U10-Untersuchung ab August: Neue Kassenleistung gegen Bewegungsmangel
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Höchststände bei Entwicklungsdefiziten in der frühen Kindheit
Aktuelle Datenauswertungen zur Kindergesundheit verdeutlichen eine zunehmende Belastung bei der frühkindlichen Entwicklung in Deutschland. Der Barmer Kinderatlas 2024 dokumentiert insbesondere bei motorischen Fähigkeiten und der Sprachentwicklung signifikante Negativtrends.
In Mecklenburg-Vorpommern erreichte der Anteil der Kinder unter sechs Jahren mit motorischen Entwicklungsstörungen einen Stand von 8,2 %. Dies entspricht etwa 5.500 betroffenen Kindern in diesem Bundesland. Im Vergleich zum Jahr 2005, als die Quote noch bei 4 % lag, hat sich die Häufigkeit dieser Diagnosen damit mehr als verdoppelt.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der sprachlichen Entwicklung der Zwei- bis Fünfjährigen. In dieser Altersgruppe weisen laut den Daten aus dem August 2026 rund 26,9 % der Kinder in Mecklenburg-Vorpommern Sprech- oder Sprachstörungen auf. Damit sind über 13.000 Kinder betroffen.
Seit dem Jahr 2005, in dem die Quote bei 16,3 % lag, verzeichnete dieser Bereich einen Anstieg um 65 %. In dem Bericht wird in diesem Zusammenhang von einem neuen Höchststand bei Vorschulkindern mit Sprach- und Motorikproblemen gesprochen.
Dabei lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen. Jungen sind demnach häufiger von Entwicklungsstörungen betroffen als Mädchen. Bei den Sprachstörungen liegt der Anteil bei Jungen bei 30,1 %, während er bei Mädchen 23,5 % beträgt. Ein vergleichbares Gefälle zeigt sich bei motorischen Störungen mit 9,9 % bei Jungen gegenüber 6,4 % bei Mädchen.
Erweiterung der Vorsorge durch die neue U10-Untersuchung
Um auf die veränderten gesundheitlichen Herausforderungen bei Heranwachsenden zu reagieren, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im August 2026 die Einführung der sogenannten U10-Untersuchung als reguläre Kassenleistung beschlossen. Diese neue Vorsorgestufe richtet sich an Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren.
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Ziel ist es, die bisher bestehende Lücke in der medizinischen Überwachung zwischen der U9, die im Alter von etwa fünf Jahren stattfindet, und der Jugendvorsorgeuntersuchung J1 (13 bis 14 Jahre) zu schließen.
Die U10 soll insbesondere Schwerpunkte auf Themen setzen, die im modernen Alltag von Kindern an Bedeutung gewonnen haben. Dazu gehören körperliche Aktivität, die tägliche Bildschirmzeit sowie die frühzeitige Identifikation von Übergewicht und psychischen Auffälligkeiten.
Der Leistungsumfang umfasst eine ausführliche Anamnese, einen Fragebogen zur Lebensqualität sowie Beratungen zu notwendigen Impfungen, einschließlich der HPV-Impfung. Zudem sieht der Beschluss vor, dass die Dokumentation der J1-Untersuchung künftig in das bekannte Gelbe Heft integriert wird.
Die flächendeckende Umsetzung dieser neuen Kassenleistung wird voraussichtlich einige Monate in Anspruch nehmen. Der Beschluss des G-BA muss zunächst dem Bundesgesundheitsministerium vorgelegt und im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Die Festlegung der konkreten Vergütung für die ärztlichen Leistungen soll innerhalb von sechs Monaten erfolgen.
Hintergrund und präventive Bedeutung
Die Notwendigkeit erweiterter Vorsorgemodelle wird durch weitere statistische Daten gestützt. Laut Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) gelten in Deutschland 15 % der Kinder und Jugendlichen als übergewichtig, wobei 6 % die Kriterien für starkes Übergewicht erfüllen. Parallel dazu weisen Untersuchungen der DAK-Gesundheit und des UKE darauf hin, dass 25 % der Zehn- bis 17-Jährigen einen problematischen Medienkonsum zeigen.
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Die DAK-Gesundheit, welche die U10 bereits seit 2014 als freiwillige Mehrleistung für ihre Versicherten anbietet, bewertete die Entscheidung des G-BA positiv. Die Untersuchung sei ein wichtiger Baustein für eine verbesserte Prävention.
Auch die Jugendmedizinerin Felderhoff-Müser betonte die Relevanz der U10, um den Folgen von Bewegungsmangel und übermäßiger Screen-Time entgegenzuwirken. Zudem könne die Untersuchung dazu beitragen, soziale Ungleichheiten im Gesundheitsbereich abzufedern.
