Ubuntu 26.04: ARM64 wird gleichberechtigte Plattform
06.07.2026 - 18:47:57 | boerse-global.de
Seit dem 6. Juli 2026 genießt die Architektur denselben Support und dieselbe Infrastruktur wie traditionelle x86-Systeme.
Meilenstein für ARM im Linux-Universum
Ravi Kant Sharma, Engineering Manager für Ubuntu Foundations, gab heute einen umfassenden Einblick in den Architekturwandel. Die Umstellung ist das Ergebnis monatelanger Arbeit – und sie verändert die Art und Weise, wie Ubuntu ARM64 behandelt, grundlegend.
Ein entscheidender Schritt war die Verlagerung der ARM64-Pakete. Seit der Veröffentlichung von Ubuntu 26.04 LTS wanderten sie aus dem sogenannten „ports"-Repository in das Hauptarchiv. Die Konsequenz: ARM64 erhält nun denselben Prioritätsstatus und dieselbe Spiegel-Infrastruktur wie andere primäre Architekturen. Kein Nischendasein mehr, sondern Gleichberechtigung.
Livepatching und Gaming: Neue Features für ARM
Das ARM64-Ökosystem hat in den vergangenen Wochen deutlich an Reife gewonnen. Ende Juni 2026 führte Canonical das Kernel-Livepatching für ARM64 ein – die offizielle Ankündigung für den Livepatch-Dienst erfolgte am 23. Juni. Unternehmen können damit kritische Kernel-Updates einspielen, ohne das System neu starten zu müssen. Ein echter Gewinn für den produktiven Einsatz.
Auch Gamer kommen auf ihre Kosten: Der Steam Snap für ARM64 wechselte am 2. Juni 2026 in den stabilen Kanal. Das ermöglicht ein flüssigeres Spielerlebnis auf ARM-basierten Linux-Rechnern.
Hardware-Support: Von Snapdragon bis Chrome
Die Unterstützung für Endkunden-Hardware wächst rasant. Besonders im Fokus: die Laptops mit Qualcomm Snapdragon X Elite. Secure Boot für diese Geräte ist seit Ubuntu 25.10 integriert. Canonical arbeitet bereits an der Unterstützung für die nächste Hardware-Generation, darunter der Snapdragon X2 Elite.
Ältere Ubuntu-Versionen laufen aus – wer noch auf 25.10 oder 24.04 arbeitet, sollte jetzt auf 26.04 LTS umsteigen. Der Upgrade-Guide zeigt, wie Sie ARM64 gleichberechtigt nutzen und Livepatching ohne Neustart einrichten. Jetzt Upgrade-Guide anfordern
Ein weiteres Signal der Industrie: Eine native Version von Google Chrome für Linux ARM64 soll noch 2026 erscheinen. Das dürfte viele Anwender freuen, die bislang auf Workarounds angewiesen waren.
Linux-Kernel 7.2: Mehr Power für RISC-V
Doch nicht nur Ubuntu treibt die ARM-Entwicklung voran. Der Linux-Kernel 7.2-rc2, ebenfalls am 6. Juli 2026 veröffentlicht, erhöht das Standard-Kernellimit für RISC-V von 64 auf 256 Kerne. Grund dafür ist neue Server-Hardware wie der 128-Kern-Pisces-Chip von Sophgo. Der Kernel-Update bringt zudem Stabilitätskorrekturen für den ARM Mali Panthor-Treiber sowie Sicherheitsupdates für x86-Architekturen.
Lebenszyklus und Ausblick: Upgrade-Zeit für Ubuntu-Nutzer
Während Canonical ARM64 vorantreibt, laufen ältere Ubuntu-Versionen aus. Ubuntu 25.10 erreicht am 9. Juli 2026 sein Lebensende. Nutzer dieser Version sollten auf Ubuntu 26.04 LTS aktualisieren, um weiterhin Sicherheitsupdates zu erhalten. Für Anwender der 24.04 LTS-Version öffnet sich der Upgrade-Pfad voraussichtlich im August, nach der Veröffentlichung des ersten Punkt-Updates.
Die Entwicklung für den nächsten Zyklus läuft bereits: Am 5. Juli 2026 erschien Ubuntu 26.10 Snapshot 2. Diese Version führt eine neu strukturierte Image-Server-Architektur ein, die Test-Workflows für Entwickler verbessern soll.
AMD bringt KI-Plattform für Entwickler
ARM64-Support war lange zweitklassig – mit Ubuntu 26.04 wird die Architektur vollwertig. Damit Ihr System reibungslos läuft, brauchen Sie die richtige Vorbereitung. Dieser Leitfaden liefert eine Kompatibilitäts-Checkliste für Snapdragon X Elite und Co. ARM64-Kompatibilitäts-Checkliste sichern
Im Bereich spezialisierter Hardware hat AMD die Ryzen AI Developer Platform vorgestellt – intern „Rex" genannt. Die Plattform basiert auf Debian und kommt mit vorinstallierten KI-Tools wie PyTorch und Llama.cpp. Die Review-Sperrfrist endete am 6. Juli 2026.
Während AMD und Canonical auf Entwickler setzen, zeigt sich die Konkurrenz zurückhaltender: Das Fedora Council pausierte am 5. Juli 2026 seinen KI-Desktop-Vorschlag. Grund seien weitere Diskussionen in der Community über die Integration von KI-Werkzeugen. Ein spannender Balanceakt zwischen Innovation und Bedenken – der die Debatte um KI im Linux-Desktop wohl noch eine Weile begleiten wird.
