Übergewicht: OBSCORE-Score schlägt BMI bei Risikobewertung
04.06.2026 - 03:05:23 | boerse-global.deNeben neuen Medikamenten rücken präzisere Diagnoseverfahren und nachhaltige Stoffwechselkonzepte in den Fokus.
Präzisere Risikobewertung jenseits des BMI
Der Body-Mass-Index (BMI) galt lange als Standard zur Beurteilung von Übergewicht. Doch Forscher der Queen Mary University London und der Charité zeigen: Der Wert allein sagt wenig über das tatsächliche Gesundheitsrisiko aus.
Mit OBSCORE entwickelten sie einen Risikoscore, der 20 Gesundheitswerte analysiert – darunter Blutzucker, Cholesterin und Blutdruck. Eine Untersuchung von 197.264 Personen aus der UK Biobank machte die Unterschiede deutlich: In der höchsten Risikogruppe lag die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen innerhalb von zehn Jahren bei 5,7 Prozent.
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Noch gravierender: Hochrisiko-Patienten hatten ein 89-fach erhöhtes Risiko für chronische Nierenerkrankungen und ein 42-fach erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes. Überraschend: Rund 30 Prozent der Diabetes-Hochrisikopatienten waren nur übergewichtig (BMI 27 bis 30) – nicht adipös.
Fortschritte bei Medikamenten – unterschiedliche Erstattung
Inkretinbasierte Wirkstoffe wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten gewinnen an Bedeutung. Eine dänische Studie deutet darauf hin, dass das Demenzrisiko bei Typ-2-Diabetikern unter GLP-1-Therapie um bis zu 53 Prozent niedriger ausfallen könnte. Für den Wirkstoff Dulaglutid zeigte eine Untersuchung mit rund 9.000 Teilnehmern eine Risikosenkung für kognitiven Abbau um 14 Prozent.
Besonders vielversprechend ist Retatrutid, ein Triple-Agonist. In der Phase-3-Studie TRIUMPH-1 führte die wöchentliche Gabe von 12 Milligramm über 80 Wochen zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 28 Prozent – etwa 32 Kilogramm. Der Taillenumfang verringerte sich im Mittel um 24 Zentimeter.
Die Erstattungspolitik in Europa ist jedoch uneinheitlich. Frankreich hat als erstes EU-Land eine Kostenerstattung für Präparate wie Wegovy oder Mounjaro unter Auflagen eingeführt – mit einem geschätzten Volumen von rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Deutschland stuft diese Mittel weiterhin als Lifestyle-Arzneimittel ein, eine Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen ist ausgeschlossen.
Nachhaltigkeit und Risiken der Stoffwechseloptimierung
Trotz der Erfolge warnen Experten vor Nebenwirkungen. Bei Abnehmspritzen drohen Nährstoffmangel und unerwünschter Muskelabbau, da die Nahrungsaufnahme oft drastisch reduziert wird.
Stoffwechselkuren setzen dagegen auf nachhaltige Ernährungsumstellung. Eine 52-wöchige Studie zu Diät-Shakes wie Almased zeigte eine Steigerung der Fettverbrennung um 20 Prozent – bei gleichzeitigem Erhalt der Muskelmasse.
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Häufige Fehler beim Abnehmen sind extreme Crash-Diäten. Sie führen oft zum Jo-Jo-Effekt. Erfolgversprechender ist eine individuelle Strategie, die den Stoffwechsel ankurbelt, ohne auf Radikalverzicht zu setzen. Das Konzept der flexiblen Diät zeigt: 75 Prozent der Anwender halten ihr Gewicht über 12 Monate, wenn sie keine strengen Verbote befolgen müssen.
Food-Bloggerin Sarah Franssen berichtete von einem Gewichtsverlust von 12 Kilogramm innerhalb von vier Monaten – durch ein ausgewogenes Konzept ohne strikten Verzicht.
Bewegung und Prävention
Ergänzend zur Ernährung ist Bewegung zentral. Die WHO empfiehlt wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate Aktivität – bei zügigem Gehen etwa 15 bis 30 Kilometer. Experte Tobias Pietrek rät zu einem moderaten Kaloriendefizit von 300 bis 500 Kilokalorien und einer täglichen Energiezufuhr von 24 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht bei Männern, 22 bei Frauen. Krafttraining an zwei bis drei Tagen pro Woche stabilisiert den Grundumsatz.
Im Rahmen einer Gesundheitswoche im Wiener Auhof Center sind für Mitte Juni präventive Maßnahmen geplant. Am 15. und 16. Juni bietet die ÖGGK kostenlose Screenings und Vorträge an – unter anderem mit einem mobilen Herz-Screening. Ziel: Das Bewusstsein für Stoffwechselgesundheit in der Bevölkerung stärken.
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