Dreifach-Spritzen, Gewichtsreduktion

Übergewicht: Neue Dreifach-Spritzen zeigen 30% Gewichtsreduktion

24.06.2026 - 03:02:54 | boerse-global.de

Neue Medikamente ermöglichen Gewichtsverlust von bis zu 30 Prozent. Studien widerlegen zudem den gefürchteten Jo-Jo-Effekt.

Adipositas-Therapie: Neue Dreifach-Spritze und Mythen zum Jo-Jo-Effekt
Dreifach-Spritzen - Eine medizinische Spritze neben einer Waage, die Gewichtsverlust und pharmazeutische Innovationen darstellt. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Medikamente zeigen in Studien eine beispiellose Wirksamkeit – doch die Gesellschaft bleibt skeptisch.

Revolution per Dreifach-Wirkung

Das Medikament Retatrutid sorgt aktuell für Aufsehen. Der sogenannte Dreifach-Agonist greift gleich an drei Rezeptoren an: GLP-1, GIP und Glukagon. Das Ergebnis einer Phase-3-Studie: eine Gewichtsreduktion von bis zu 30 Prozent. Einmal wöchentlich gespritzt, imitiert das Präparat körpereigene Hormone, die das Sättigungsgefühl verstärken und die Magenentleerung verzögern.

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Doch die Akzeptanz in der Bevölkerung hinkt hinterher. Eine aktuelle Umfrage unter 409 Teilnehmern zeigt: 79 Prozent kennen die „Abnehmspritzen“, aber nur ein Drittel fühlt sich ausreichend informiert. Genauso viele sorgen sich um Nebenwirkungen. 71 Prozent befürworten eine Anwendung ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht. Für 78 Prozent sind die Spritzen nur der letzte Ausweg.

Jo-Jo-Effekt: Alte Mythen widerlegt

Schnell abnehmen – und dann kommt alles zurück? Eine norwegische Studie räumt mit diesem Vorurteil auf. Forscher präsentierten die Ergebnisse im Mai auf dem Europäischen Kongress für Adipositas in Istanbul. 284 Erwachsene mit Adipositas nahmen teil. Eine Gruppe reduzierte ihre Kalorienzufuhr auf unter 1.000 Kilokalorien pro Tag, die andere auf etwa 1.400.

Nach vier Monaten hatte die Schnellabnehm-Gruppe 13 Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren, die langsame Gruppe 8 Prozent. Nach zwölf Monaten lag der Wert bei 14,4 gegenüber 10,5 Prozent. Die Forscher fanden keinen verstärkten Jo-Jo-Effekt bei den Probanden, die ihr Gewicht zügig reduziert hatten.

Kohlenhydrate sind nicht gleich Kohlenhydrate

Ernährungswissenschaftler wie Henning Fenselau vom Max-Planck-Institut und Hans Hauner von der TU München betonen: Komplexe Kohlenhydrate aus Vollkorn und Hülsenfrüchten sind essenziell für eine gesunde Gewichtsreduktion. Sie liefern Ballaststoffe, die satt machen und den Blutzucker stabilisieren. Nur stark verarbeitete Kohlenhydrate fördern Heißhunger.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens 30 Gramm Ballaststoffe täglich. Sie senken das Risiko für Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten. Lösliche Ballaststoffe aus Hafer oder Gerste beeinflussen den Cholesterinspiegel positiv, unlösliche Varianten fördern die Verdauung.

Grenzen der Gewichtsreduktion

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Doch Abnehmen ist nicht immer die Lösung. Eine aktuelle Untersuchung bei älteren, übergewichtigen Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern zeigte: Die Gewichtsabnahme verbesserte die Herzrhythmusstörung nicht.

Parallel zu medizinischen Ansätzen halten sich fragwürdige Trends. Das „Natural Wegovy“ – gekochte Eier mit Olivenöl und Pfeffer zum Frühstück – soll die natürliche GLP-1-Ausschüttung maximieren. Ernährungsexperten warnen: Die hormonelle Reaktion fällt deutlich geringer aus als bei Medikamenten. Und ein Esslöffel Öl schlägt mit 90 Kilokalorien zu Buche.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält bis zu 400 Milligramm Koffein täglich für unbedenklich, warnt aber vor Langzeitrisiken bei mehr als sechs Tassen Kaffee. Zur Unterstützung der Gewichtsregulation empfehlen Fachleute 500 Milliliter Wasser vor den Mahlzeiten sowie sieben bis neun Stunden Schlaf. Dass eine signifikante Gewichtsreduktion auch ohne Medikamente möglich ist, zeigte zuletzt Schauspielerin Barbara Wussow: Sie nahm durch Disziplin und Bewegung rund zehn Kilogramm ab.

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