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Typ-2-Diabetes: Zwölf Wochen Training und Diät führten bei 50 Prozent zur Remission

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen Remissionen durch Bewegung und kalorienreduzierte Ernährung; engmaschige Kontrollen bleiben auch danach wichtig.
Eine leere, helle Laufbahn in einer modernen Sporthalle mit natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Auf der EASD-Jahrestagung 2026 widmete sich die Fachsession „RESET for Remission“ der Frage, wie Typ-2-Diabetes ohne dauerhafte medikamentöse Therapie kontrolliert oder zurückgedrängt werden kann. Fachleute unterstrichen dabei gesteigerte körperliche Aktivität und ein strukturiertes Management als zentrale Säulen, um eine Remission der Stoffwechselerkrankung anzustreben.

Die Empfehlungen lauteten, Bewegung und regelmäßigen Sport frühzeitig sowie konsequent in den Alltag zu integrieren. Diese Diskussion gewinnt vor allem vor dem Hintergrund an Relevanz, dass im Vereinigten Königreich inzwischen mehr Menschen unter 40 Jahren mit Typ-2-Diabetes leben als mit Typ-1-Diabetes.

Hohe Remissionsraten durch Training und Diät

Dass strukturierte Interventionen gerade bei jüngerem Erkrankungsalter messbare Erfolge zeigen, belegen vorgestellte Daten: Bei früh beginnendem Typ-2-Diabetes erreichten 50 Prozent der unter 40-Jährigen nach einem zwölfwöchigen Trainingsprogramm zusätzlich zu einer kalorienreduzierten Diät eine Remission.

An der Untersuchung nahmen 50 randomisierte Personen teil. Neben einem Gewichtsverlust von etwa 7 Kilogramm in den zwölf Wochen blieb die Muskelmasse erhalten, während sich die kardiovaskuläre Funktion verbesserte.

Ähnliche Resultate lieferte eine kanadische Studie. Dort erreichten 54 Prozent der Teilnehmenden mit frühem Typ-2-Diabetes innerhalb von 24 Wochen eine Remission. Das angewandte Programm kombinierte eine kalorienreduzierten Ernährung mit gezieltem Kraft- und Ausdauertraining.

Kriterien, Richtlinien und klinische Erfahrungen

Ein internationaler Konsens aus dem Jahr 2021, an dem unter anderem die American Diabetes Association beteiligt war, definiert eine Remission als HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten – vorausgesetzt, es werden keine blutzuckersenkenden Medikamente eingenommen.

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Bereits die britische DiRECT-Studie zeigte, dass eine Gewichtsabnahme von 10 bis 15 Kilogramm oder mehr eine Remission auslösen kann. Dies gelang vor allem durch eine strikte Kalorienrestriktion von etwa 800 Kilokalorien pro Tag in Form einer Formula-Diät über mehrere Wochen, insbesondere bei Patienten mit einer Diagnose innerhalb der letzten fünf Jahre. Auch bariatrische Operationen wie Magenbypass oder Schlauchmagen führten bei einem großen Teil der adipösen Typ-2-Patienten zu einer Remission.

Für die Beurteilung der Erfolgsaussichten existieren günstige Kriterien nach dem sogenannten ABCD-Schema: das Fehlen von Typ-1-Antikörpern, abdominales Übergewicht (Taillenumfang bei Männern über 90 Zentimeter, bei Frauen über 85 Zentimeter), eine erhaltene C-Peptid-Sekretion ohne schwere Komplikationen sowie eine Krankheitsdauer von unter fünf Jahren.

Die ARMMS-T2D-Studie identifizierte zentrale Ausgangsfaktoren für Remission und Rezidive nach metabolisch-bariatrischer Chirurgie beziehungsweise intensiver medikamentöser und Lebensstil-Therapie, um künftige Behandlungsentscheidungen individueller abzustimmen.

Dass eine engmaschige Begleitung wirksam sein kann, verdeutlicht zudem ein Fallbericht über einen 31-jährigen Mann mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes, einem BMI von 32 und erhaltener Inselfunktion.

