Übergewicht: 53% der Erwachsenen zu schwer – Demenzrisiko steigt
04.06.2026 - 09:21:37 | boerse-global.deAktuelle Zahlen aus dem Mikrozensus 2025 zeigen: 53,4 Prozent der Erwachsenen gelten als übergewichtig, 17,9 Prozent sogar als adipös. Besonders Männer sind betroffen: 62,6 Prozent von ihnen haben zu viele Kilos auf den Rippen, bei den Frauen sind es 43,8 Prozent. Seit 2017 ist das Durchschnittsgewicht der Bevölkerung um 1,3 Kilo gestiegen.
Das Problem: Nur jeder vierte Erwachsene bewegt sich genug. Die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) beziffert den Anteil derer, die die WHO-Empfehlungen erreichen, auf magere 26 bis 29 Prozent. Bewegungsmangel gilt mittlerweile als vierthäufigster Risikofaktor für vorzeitigen Tod weltweit. Besonders alarmierend: Schon 38 Prozent der 11- bis 17-Jährigen sind übergewichtig.
Wenn der Lebensstil aufs Gehirn schlägt
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Die Folgen zeigen sich nicht erst im Alter. Eine Studie der Universität Leipzig, veröffentlicht im Fachblatt Alzheimer's & Dementia, belegt: Der sogenannte LIBRA-Demenzrisiko-Index sagt bereits bei 20- bis 39-Jährigen voraus, wie hoch ihr späteres Demenzrisiko ist. Bewegungsmangel, Rauchen und Depression sind die Treiber. Bei Älteren kommen Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte dazu.
Die Daten von rund 150.000 Teilnehmern der NAKO-Gesundheitsstudie zeigen zudem: Ein niedriger sozioökonomischer Status erhöht das Erkrankungsrisiko deutlich. In der Schweiz wird alle 15 Minuten eine Demenz-Neuerkrankung registriert – ein Trend, der Deutschland nicht verschont.
Forscher der Queen Mary University London und der BIH Charité haben den OBSCORE entwickelt, ein neues Risikomaß. Denn der BMI allein reicht nicht. Entscheidend sind Entzündungsmarker, Blutzucker und Blutdruck. In der Hochrisikogruppe war das Risiko für Nierenerkrankungen um das 89-fache erhöht, für Herz-Kreislauf-Tod um das 47-fache.
Milliarden für vermeidbare Krankheiten
Die jährlichen Gesundheitsausgaben in Deutschland liegen bei über 500 Milliarden Euro – mehr als 12 Prozent des BIP. Rund 80 Prozent davon entfallen auf Zivilisationserkrankungen, die durch mehr Bewegung vermeidbar wären. Die GOTS fordert auf ihrem 41. Jahreskongress in Osnabrück einen radikalen Kurswechsel: weg von der Reparaturmedizin, hin zur Prävention.
Konkret verlangen die Mediziner:
- 60 Minuten täglichen Sportunterricht in den Schulen
- Ein eigenständiges Schulfach Gesundheit
- Höhere Steuern auf Zucker, Alkohol und Nikotin
Auch die Deutsche Sportjugend (dsj) mahnte im Mai: Bewegung müsse festes Strukturprinzip im Ganztag werden. Nötig sei eine engere Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Sportvereinen und Jugendhilfe.
Was wirklich hilft – und was nicht
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Während die Politik noch diskutiert, zeigt ein Ratgeber von Harvard Health Publishing, worauf es ankommt: Mindestens 7.000 Schritte täglich, kombiniert mit Kraft-, Ausdauer- und Balancetraining. Nahrungsergänzungsmittel oder Anti-Aging-Präparate wie Metformin oder Kollagen? Fehlanzeige – wissenschaftlich nicht belegt.
In der Praxis gibt es bereits niedrigschwellige Angebote. Im hessischen Kreis Gießen startete Anfang Juni die Aktion „Sport im Park“. Vereine bieten kostenfreie Kurse wie Qigong oder Parkour im öffentlichen Raum an – gezielt für Menschen, die sonst nicht in die Halle kommen.
Dass extreme Leistungen möglich sind, zeigt die Berlinerin Joyce Hübner. Am 3. Juni lief sie ihren 367. Marathon in Folge – neuer Weltrekord für Frauen. Ihr Ziel: Bis Oktober 495 Marathons, um auf die Bedeutung von Bewegung aufmerksam zu machen.
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