UC-II bei Gelenkschmerzen: EFSA sieht keine ausreichenden Belege für Kollagen
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 14:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm Bereich der Gelenkgesundheit gewinnt undenaturiertes Typ-II-Kollagen (UC-II) zunehmend an Aufmerksamkeit. Laut Herstellerangaben des Chemie- und Inhaltsstoffunternehmens Ningbo Inno Pharmchem wirkt der aus Hühnerbrustknorpel gewonnene Rohstoff über den Mechanismus der sogenannten oralen Toleranz.
Auf diesem Weg könnte das Protein dazu beitragen, überschießende Immunreaktionen bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis zu dämpfen. Während klinische Untersuchungen von einer Linderung entzündlicher Gelenkschmerzen sowie einer verbesserten Beweglichkeit berichten, fallen die individuellen Ergebnisse bei Betroffenen sehr unterschiedlich aus.
Wirkansatz über Darm-Gelenk-Achse und Immunmodulation
Der Rohstoffhersteller verweist darauf, dass das Kollagen mittels eines Niedertemperatur-Verfahrens extrahiert werde, wodurch die natürliche Molekülstruktur erhalten bleibe. Nach Angaben des Unternehmens deuten Studien darauf hin, dass UC-II die sogenannte Darm-Gelenk-Achse beeinflussen könne. Durch die Regulierung der lokalen Immunantwort im Darm sowie die Stärkung von Darmbarriere und Mikrobiom ließen sich Entzündungskaskaden adressieren.
Insbesondere pro-inflammatorische Antworten von T- und B-Zellen über die Signalwege von Interleukin-17 (IL-17) und Interleukin-22 (IL-22) könnten dadurch abgemildert werden. Neben der Modulation von Entzündungsreaktionen liefere der Knorpelextrakt zudem Aminosäuren für die Knorpelsynthese. Aus diesem Grund wird UC-II sowohl bei rheumatoider Arthritis als auch bei Osteoarthritis als potenzieller ergänzender Ansatz diskutiert.
Fehlende therapeutische Einstufung und behördliche Vorgaben
Trotz dieser biologischen Erklärungsansätze betont Ningbo Inno Pharmchem, dass eine Einstufung von UC-II als Therapie gegen rheumatoide Arthritis derzeit wissenschaftlich nicht belegt sei. Weitere groß angelegte klinische Studien seien erforderlich, um belastbare Aussagen zu treffen.
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Zudem sei die Differenzierung zwischen undenaturiertem Typ-II-Kollagen und herkömmlichem hydrolysiertem Kollagen wesentlich. Betroffene sollten vor der Einnahme stets einen Arzt konsultieren, da Nahrungsergänzungsmittel eine reguläre medizinische Behandlung bei Gelenkerkrankungen nicht ersetzen können.
Diese vorsichtige Einordnung deckt sich mit den regulatorischen Rahmenbedingungen in der Europäischen Union. Gemäß europäischen Regeln existiert für Kollagen bislang kein zugelassener gesundheitsbezogener Claim.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertete die vorgelegten wissenschaftlichen Belege für Wirkungen auf Knorpel, Gelenke, Haut oder Haare als unzureichend. Zugelassen ist lediglich eine Auslobung für Vitamin C, das zu einer normalen Kollagenbildung beiträgt. Daher setzen viele Hersteller ihren Produkten Vitamin C zu.
Wissenschaftliche Skepsis und begleitende Maßnahmen
Innerhalb der Fachwelt begegnen Forscher oralen Kollagenpräparaten weiterhin mit Skepsis. Wissenschaftsberichte betonen, dass Proteine im Magen-Darm-Trakt regulär in kurze Peptidfragmente und Aminosäuren zerlegt werden, wodurch die spezifische Wirkung oraler Produkte infrage stehe. Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein Großteil der positiven Studien aus dem Umfeld der Industrie finanziert sei und methodische Mängel aufweise.
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Sowohl Hersteller als auch Mediziner heben hervor, dass eine supplementierung allein bei chronischen Gelenkschmerzen nicht ausreicht. Als wirksame Begleitmaßnahmen gelten ein angepasster Lebensstil mit gelenkschonender Bewegung wie Schwimmen oder Radfahren, gezielte Gewichtskontrolle sowie eine entzündungshemmende Ernährung.
