Typ-2-Diabetes und MASLD: Bis zu 70 Prozent haben auch eine Fettleber
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 17:49 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachbeiträge weisen darauf hin, dass ein hoher Anteil von Menschen mit Typ-2-Diabetes ein erhebliches Risiko für eine metabolische Fettlebererkrankung aufweist. Die früher als NAFLD bezeichnete Erkrankung wird heute als MASLD (Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease) klassifiziert.
Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC können bis zu 70% der Menschen mit Typ-2-Diabetes von einer MASLD betroffen sein. Ein zentrales Problem der Erkrankung liegt im oft jahrelang symptomlosen Verlauf, während im Hintergrund schwerwiegende Gewebeveränderungen voranschreiten können.
Progression von der Steatose bis zum Leberkarzinom
Eine Fettleber liegt vor, sobald der Fettanteil des Organs mehr als 5–10% beträgt. Die Erkrankung kann über verschiedene Stadien verlaufen: von der einfachen Steatose über die metabolische Steatohepatitis (MASH, ehemals NASH) bis hin zu Leberfibrose, Zirrhose und dem hepatozellulären Karzinom.
Obwohl die Leberverfettung lange unbemerkt bleiben kann, zählen Fatigue, Beschwerden im rechten Oberbauch, Appetitverlust sowie im fortgeschrittenen Stadium Gelbsucht, Ödeme und Verwirrtheit zu den Warnzeichen.
Neben Typ-2-Diabetes gelten vor allem Adipositas, Hypertonie und Lipidstörungen als wesentliche Treiber. Bei Menschen mit Adipositas treten schätzungsweise 70% der Fettleberfälle auf; bei einem Body-Mass-Index über 28 weisen etwa 60% eine Fettleber auf. Zu weiteren Risikofaktoren zählen ein Alkoholkonsum von mehr als 40 g pro Tag über mindestens fünf Jahre sowie bestimmte Medikamente wie Glukokortikoide, Tamoxifen und Amiodaron.
Bedeutung der Fibrose für kardiovaskuläre Folgeschäden
Dass nicht allein die Verfettung, sondern vor allem das Ausmaß der Leberfibrose über das klinische Risiko entscheidet, zeigt eine Untersuchung an 2.238 Patienten nach Propensity-Score-Matching am National Metabolic Management Center. Die Daten belegen, dass das Vorliegen einer Leberfibrose – nicht jedoch die einfache Steatose – makrovaskuläre Veränderungen bei Typ-2-Diabetes voraussagt.
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Während die Prävalenz makrovaskulärer Veränderungen bei Patienten ohne Steatose und ohne Fibrose bei 56,2% und bei alleiniger Steatose bei 56,5% lag, stieg sie bei Vorliegen einer Fibrose auf 79,0% sowie bei gleichzeitiger Steatose und Fibrose auf 71,5%.
Im Vergleich zur Referenzgruppe ergaben sich adjustierte Odds Ratios von 1,63 (95%-Konfidenzintervall 1,25–2,13) für eine isolierte Fibrose und 1,34 (1,02–1,77) für die Kombination aus Steatose und Fibrose, während die alleinige Steatose mit einer Odds Ratio von 1,02 statistisch nicht signifikant war.
Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei Männern mit einer Odds Ratio von 2,57, bei Personen mit Adipositas mit 2,72 sowie bei einer Diabetesdauer zwischen 5 und 10 Jahren mit 3,24.
Früherkennung und therapeutische Ansätze
Vor diesem Hintergrund fordern Fachleute eine systematische Erfassung des Fibroserisikos in der Routineversorgung von Typ-2-Diabetikern. Als Screening-Instrument wird der FIB-4-Index empfohlen, der auf dem Alter des Patienten sowie Laborwerten zu Transaminasen und Thrombozyten basiert.
Bei einem FIB-4-Wert ab einer Schwelle von 1,3 beziehungsweise bei erhöhtem Risiko kommen bildgebende Verfahren wie die Elastografie mittels FibroScan zum Einsatz, während Leberbiopsien selektiv vorbehalten bleiben. Dieses Vorgehen war auch Gegenstand von Fachdiskussionen auf dem 31. nationalen Kongress der Società Italiana di Diabetologia in Rimini.
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Dass schwere Verläufe keineswegs nur im höheren Lebensalter auftreten, verdeutlicht eine Analyse von rund 2.400 Erwachsenen mit biopsiebestätigter MASLD durch das NASH Clinical Research Network an der UC San Diego: Demnach traten etwa 25% der Zirrhosefälle bereits vor dem 50. Lebensjahr auf. Fast ein Drittel dieser jüngeren Betroffenen wies Fibrose-Scores auf, die noch unter den üblichen Schwellenwerten lagen.
Präventiv und therapeutisch wird eine moderate körperliche Aktivität von 150 Minuten pro Woche sowie das Anstreben eines Taillenumfangs von unter 90 Zentimetern bei Männern und unter 85 Zentimetern bei Frauen empfohlen.
Ein jährlicher Ultraschall und Leberfunktionstests unterstützen die Kontrolle; bereits eine Gewichtsabnahme von 5–10% verbessert das Leberfett deutlich. Auf medikamentöser Ebene bieten Inkretinanaloga, SGLT2-Hemmer und Statine zunehmend Behandlungsoptionen bei gleichzeitigem Vorliegen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und MASLD.
