Typ-2-Diabetes: 45 Prozent der Patienten haben Mikronährstoffmängel
Veröffentlicht am: 12.07.2026 um 04:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Folgen sind gravierend – und die Medizin reagiert mit neuen Strukturen.
Leipziger Klinik erhielt Zertifikat
Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) hat einen Meilenstein gesetzt. Am 10. Juli 2026 erhielt es die Zertifizierung als „Ernährungsmedizinische Schwerpunktabteilung“ durch das Siegel nutriZert. Prof. Lars Selig, Leiter der Sektion, betont die Bedeutung einer frühzeitigen Identifikation betroffener Patienten.
Ab 2028 wird die Früherkennung bundesweit verpflichtend. Dann müssen Kliniken bei der Aufnahme systematisch auf Mangelernährung screenen. Ziel: Defizite sofort erkennen und gezielt behandeln – etwa mit kalorienreicher Trinknahrung.
Wie viel Protein braucht der Mensch wirklich?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht für Erwachsene, für Menschen über 65 Jahren 1,0 Gramm. Doch sind diese Werte optimal?
Chris Macdonald von der University of Cambridge stellt in einem Fachbeitrag für „Frontiers in Nutrition“ die Standards infrage. Die aktuellen Empfehlungen dienten vor allem der Vermeidung von Mangelerscheinungen. Für Ältere, Sportler und Schwangere könne eine höhere Zufuhr sinnvoll sein. Pflanzliche Quellen reichen laut dem Forscher völlig aus.
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Gefährliche Mängel bei chronisch Kranken
Besonders betroffen sind Menschen mit Typ-2-Diabetes. Eine Metaanalyse in „BMJ Nutrition Prevention & Health“ zeigt: Rund 45 Prozent dieser Patienten haben einen Mikronährstoffmangel. Am häufigsten fehlt Vitamin D (60,5 Prozent), gefolgt von Magnesium (42 Prozent) und Eisen (28 Prozent).
Schuld ist oft die Langzeitmedikation. Metformin etwa hemmt die Aufnahme von Vitamin B12.
Auch neue Abnehm-Medikamente wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten (Semaglutid) verändern den Nährstoffbedarf. Fachleute empfehlen hier 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht, um Muskelabbau zu verhindern. Ergänzend werden oft Ballaststoffe, Vitamin D, Magnesium und Calcium empfohlen.
Neue Regeln für Apotheken
Seit dem 2. Juli 2026 gilt das Apotheken-Reformgesetz (ApoVWG). Es erlaubt Apotheken, bei nachgewiesener Dauermedikation die kleinste Packungsgröße auch ohne Rezept abzugeben. Das soll die Versorgung chronisch Kranker sichern.
Seit dem 1. Juli ist zudem assistierte Telemedizin in Apotheken möglich – Patienten können direkt vor Ort ärztliche Beratung erhalten.
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Neue Kapsel gegen Fettleibigkeit
Am selben Datum kam mit der „Epitomee Capsule“ ein neues Medizinprodukt auf den Markt. Die verschreibungspflichtige Kapsel enthält ein Hydrogel auf Polyacrylsäure-Basis. Im Magen dehnt es sich aus und erzeugt ein Sättigungsgefühl.
Trotz neuer Optionen warnen Behörden vor eigenmächtiger Supplementierung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) verwies bereits 2024 auf Risiken wie Leberschäden durch Ashwagandha bei Überdosierung. Ohne ärztliche Diagnose können Nahrungsergänzungsmittel mehr schaden als nutzen.
