Typ-2-Diabetes, Epigenetische

Typ-2-Diabetes: Epigenetische Muster bestimmen Ernährungsnutzen

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 10:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie zeigt: Der epigenetische Risikoscore beeinflusst, wie stark gesunde Ernährung Typ-2-Diabetes vorbeugen kann.

Typ-2-Diabetes: Epigenetik bestimmt Nutzen gesunder Ernährung
Frisches Gemüse, Vollkornprodukte und Nüsse auf einem Holztisch bei natürlichem Licht Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern neue Erklärungsansätze dafür, warum präventive Maßnahmen gegen Typ-2-Diabetes nicht bei allen Menschen die gleiche Wirkung erzielen.

Berichten des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) zufolge können epigenetische Veränderungen maßgeblich beeinflussen, wie stark eine gesunde Ernährungsweise das Erkrankungsrisiko senkt. Die genetische Veranlagung spielt für diesen spezifischen Zusammenhang hingegen keine Rolle.

Epigenetischer Risikoscore steuert den Nutzen von Ernährungsmaßnahmen

Die in der Fachzeitschrift Cardiovascular Diabetology (Band 25, Ausgabe 1, Artikel 275 aus dem Jahr 2026) veröffentlichten Ergebnisse basieren auf der langjährigen EPIC-Potsdam-Kohorte, die seit den 1990er-Jahren mehr als 27.000 Teilnehmende umfasst.

Für die genetischen Analysen wurden Daten von einer Subkohorte mit 2.204 Personen sowie 750 Neuerkrankten herangezogen. Die Untersuchung der DNA-Methylierung stützt sich auf 1.065 Teilnehmende sowie 676 Diabetesfälle.

Im Zentrum der Analyse stand der sogenannte Methylation Risk Score (MRS). Ein höherer MRS-Wert ging in den Auswertungen generell mit einem gesteigerten Risiko für Typ-2-Diabetes einher. Dabei zeigte sich eine deutliche Differenzierung: Eine gesunde Ernährung – reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen und Fisch – verringerte das Diabetesrisiko vor allem bei Personen mit einem niedrigen MRS.

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Bei Teilnehmenden mit einem hohen MRS war hingegen kein präventiver Nutzen dieser gesunden Ernährungsweise messbar. Während klassische Genvarianten den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krankheitsrisiko unberührt ließen, erwiesen sich die veränderbaren epigenetischen Muster als entscheidender Faktor.

Parallele Befunde zum biologischen Altern und Lebensstil

Der Zusammenhang zwischen Ernährungsmustern und dem Epigenom wird auch durch weitere Forschungsarbeiten gestützt. Eine im Fachjournal Nature Communications erschienene Untersuchung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) untersuchte Daten von 6.470 Personen der Rheinland-Studie sowie 1.034 Teilnehmenden aus EPIC-Potsdam. Anhand von drei epigenetischen Uhren analysierten die Forschenden rund 850.000 DNA-Stellen.

Zehn unterschiedliche gesunde Ernährungsformen – darunter mediterrane, nordische, pflanzliche Kost und der DASH-Ansatz – standen dabei durchweg mit einem verlangsamten biologischen Altern in Verbindung. Mehr als 70 Prozent der identifizierten molekularen Signalwege traten diätübergreifend auf, wobei der Schutzeffekt bei Rauchern am stärksten ausgeprägt war.

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Ergänzend dazu zeigte eine im Journal Nature Medicine veröffentlichte Analyse von Forschenden der Yale University, die 51 Langlebigkeits-Studien, 16 epigenetische Uhren und 3.128 DNA-Methylierungsproben auswertete, dass gesunde Ernährung und körperliche Bewegung das epigenetische Alter messbar senken.

Die stärksten Effekte auf die epigenetischen Marker gingen jedoch von bestimmten Wirkstoffen wie Metformin, Semaglutid und Anti-TNF-Medikamenten aus, während Daten zu Nahrungsergänzungsmitteln begrenzt und uneinheitlich blieben.

Relevanz für personalisierte Präventionsansätze

Die neuen Daten gewinnen vor dem Hintergrund der Krankheitsdynamik an Bedeutung. Angaben der Organisation Deutsche Diabetes Hilfe zufolge verläuft Typ-2-Diabetes schleichend und wird im Durchschnitt erst acht bis zehn Jahre nach Ausbruch diagnostiziert.

Die Identifikation epigenetischer Risikoprofile könnte künftig dabei helfen, Personen zu bestimmen, die allein durch Standard-Ernährungsempfehlungen keinen ausreichenden Schutz aufbauen, und gezieltere Interventionsstrategien zu entwickeln.

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