U10-Vorsorge, G-BA

U10-Vorsorge: G-BA führt neue Kassenleistung für 9- bis 10-Jährige ein

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der G-BA nimmt die U10 in den Kassenkatalog auf. Die Untersuchung fokussiert Übergewicht, Medienkonsum und HPV-Impfung bei Kindern.

G-BA beschließt U10 als Kassenleistung: Neue Vorsorge für 9- bis 10-Jährige
Ein Kinderarzt im Gespräch mit einem zehnjährigen Kind während einer medizinischen Vorsorgeuntersuchung in einer Praxis. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 20. August 2026 die Aufnahme der U10-Vorsorgeuntersuchung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen beschlossen.

Mit dieser Entscheidung wird eine medizinische Versorgungslücke geschlossen, die bislang zwischen der frühen Kindheit und dem frühen Jugendalter bestand. Die Untersuchung richtet sich spezifisch an Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren und soll eine kontinuierliche Beobachtung der kindlichen Entwicklung sicherstellen.

Schließung der Versorgungslücke und medizinische Schwerpunkte

Bisher endete die lückenlose Reihe der Vorsorgeuntersuchungen mit der U9, die im Alter von etwa fünf Jahren durchgeführt wird. Die nächste reguläre Untersuchung, die J1, erfolgt erst im Alter von 12 bis 14 Jahren. Die neue U10 setzt genau in diesem mehrjährigen Intervall an.

Fachleute aus der Kinder- und Jugendmedizin bewerten diesen Schritt als wesentlich, da die Altersspanne zwischen neun und zehn Jahren eine Phase darstellt, in der signifikante körperliche und psychische Entwicklungsschritte stattfinden.

Der Fokus der U10 liegt auf zeitgemäßen gesundheitlichen Herausforderungen. Dazu gehören insbesondere die Früherkennung von Übergewicht und die Analyse der körperlichen Aktivität. Ebenso wird ein Schwerpunkt auf den Medienkonsum und die tägliche Bildschirmzeit der Kinder gelegt. Darüber hinaus dient die Untersuchung dazu, psychische Auffälligkeiten frühzeitig zu identifizieren, um bei Bedarf zeitnah therapeutische Maßnahmen einleiten zu können.

Umfang der Untersuchung und Fokus auf die HPV-Impfquote

Die U10 umfasst eine detaillierte Anamnese sowie einen speziellen Fragebogen zur Lebensqualität, der von den Eltern ausgefüllt wird. Ein zentraler Bestandteil ist zudem eine umfassende Impfberatung. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Immunisierung gegen Humane Papillomviren (HPV).

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Hintergrund dieser Schwerpunktsetzung sind aktuelle Daten zur Impfsituation in Deutschland. Die Impfquote gegen HPV liegt bei Mädchen derzeit bei 55 %, während sie bei Jungen lediglich 36 % erreicht.

Durch die Beratung im Rahmen der U10 soll die Akzeptanz für diese Impfung gesteigert und die Quote in beiden Gruppen signifikant erhöht werden. Zudem sieht der Beschluss vor, dass die Dokumentation der späteren J1-Ergebnisse künftig fest in das sogenannte Gelbe Heft integriert wird, um die Kontinuität der Vorsorgedokumentation zu verbessern.

Administrative Umsetzung und regionale Unterschiede

Bevor die U10 flächendeckend als Kassenleistung abgerechnet werden kann, muss das Bundesministerium für Gesundheit den Beschluss des G-BA prüfen. Nach dieser Prüfung folgt die Festlegung der Vergütung im einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM). Für diesen Prozess ist ein Zeitraum von sechs Monaten vorgesehen.

Bislang war die U10 keine Regelleistung aller Kassen, sondern wurde nur von einzelnen Instituten auf freiwilliger Basis übernommen. So bietet beispielsweise die DAK-Gesundheit diese Untersuchung bereits seit 2014 als Zusatzleistung an und begrüßte die nun beschlossene Überführung in die Regelversorgung.

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Hinsichtlich der Teilnahmepflicht besteht in Deutschland weiterhin ein uneinheitliches Bild. Während die Vorsorgeuntersuchungen bundesweit empfohlen werden, ist die Teilnahme an der U10 lediglich in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gesetzlich verpflichtend vorgeschrieben.

Mit der bundesweiten Einführung als Kassenleistung wird jedoch erwartet, dass die Inanspruchnahme der Untersuchung über alle Bundesländer hinweg steigen wird.

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