Typ-2-Diabetes bei jungen Erwachsenen: Studie erreicht 54 Prozent Remission
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deFrüh einsetzender Typ-2-Diabetes gilt in der Medizin als besonders herausfordernd: Nach Angaben der European Association for the Study of Diabetes schreitet die Erkrankung in jungen Jahren schneller voran und führt früher zu Komplikationen als bei älteren Betroffenen. Eine klinische Untersuchung liefert nun neue Einblicke in therapeutische Möglichkeiten bei jüngeren Patienten.
In der RESET-for-Remission-Studie, die unter gemeinsamer Beteiligung des McGill University Health Centre, der University of Leicester und der University of Alberta durchgeführt wurde, erreichten 54 Prozent (27 von 50) der 18- bis 45-Jährigen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas nach 24 Wochen eine Remission. In der Vergleichsgruppe unter üblicher Versorgung lag dieser Anteil hingegen bei lediglich 4 Prozent (2 von 46).
Signifikante Remissionsraten durch strukturierte Lebensstiländerung
Die Studie wurde unter der Leitung von Kaberi Dasgupta von der McGill University und Tom Yates von der University of Leicester realisiert, finanziert durch den Medical Research Council, die Canadian Institutes of Health Research sowie die John R. McConnell Foundation.
Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung 2026 der European Association for the Study of Diabetes in Mailand vorgestellt und in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health – Americas veröffentlicht.
Insgesamt nahmen 96 Personen an drei Zentren in Montreal, Edmonton und Leicester teil, aufgeteilt in 50 Teilnehmende in der Interventionsgruppe und 46 in der Kontrollgruppe. Die Rekrutierung erstreckte sich von September 2021 bis Juni 2025. Zu den Einschlusskriterien zählten ein Alter von 18 bis 45 Jahren, keine Behandlung mit Insulin sowie eine Erstdiagnose innerhalb der vorangegangenen 6 Jahre.
Das Durchschnittsalter lag bei 38 Jahren, der mittlere Body-Mass-Index (BMI) bei 35,2 kg/m². Zur Abschlussuntersuchung erschienen 86 der 96 Teilnehmenden. Als Remission galt ein HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent über mindestens 12 Wochen ohne blutzuckersenkende Medikamente; fehlende Daten wurden als ausbleibende Remission gewertet.
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Nach Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren war die Chance auf eine Remission in der Interventionsgruppe 21-mal so hoch, bei einem Unterschied von rund 50 Prozentpunkten (95-Prozent-Konfidenzintervall: 33 bis 64 Prozentpunkte).
Programmablauf und physiologische Effekte
Die 24-wöchige Intervention gliederte sich in zwei Abschnitte. In den ersten 12 Wochen erhielten die Probanden täglich 800 bis 900 Kilokalorien, größtenteils in Form von Mahlzeitenersatz. Begleitend absolvierten sie zweimal wöchentlich ein betreutes Kraft- und Ausdauertraining sowie eine selbstständige Ausdauereinheit.
In den Wochen 13 bis 24 folgte eine gewichtserhaltende Ernährung. Dieser zeitliche Rahmen deckt sich mit Leitlinien wie jener des National Institute for Health and Care Excellence (NICE), die energiearme Programme auf maximal 12 Wochen unter fachlicher Betreuung begrenzen.
Während der Phase verzeichnete die Interventionsgruppe einen Gewichtsverlust von 8,4 Kilogramm gegenüber 1,2 Kilogramm in der Kontrollgruppe, was einer adjustierten Differenz von 7,5 Kilogramm entsprach, davon 6,6 Kilogramm Fettmasse.
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Deutliche Unterschiede beim Muskelvolumen oder der fettfreien Masse traten nicht auf. Nach Erhebungen des McGill University Health Centre verringerte sich das Leberfett in der Magnetresonanztomografie um 9 Prozent und das Bauchfett um 24 Prozent, während die Fitness relativ zum Körpergewicht um 10 Prozent stieg.
Zudem normalisierte sich der Blutdruck nach 12 Wochen bei 63 Prozent der Interventionsgruppe im Vergleich zu 13 Prozent in der Kontrollgruppe; nach 24 Wochen lag die Quote bei 56 Prozent gegenüber 27 Prozent.
Unerwünschte Begleiterscheinungen wie Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit traten bei 43 von 50 Teilnehmenden der Interventionsgruppe auf, verglichen mit 6 von 46 in der Kontrollgruppe. Diese Ereignisse blieben vorübergehend und umfassten keine schweren Vorfälle.
Methodische Einordnung
Die Untersuchung war als offene Studie ohne Verblindung angelegt. Da keine dritte Vergleichsgruppe mit rein kalorienarmer Ernährung ohne Sport geführt wurde, lässt sich der isolierte Beitrag des Trainings nicht exakt bestimmen. Um die Dauerhaftigkeit der Effekte zu überprüfen, ist eine größere Langzeitstudie geplant.
