Typ-1-Diabetes, Finerenon

Typ-1-Diabetes: Finerenon senkt Nierenschäden um 34 Prozent

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die FINE-ONE-Studie bescheinigt Finerenon eine deutliche UACR-Senkung bei Typ-1-Diabetes, zugleich trat Hyperkaliämie häufiger auf.

Bayer: Finerenon senkt Nierenmarker bei Typ-1-Diabetes
Ein medizinisches Fläschchen mit klarem Wirkstoff steht auf einem Labortisch in einer hellen klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung von Nierenschäden bei Menschen mit Typ-1-Diabetes stand über Jahrzehnte hinweg vor therapeutischen Grenzen. Nach der Zulassungserweiterung des Wirkstoffs Finerenon (Handelsname Kerendia) durch die US-Arzneimittelbehörde FDA rücken nun die detaillierten klinischen Daten in den Mittelpunkt.

Die Ergebnisse der Phase-3-Studie zeigen, in welchem Umfang der nicht-steroidale Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist (MRA) relevante Biomarker für Nierenschäden senken kann.

Signifikante Reduktion des Albumin-Kreatinin-Quotienten

Im Zentrum der klinischen Bewertung stehen die Befunde zur Eiweißausscheidung im Urin. In der zugrundeliegenden Phase-3-Studie FINE-ONE senkte Finerenon den Albumin-Kreatinin-Quotienten (UACR) nach sechs Monaten um 34 Prozent, wobei der Median von 574,6 auf 373,5 sank.

In der Placebogruppe ging der Wert dagegen lediglich um 12 Prozent zurück, von einem Median von 506,4 auf 475,6. Dies entspricht einer Geometric Mean Ratio von 0,75 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,65 bis 0,87 bei einem statistisch signifikanten Wert von p<0,001.

Weitere Auswertungen der Studie bestätigen diesen Verlauf über unterschiedliche Zeiträume. Gegenüber Placebo betrug die UACR-Reduktion nach drei Monaten 22 Prozent, nach sechs Monaten 25 Prozent und in einer weiteren Auswertung nach sechs Monaten 28 Prozent. Einen Rückgang des Quotienten um mindestens 30 Prozent erreichten 68,1 Prozent der mit Finerenon behandelten Patientinnen und Patienten, verglichen mit 46,6 Prozent unter Placebo.

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Studiendesign und Sicherheitsprofil

Die Untersuchung FINE-ONE wurde als randomisierte, doppelblinde, multizentrische und placebokontrollierte Studie in neun Ländern an mehr als 80 Zentren durchgeführt. Eingeschlossen waren 242 erwachsene Personen mit Typ-1-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung.

Die Teilnehmenden wiesen eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) von 25 bis unter 90 ml/min/1,73 m² sowie einen UACR-Wert von 200 bis unter 5.000 auf. Die Resultate der Untersuchung wurden unter der Leitung von Heerspink et al. im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Hinsichtlich der Verträglichkeit traten unerwünschte Ereignisse bei 47 Prozent der Patienten unter Finerenon und bei 49 Prozent in der Placebogruppe auf.

Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse verzeichneten die Forschenden bei 11,8 Prozent unter dem Verum gegenüber 11,5 Prozent unter Placebo. Eine Hyperkaliämie wurde bei 10,1 Prozent (12 Patienten) in der Finerenon-Gruppe dokumentiert, verglichen mit 3,3 Prozent (4 Patienten) unter Placebo.

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Zu einem Therapieabbruch kam es bei 1,7 Prozent (2 Patienten). Die eGFR nahm nach sechs Monaten um -5,6 ml/min/1,73 m² unter Finerenon gegenüber -2,7 ml/min/1,73 m² unter Placebo ab, wobei dieser Effekt nach dem Absetzen binnen 30 Tagen reversibel war.

Einordnung in die Versorgungspraxis

Vor dem Hintergrund der beobachteten Kaliumwerte empfiehlt die National Kidney Foundation regelmäßige Kontrollen des Kaliumspiegels sowie der Nierenfunktion bei betroffenen Patienten. Der medizinische Bedarf in diesem Versorgungsbereich ist hoch: Nach Angaben von Bayer entwickelt etwa jeder dritte Typ-1-Diabetiker eine chronische Nierenerkrankung.

Für das Unternehmen stellt die Indikation den ersten Neuzugang dieser Wirkstoffklasse und die erste neue Behandlungsoption für diese Patientengruppe seit mehr als 30 Jahren dar. Die FDA hatte die Indikationserweiterung im Rahmen eines beschleunigten Priority-Review-Verfahrens geprüft und genehmigt, worüber der Konzern am 17. September 2026 per Pressemitteilung informierte.

Neben der Anwendung bei chronischer Nierenerkrankung im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes sowie bei Herzinsuffizienz markiert dies die dritte US-Zulassung für das Medikament, dessen Erlöse sich zuletzt dem Blockbuster-Status annäherten.

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de | wissenschaft | 70144836 |