Nach drei Monaten kontinuierlicher Glukosemessung mit Sensormessungen alle drei bis fünf Minuten, der Auswertung von 14-Tage-Kurven und einer ärztlich überwachten Anpassung von Ernährung, Bewegung und Medikation war der Patient ohne Antidiabetika blutzuckerstabil.

Mediziner betonen jedoch, dass eine Remission das Risiko für Folgekomplikationen zwar senkt, aber nicht vollständig beseitigt. Regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion, der Augen und des HbA1c-Wertes bleiben daher weiter erforderlich.

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Prävention und neue therapeutische Ansätze

Die Relevanz von Lebensstilmaßnahmen greift bereits im Vorstadium der Erkrankung. Eine normale Nüchternglukose liegt unter 100 mg/dl, während Werte zwischen 100 und 125 mg/dl sowie Werte von 140 bis 200 mg/dl zwei Stunden nach den Mahlzeiten auf einen Prädiabetes hinweisen.

Ohne Behandlung entwickeln fünf bis zehn Prozent der Betroffenen pro Jahr einen manifesten Diabetes, im Laufe des Lebens rund 70 Prozent und ohne jegliche therapeutische Begleitung bis zu 90 Prozent. Nach Ansicht von Medizinern stellt körperliche Aktivität das zentrale Mittel dar, um diese Entwicklung aufzuhalten.

Eine deutsche Studie mit 1.105 Prädiabetes-Patienten ergab, dass eine intensivierte Lebensstilintervention mit 16 Fachberatungen pro Jahr und sechs Stunden Sport wöchentlich bei Hochrisiko-Patienten nach zwei Jahren Nachbeobachtung sowohl Blutzucker als auch kardiometabolische Werte verbesserte und das Leberfett in den Normbereich senkte.

Eine reguläre Intervention mit drei Wochenstunden Sport erwies sich als weniger wirksam. Bei Niedrigrisiko-Patienten brachte die reguläre einjährige Intervention im Vergleich zu keiner Maßnahme kaum Unterschiede; hier galten Vorgaben wie ein Fettanteil von unter 30 Prozent der Energiezufuhr, unter 10 Prozent gesättigte Fette, fünf Prozent Gewichtsverlust bei einem BMI über 25 sowie eine gesteigerte Zufuhr von Ballaststoffen.

Neue Wege in der Betreuung testet das Oslo universitetssykehus mit dem digitalen Behandlungsprogramm DiaMester, das für 99 Teilnehmende ausgelegt ist, von denen zum Berichtszeitpunkt 60 rekrutiert waren. In Norwegen leben fast 300.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Das Programm umfasst drei Gruppen mit dem Ziel einer zehnprozentigen Gewichtsabnahme, gestützt auf 20 Videokonsultationen über ein Jahr, Aktivitätstracker, eine mobile Anwendung und einen zehntägigen Blutzuckersensor.

Eine der Gruppen erhält über drei Monate eine Pulverdiät mit 800 bis 1.000 Kilokalorien täglich. Als Vorbild dient eine britische Studie aus dem Jahr 2018, die hohe Remissionsraten bei einem Gewichtsverlust von mindestens 15 Kilogramm nachwies.

Auf molekularer Ebene identifizierte der Forscher Ola Hansson an der Universität Lund eine genetische Bremse für die Gefäßneubildung in Muskeln. Ist diese Bremse schwach ausgeprägt, entstehen mehr Kapillaren, was den Transport von Glukose verbessert.

Forschende vermuten, dass ein individuell abgestimmtes, hochintensives Intervalltraining die Blutzuckerverwertung optimieren und das Fortschreiten der Krankheit bremsen oder teilweise umkehren kann.

Zusammen mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca arbeitet die Forschungsgruppe aus Lund an einem Medikament, das diesen Mechanismus dämpfen soll, um künftig gezielte Trainingsempfehlungen für Diabetes-Patienten zu formulieren.

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