Typ-2-Diabetes, Erwachsenen

Typ-2-Diabetes bei jungen Erwachsenen: Armut erhöht Risiko deutlich

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 20:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine BIPS-Analyse mit NAKO-Daten verknüpft Armut, Bildung und Erwerbsstatus bei 20- bis 45-Jährigen mit Typ-2-Diabetes.

Studie zeigt sozialen Einfluss auf Typ-2-Diabetes bei Jüngeren
Ein leerer Parkweg mit einer Parkbank und im Hintergrund unscharf erkennbare Wohngebäude bei bewölktem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die gesundheitliche Situation von jungen Erwachsenen in Deutschland steht zunehmend im Fokus der epidemiologischen Forschung. Eine im Fachmagazin Public Health (2026;258:106425) veröffentlichte Untersuchung des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Kooperation mit der NAKO Gesundheitsstudie zeigt auf, dass das Risiko für Typ-2-Diabetes in der Altersgruppe der 20- bis 45-Jährigen signifikant mit sozioökonomischen Faktoren wie Armut, Bildung und Erwerbsstatus verknüpft ist.

Die Ergebnisse verdeutlichen einen ausgeprägten Sozialgradienten bei einer Erkrankung, die traditionell eher mit höherem Lebensalter assoziiert wurde.

Datenbasis der NAKO Gesundheitsstudie

Die Analyse stützt sich auf die umfangreiche Datenbasis der NAKO-Kohorte, die insgesamt rund 205.000 Teilnehmer umfasst. Die zugrunde liegenden Erhebungen fanden in der sogenannten Baseline-Phase zwischen 2014 und 2019 in 18 Studienzentren bundesweit statt.

Für die spezifische Untersuchung der jungen Altersgruppe verglichen die Forscher die Daten von 808 Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 45 Jahren, bei denen ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde, mit einer Kontrollgruppe von 4.035 Personen ohne Diabetes-Erkrankung.

Die statistische Auswertung erfolgte dabei über Odds Ratios, um die Stärke der Assoziationen zwischen verschiedenen Lebensumständen und dem Auftreten der Stoffwechselerkrankung zu bestimmen. Prävalenzvergleiche standen hingegen nicht im Fokus dieser Auswertung.

Einfluss von Bildung, Einkommen und Erwerbsstatus

Die Untersuchungsergebnisse machen deutlich, dass ökonomische Benachteiligung und das Erkrankungsrisiko Hand in Hand gehen. Eine Armutsgefährdung, die in der Studie als ein Haushaltseinkommen von unter 60 % des Medians definiert wurde, trat in der Gruppe der Diabetiker wesentlich häufiger auf als in der Vergleichsgruppe.

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Neben dem Einkommen erwiesen sich auch die Bildung und der berufliche Status als maßgebliche Faktoren. Eine niedrigere Bildung, Arbeitslosigkeit sowie die Ausübung manueller Tätigkeiten waren bei den 20- bis 45-jährigen Erkrankten überproportional oft vertreten. Diese Faktoren bilden zusammen einen sozioökonomischen Rahmen, der die Wahrscheinlichkeit einer frühen Diabetes-Entwicklung begünstigt.

Migration und die Rolle des Body-Mass-Index

Ein weiterer Aspekt der Analyse betrifft den Migrationshintergrund der Probanden. Hierbei stellten die Forscher fest, dass insbesondere Migranten der ersten Generation häufiger von Typ-2-Diabetes betroffen waren. Interessanterweise zeigte sich für die zweite Generation von Migranten kein klarer statistischer Zusammenhang mehr.

Besonders deutlich tritt der Sozialgradient in Verbindung mit dem Körpergewicht hervor. Der Analyse zufolge konzentrieren sich die sozioökonomischen Unterschiede vor allem bei Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 oder höher.

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Insgesamt waren 72 % der an Diabetes erkrankten jungen Erwachsenen übergewichtig oder adipös. In der gesunden Vergleichsgruppe lag dieser Anteil hingegen lediglich bei 46 %. Dies unterstreicht die Wechselwirkung zwischen Lebensstilfaktoren, körperlicher Konstitution und der sozialen Lage.

Methodische Einschränkungen und Präventionsbedarf

Trotz der umfassenden Datenbasis weist die Studie gewisse methodische Einschränkungen auf. Da es sich um ein Querschnittsdesign handelt, können die Ergebnisse Korrelationen aufzeigen, erlauben jedoch keine direkten kausalen Aussagen über die Wirkmechanismen.

Zudem merken die Autoren an, dass die NAKO Gesundheitsstudie bestimmte marginalisierte Bevölkerungsgruppen – darunter Obdachlose, Asylsuchende und undokumentierte Migranten – unterrepräsentiert.

Angesichts der Befunde fordern die Experten verstärkte Anstrengungen in der strukturellen Prävention. Es reiche nicht aus, lediglich auf das individuelle Verhalten zu setzen; vielmehr müssten die Lebensbedingungen und sozialen Rahmenbedingungen adressiert werden, um das Diabetes-Risiko bei jungen Menschen nachhaltig zu senken.

Die Studie untermauert die Notwendigkeit, gesundheitspolitische Maßnahmen gezielter auf sozioökonomisch benachteiligte Bevölkerungsschichten auszurichten.

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