Typ-2-Diabetes: 12 Wochen Formula-Diät führen bei 54 Prozent zur Remission
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 09:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deGezielte Ernährungsanpassungen und zeitliche Vorgaben bei den Mahlzeiten spielen eine zentrale Rolle in der Prävention von Typ-2-Diabetes und der Verbesserung der metabolischen Gesundheit.
Entsprechende Fachbeiträge des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) verdeutlichen, dass neben der Nährstoffauswahl auch die Struktur der Nahrungsaufnahme den Blutzuckerspiegel beeinflussen kann. Zugleich zeigen wissenschaftliche Daten, wo die Grenzen einzelner Trends liegen und welche Maßnahmen langfristig das Stoffwechselprofil stabilisieren.
Wissenschaftliche Einordnung des Trends zur Essreihenfolge
Unter der Bezeichnung des sogenannten „Meal Sequencing“ wird zunehmend diskutiert, ob der Verzehr von Gemüse und Salat vor kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Brot, Reis oder Kartoffeln den Stoffwechsel entlastet. Das DDZ analysierte diesen Ansatz in einer im Fachjournal „Clinical Nutrition“ veröffentlichten Metaanalyse über 18 randomisierte kontrollierte Studien.
Die Auswertung ergab, dass der Verzehr von Gemüse vor den Kohlenhydraten den Blutzuckerspiegel nach 30 Minuten um rund 22 mg/dl senkt und auch nach 60 Minuten noch unter den Werten der Vergleichsgruppe liegt.
Nach zwei Stunden kehrte sich dieser Effekt jedoch um: Der Blutzucker lag dann um etwa 4 mg/dl höher als bei Personen, die die Komponenten gleichzeitig aßen. Ähnliches zeigte sich bei den Insulinwerten, die nach 30 Minuten um 13,14 µE/ml und nach 60 Minuten um 12,03 µE/ml niedriger lagen, nach zwei Stunden jedoch um 7,10 µE/ml anstiegen.
Das DDZ betont, dass die Beweissicherheit dieser kurzzeitigen Effekte sehr gering ist. Von den 18 untersuchten Studien wiesen zehn ein moderates und acht ein hohes Verzerrungsrisiko auf.
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Zudem wurden viele Untersuchungen in Japan mit jungen, gesunden Erwachsenen durchgeführt. Eine Einzelstudie bei Typ-2-Diabetes zeigte zwar einen Rückgang des Langzeitblutzuckers (HbA1c) über 24 Monate von 8,3 auf 6,8 Prozent, dies jedoch bei variierenden Gemüsemengen.
Langfristige Effekte auf Nüchternblutzucker und HbA1c sind bislang unzureichend erforscht, weshalb das DDZ noch keine allgemeine Empfehlung für Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes ableitet. Bei Übergewicht bleibe die Kalorienreduktion entscheidender als die Essreihenfolge.
Kalorienrestriktion, Gewichtsverlust und Remission
Dass eine substanzielle Verringerung der Kalorienzufuhr erhebliche therapeutische Effekte erzielen kann, belegt eine kanadisch-britische Studie unter Leitung von Kaberi Dasgupta (McGill University), die im Fachblatt „The Lancet Regional Health“ erschien.
An der Untersuchung nahmen 96 Personen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie teil, die im Schnitt 38 Jahre alt waren und einen BMI von 35,2 aufwiesen.
Eine zwölfwöchige Formula-Diät mit 800 bis 900 kcal pro Tag in Kombination mit angeleitetem Training, gefolgt von einer Phase zur Gewichtsstabilisierung, führte nach 24 Wochen bei 27 von 50 Teilnehmenden (54 Prozent) zu einer Remission. In der Kontrollgruppe erreichten dies lediglich 2 von 46 Personen (4 Prozent).
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Auch die Zusammensetzung der Kost bleibt wesentlich: Eine chinesische Studie an 48 Personen mit neu diagnostiziertem Diabetes zeigte im Fachjournal „Frontiers in Microbiology“, dass eine 84-tägige ballaststoffreiche Ernährung den HbA1c-Wert auf 6,3 Prozent senkte, verglichen mit 6,7 Prozent in einer mit Metformin behandelten Vergleichsgruppe, begleitet von positiven Veränderungen des Darmmikrobioms.
Zusammensetzung und Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln
Ernährungsexperten raten dazu, verarbeitete Kohlenhydrate und zuckerhaltige Getränke konsequent zu meiden. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) liefert bereits ein halber Liter Cola rund 210 kcal und 53 Gramm Zucker, was das Risiko für Übergewicht, Fettleber und Diabetes erhöht.
Zudem spielt der Verarbeitungsgrad eine Rolle: Eine 2026 im Fachjournal „Nature Metabolism“ veröffentlichte Crossover-Studie von Hutelin et al. an gesunden Erwachsenen ergab, dass eine Mahlzeit aus ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln im Vergleich zu einer ernährungsphysiologisch identisch zusammengestellten Mahlzeit aus unverarbeiteten Zutaten zu signifikant höheren Insulinspiegeln über einen Zeitraum von drei Stunden führte.
Unabhängig von zeitlichen Abläufen bildet somit eine Ernährung mit gering verarbeiteten Lebensmitteln, ausreichend Ballaststoffen und angepasster Energiezufuhr das Fundament der Diabetesprävention.
