Typ-2-Diabetes vor 20: ADHS-Rate liegt bei 14,4 statt 6,9 Prozent
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 18:31 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Zusammenhang zwischen Stoffwechselerkrankungen und neurologischen Entwicklungsstörungen rückt zunehmend in das Blickfeld der klinischen Forschung. Eine umfangreiche Auswertung von Gesundheitsdaten aus den USA liefert neue Einblicke in das gemeinsame Auftreten von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus und früh manifestiertem Typ-2-Diabetes.
Die vorläufigen Ergebnisse wurden am 29. September 2026 beim Jahrestreffen der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand durch das Leicester Diabetes Centre sowie die University of Leicester vorgestellt.
Deutliche Unterschiede bei früher Diabetes-Diagnose
Unter der Leitung von Jonathan Goldney analysierte das Forschungsteam anonymisierte TriNetX-Krankenakten von rund 4,2 Millionen US-Patienten, bei denen im Zeitraum von März 2006 bis März 2026 ein Typ-2-Diabetes neu festgestellt worden war.
Um Verzerrungen zu minimieren, wurden für die statistischen Analysen demografisch abgeglichene Vergleichsgruppen gebildet. Die finale Auswertung stützte sich dabei auf 3,4 Millionen demografisch vergleichbare Personenpaare.
Die Daten weisen auf ein signifikant höheres Vorkommen neurologischer Besonderheiten bei Personen hin, deren Typ-2-Diabetes bereits in jungen Jahren festgestellt wurde. Bei Patienten mit einer Krankheitsdiagnose vor dem 20. Lebensjahr lag die ADHS-Rate bei 14,4 Prozent, während sie in der Kontrollgruppe ohne Diabetes 6,9 Prozent betrug.
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Ein ähnliches Bild zeigte sich bei Autismus-Spektrum-Diagnosen: In der Gruppe der vor dem 20. Lebensjahr diagnostizierten Diabetespatienten betrug der Anteil 5,72 Prozent, verglichen mit 1,79 Prozent bei Personen ohne Diabetes.
Grenzen der Datengrundlage und methodische Aspekte
Trotz der großen Stichprobe betonen die Wissenschaftler die methodischen Einschränkungen der Erhebung. Bei den vorgelegten Resultaten handelt es sich um Beobachtungsdaten, die rein statistische Assoziationen abbilden und keinen kausalen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegen können. Mögliche Einflussfaktoren bleiben bislang unbewiesen.
Zudem basiert die Untersuchung auf Routinedaten aus dem Krankenhaus- und Behandlungsumfeld. Unterschiedliche Häufigkeiten von Arztkontakten zwischen den Gruppen können die Diagnosewahrscheinlichkeit beeinflusst und die Aussagekraft der Datensätze begrenzt haben. Die Ergebnisse sind bislang vorläufig und haben das formelle wissenschaftliche Begutachtungsverfahren (Peer-Review) noch nicht durchlaufen.
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Relevanz für die praktische Patientenversorgung
Aus den beobachteten Zusammenhängen lassen sich nach Angaben der Autoren gegenwärtig keine allgemeinen Empfehlungen für erweiterte Screenings oder veränderte Behandlungsrichtlinien ableiten. Die Studienergebnisse begründen demnach keine routinemäßigen Tests im klinischen Alltag.
Gleichwohl verweisen die beteiligten Forscher auf die Bedeutung der Erkenntnisse für den Versorgungsalltag. Sie empfehlen behandelnden Teams, die spezifischen Bedürfnisse neurodivergenter Patienten bei der Betreuung und Schulung von früh diagnostiziertem Typ-2-Diabetes stärker mitzudenken, um das Therapiemanagement an individuelle Herausforderungen anpassen zu können.
