutschsprachigen Ultraschallgesellschaften fand vom 23. bis 26. September 2026 in Mainz statt, mit eigenen Sitzungen zu Nutzen und Risiko von KI in der Pränataldiagnostik.
Fettleber und Gefäßveränderungen bleiben oft unentdeckt
Ein zentrales Thema des Kongresses war die Rolle des Ultraschalls bei der Früherkennung von Fettleber und beginnenden Gefäßwandveränderungen – Befunde, die in der gesetzlichen Vorsorge derzeit kaum abgebildet werden. Der Check-up ab 35 Jahren sieht keine regelhafte Ultraschalluntersuchung vor, einzige Ausnahme ist das einmalige Bauchaortenaneurysma-Screening bei Männern ab 65 Jahren.
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Sabine Guth, Ärztliche Leiterin der Sana Praevention Hamburg und Kongresspräsidentin des Dreiländertreffens, berichtete von Erfahrungen aus rund 20.000 Untersuchungen bei Vorsorgeklientel: Etwa 30 Prozent der Patienten wiesen eine Fettleber oder beginnende Gefäßwandveränderungen auf, rund 25 Prozent atherosklerotische Gefäßveränderungen, und etwa ein Prozent zeigte bösartige oder potenziell bösartige Befunde, darunter teils organerhaltend kurativ behandelbare Nierenzellkarzinome.
Guth verwies darauf, dass laut Statistischem Bundesamt Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in Deutschland seien, gefolgt von Krebs. Eine schwedische Studie mit rund 13.000 Fettleber-Patienten habe zudem gezeigt, dass die Sterblichkeit durch plötzlichen Herztod um 54 Prozent und die krebsbedingte Sterblichkeit um 47 Prozent erhöht war.
Guth schätzt, dass rund 20 Millionen Menschen in Deutschland mit einer Fettleber leben, verbunden mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselleiden und Leberkrebs. Ultraschall könne zudem Nierenzellkarzinome und Blasenpapillome erkennen.
Bislang sei die Abdomensonografie jedoch nicht in den gesetzlichen Präventionsleistungen verankert – etwa im Check-up 35 oder der gynäkologischen und urologischen Vorsorge – und werde lediglich als individuelle Gesundheitsleistung angeboten. Guth verwies darauf, dass die Studienlage zur Früherkennung insgesamt noch unzureichend sei, empfahl aber einen Basisultraschall ab 40 Jahren.
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Bereits im Juni 2026 hatte die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) unter ihrem Präsidenten Heiner Wedemeyer ein Leberscreening gefordert, bestehend aus dem Fib-4-Wert – berechnet aus GOT, GPT und Thrombozyten – in Kombination mit einer Leberelastografie.
Grenzen und Verantwortung bleiben bestehen
Die auf dem Mainzer Treffen diskutierten Ansätze verdeutlichen ein wiederkehrendes Muster: Technologische Unterstützung – ob durch KI-gestützte Bildanalyse oder erweiterte Ultraschalldiagnostik – wird von den Fachgesellschaften explizit als Ergänzung, nicht als Ersatz ärztlicher Expertise verstanden.
Die Standardisierung von Untersuchungsabläufen und die frühere Sichtbarmachung von Risikofaktoren wie Fettleber oder Gefäßveränderungen könnten helfen, Volkskrankheiten früher zu erfassen.
Ob und in welcher Form solche Verfahren künftig Eingang in die gesetzliche Vorsorge finden, bleibt nach den Aussagen der beteiligten Mediziner vorerst offen – nicht zuletzt, weil belastbare Studien zur bevölkerungsweiten Früherkennung nach eigener Einschätzung der Fachgesellschaften noch fehlen.
