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Typ-2-Diabetes: Bei 55 Prozent drohen Herz- oder Nierenleiden binnen zehn Jahren

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Langzeitdaten beziffern Folgeerkrankungen; CGM-Nutzung war mit geringeren Sterbe- und Herzinsuffizienzraten verbunden.

Typ-2-Diabetes: Studien zeigen Risiken und mögliche Vorteile von CGM
Ein minimalistisch eingerichteter, heller Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Im Rahmen der EASD-Jahrestagung in Mailand wurden umfassende Analysen zur Krankheitslast und den Langzeitfolgen von Typ-2-Diabetes vorgestellt. Eine großangelegte Untersuchung, die auf Daten von 1.617.508 neu diagnostizierten Patienten in den USA basiert, liefert detaillierte Einblicke in die Wahrscheinlichkeit schwerer Folgeerkrankungen.

Die im CALOR-Programm ausgewerteten Diagnosen aus dem Zeitraum zwischen Januar 2010 und März 2024 verdeutlichen die hohe Belastung für das Gesundheitssystem und die betroffenen Individuen.

Hohes Risiko für Herz- und Nierenerkrankungen

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass das kombinierte Risiko für chronische Nierenerkrankungen (CKD), Herzinsuffizienz oder den Tod innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose bei 33 % liegt. Nach zehn Jahren steigt dieser Wert auf 55 %.

Die Datenbasis der Studie umfasst Patienten mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren, wobei der Frauenanteil bei 51 % lag. Der mediane Body-Mass-Index (BMI) wurde mit 30,9 kg/m² angegeben. Zudem litten 72 % der Probanden unter Dyslipidämie und 68 % unter Bluthochdruck.

Bei der Betrachtung der Erstkomplikationen innerhalb der ersten fünf Jahre trat eine chronische Nierenerkrankung bei 19,0 % der Patienten auf. Eine Herzinsuffizienz wurde im selben Zeitraum bei 8,3 % als erste Folgeerkrankung diagnostiziert. Es zeigt sich zudem eine starke Wechselwirkung zwischen diesen Krankheitsbildern: Patienten, bei denen zuerst eine Herzinsuffizienz diagnostiziert wurde, hatten ein Risiko von 42 %, in den folgenden fünf Jahren auch eine chronische Nierenerkrankung zu entwickeln.

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Umgekehrt lag das Risiko für eine Herzinsuffizienz nach einer bereits bestehenden Nierenerkrankung bei 23 %. Prof. Naveed Sattar von der University of Glasgow unterstrich in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung, um diese Kaskaden zu unterbrechen.

Technologische Ansätze und neurodivergente Aspekte

Ein weiterer Fokus der aktuellen Forschung liegt auf dem Einsatz technologischer Hilfsmittel. Analysen einer Target-Trial-Emulation auf Basis der Truveta-Datenbank, die 13.935 Nutzer einer kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) mit einer ebenso großen Gruppe von Nicht-Nutzern verglich, deuten auf signifikante Vorteile hin.

Demnach sank das Gesamtsterberisiko bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Basalinsulin-Versorgung nach einem Jahr um 44 % und nach zwei Jahren um 35 %. Auch die Rate an Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen war bei CGM-Nutzern nach zwölf Monaten um 54 % und nach 24 Monaten um 47 % niedriger.

Zusätzlich rückte die Versorgung neurodivergenter Patienten in den Mittelpunkt. Eine Analyse des TriNetX-Netzwerks unter 4,2 Millionen Betroffenen ergab, dass die Prävalenz von ADHS und Autismus bei unter 20-Jährigen mit Typ-2-Diabetes bei bis zu 14 % beziehungsweise 5 % liegt.

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Ein früher Ausbruch der Diabetes-Erkrankung vor dem 40. Lebensjahr wird zudem mit schlechteren Gesundheitsergebnissen assoziiert. Fachleute wie Dr. Jonathan Goldney von der University of Leicester forderten daher Versorgungsmodelle, die stärker auf neurodivergente Anforderungen zugeschnitten sind.

Präventionspotenzial und ökonomische Rahmenbedingungen

Auch die Situation in Deutschland wurde thematisiert, insbesondere im Hinblick auf Gestationsdiabetes. Laut Daten des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) ist bis zu jede siebte Schwangere betroffen.

Prof. Michael Roden wies darauf hin, dass Frauen nach einem Schwangerschaftsdiabetes ein bis zu zehnfach erhöhtes lebenslanges Risiko für Typ-2-Diabetes tragen. Dennoch nehmen nur etwa zwei von fünf betroffenen Frauen die empfohlenen Nachsorgeuntersuchungen wahr.

Die ökonomische Dimension der Erkrankung wird durch einen Bericht des Office of Health Economics verdeutlicht. In Deutschland belaufen sich die jährlichen Gesamtkosten durch Adipositas und Übergewicht auf 55,2 Milliarden Euro, was etwa 1,3 % der Wirtschaftsleistung entspricht. Die direkten Kosten werden auf 30 Milliarden Euro beziffert.

Angesichts von Prognosen, die bis zum Jahr 2050 weltweit rund 1,3 Milliarden Diabetiker erwarten lassen, bleibt die frühzeitige Intervention ein zentrales Thema der Gesundheitspolitik. Da es sich bei vielen der vorgestellten Daten um Beobachtungsstudien handelt, weisen Forscher darauf hin, dass keine direkten Kausalitäten belegt sind, sondern statistische Assoziationen im Vordergrund stehen.

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