Ukraine-Studie, Zivilbevölkerung

Ukraine-Studie: 31,2 Prozent der Zivilbevölkerung erfüllen PTBS-Kriterien

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Befragung von 2.504 Erwachsenen zeigt hohe PTBS-Raten und häufige Kriegserfahrungen in regierungskontrollierten ukrainischen Gebieten.

Ukraine-Studie: 31,2 Prozent der Zivilbevölkerung erfüllen PTBS-Kriterien
Eine verlassene Wohnstraße mit beschädigten Gebäudefassaden und vernagelten Fenstern in der Abenddämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die psychischen Folgen bewaffneter Konflikte reichen weit über die unmittelbaren Kampfzonen hinaus und prägen den Alltag von Millionen Menschen. Eine am 29. September 2026 im Fachmagazin European Journal of Psychotraumatology veröffentlichte Untersuchung liefert detaillierte Einblicke in den seelischen Zustand der Zivilbevölkerung in der Ukraine.

Die Erhebung verdeutlicht, wie tiefgreifend die anhaltenden Kampfhandlungen das seelische Wohlbefinden der Bevölkerung belasten und welches Ausmaß an posttraumatischen Störungen in der Gesellschaft vorliegt.

Ausmaß der Traumafolgen in regierungskontrollierten Gebieten

Für die nationale Erhebung befragten Forschende insgesamt 2.504 Erwachsene in den von der ukrainischen Regierung kontrollierten Regionen des Landes. Den Studienergebnissen zufolge erfüllen 31,2 Prozent der befragten Zivilbevölkerung die Kriterien für eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder eine komplexe PTBS.

Im Detail diagnostizierten die Autorinnen und Autoren bei 25,2 Prozent der Teilnehmenden eine reguläre PTBS, während 6 Prozent die Kriterien einer komplexen PTBS aufwiesen.

Um diese Raten einzuordnen, verweisen Fachleute auf internationale Vergleichswerte: In der weltweiten Allgemeinbevölkerung liegt der Anteil von Personen mit PTBS üblicherweise bei unter 10 Prozent. Die Werte in den untersuchten Gebieten der Ukraine übersteigen dieses Niveau damit um ein Vielfaches.

Kriegserfahrungen prägen den Alltag

Die Ursache für diese Verbreitung liegt in den allgegenwärtigen Belastungen durch den Krieg. Über 90 Prozent der Befragten gaben an, im Erwachsenenalter mindestens ein traumatisches Erlebnis gehabt zu haben.

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Die neue Erhebung zeigt: 31,2 Prozent der Zivilbevölkerung in den regierungskontrollierten Regionen der Ukraine erfüllen die Kriterien für PTBS oder komplexe PTBS — ein Vielfaches des internationalen Vergleichswerts von unter 10 Prozent. Für psychosoziale Fachkräfte und Helfende bedeutet das: Screening und Erstversorgung müssen sitzen. Kostenlosen Praxis-Leitfaden anfordern

Die Studie erfasste dabei spezifische Formen der Kriegsbetroffenheit: Die Hälfte der Befragten – exakt 50 Prozent – hat Angehörige im Fronteinsatz. Zudem erlebten über 70 Prozent Beschuss in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, und 65 Prozent berichteten von kriegsbedingten Zerstörungen im eigenen Umfeld.

Hauptautorin Emma Facer-Irwin betonte im Zusammenhang mit den Resultaten, dass der Krieg den wesentlichen Faktor für die Entstehung und die weite Verbreitung von PTBS innerhalb der Zivilbevölkerung darstelle. Studienleiterin Deirdre MacManus vom King's College London bezeichnete das ermittelte Ausmaß der Traumatisierung in der Bevölkerung als enorm.

Risikofaktoren und wissenschaftlicher Hintergrund

Neben den direkten Kriegseinwirkungen machten die Forschenden spezifische demografische und persönliche Faktoren aus, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine PTBS-Diagnose einhergehen.

Dazu zählen das weibliche Geschlecht, ein höheres Lebensalter, ein geringeres Bildungsniveau sowie ein früherer Militärdienst. Ebenso erhöhen kriegsbedingte Vertreibung und eine größere Gesamtzahl an erlebten traumatischen Ereignissen das Erkrankungsrisiko signifikant.

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Fehlende Versorgungskapazitäten treffen auf eine Bevölkerung, in der über 70 Prozent Beschuss in der Nachbarschaft erlebt haben und die Hälfte Angehörige im Fronteinsatz hat. Wer Betroffene begleitet, braucht klare Schritte statt Vermutungen. Der Leitfaden zeigt, wie Sie Trauma-Erstversorgung strukturieren und Selbsthilfe-Strategien weitergeben. Schritt-für-Schritt-Leitfaden jetzt sichern

Die wissenschaftliche Untersuchung entstand im Rahmen einer breit angelegten internationalen Kooperation unter Beteiligung des Forschungsnetzwerks KonKoop.

Neben dem King's College London wirkten die Kyiv School of Economics, die George Washington University, die University of Manchester, das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) sowie die Organisation Combat Stress an der Studie mit. Finanziert wurde das Forschungsprojekt durch das deutsche Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

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