Typ-1-Diabetes: Erste neue Nierentherapie seit 30 Jahren zugelassen
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 23:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Analysehaus Berenberg hat die Einstufung für den US-Pharmakonzern Eli Lilly am 15. September 2026 von „Hold“ auf „Buy“ angehoben. Gleichzeitig erhöhten die Analysten das Kursziel von 1.220 auf 1.400 US-Dollar.
Ausgehend von einem Aktienkurs von rund 1.116 US-Dollar entspricht dieser Schritt einem Kurspotenzial von etwa 25 Prozent. Am 16. September 2026 lag das Konsens-Kursziel für die Aktie bei 1.392,50 US-Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 22,38 Prozent entsprach.
Milliardenschwere Zukäufe und Preisdruck in den USA
Die Neubewertung folgt auf eine Phase umfangreicher Investitionen. Im Verlauf des Jahres 2026 investierte Eli Lilly mehr als 60 Milliarden US-Dollar in über 25 Transaktionen, um die eigene Pipeline auszubauen.
Dazu zählte die Übernahme von AtaiBeckley für rund 4 Milliarden US-Dollar, deren Wirkstoffkandidat BPL-003 ein Spitzenumsatzpotenzial von bis zu 4 Milliarden US-Dollar zugeschrieben wird. Für die Übernahme von Centessa wendete der Konzern rund 8 Milliarden US-Dollar auf; Studienergebnisse zum Wirkstoff Cleminorexton werden hier für das zweite Halbjahr 2027 erwartet.
Gleichzeitig steht der Konzern im US-Heimatmarkt vor preislichen Herausforderungen. Im zweiten Quartal 2026 ging der US-Realpreis bei Eli Lilly im Vorjahresvergleich um 3 Prozent zurück; ohne Berücksichtigung von Rabatt-Anpassungen belief sich das Minus auf rund 9 Prozent.
Parallel dazu verzeichneten staatliche Programme hohe Resonanz: Dem Medicare-Bridge-Programm zufolge nutzten nach Angaben des Weißen Hauses bis Ende August mehr als 500.000 Senioren das entsprechende Angebot.
Novo Nordisk forciert Forschungskooperationen und KI-Einsatz
Auch der dänische Wettbewerber Novo Nordisk richtet seine Strukturen im Segment der kardiometabolischen Therapien neu aus. Das Unternehmen schloss eine strategische Kooperation mit dem Biotech-Unternehmen Orbis Medicines zur Entwicklung oraler Medikamente gegen kardiometabolische Erkrankungen ab.
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Das Transaktionsvolumen beläuft sich auf bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar und setzt sich aus einer Vorauszahlung, erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen sowie gestaffelten Lizenzgebühren zusammen.
Zudem gab Novo Nordisk eine Partnerschaft mit Anthropic bekannt. Die Vereinbarung umfasst den Einsatz von Claude-KI-Modellen in der Forschung und Entwicklung sowie in der Softwareentwicklung, inklusive der Erprobung von Claude Science in ausgewählten Forschungsabläufen unter definierten Aufsichtsmechanismen.
Der Einsatz künstlicher Intelligenz soll Entwicklungs- sowie Zulassungsprozesse beschleunigen und Margenverluste abfedern, die durch den Wettbewerbsdruck – unter anderem durch Eli Lilly – entstehen.
Am Markt stieg die Novo-Nordisk-Aktie im vorbörslichen Handel zeitweise um 1 Prozent, auf Tradegate notierte sie am Vormittag mit einem Plus von 0,80 Prozent bei 36,74 Euro und am Nachmittag bei 36,45 Euro (plus 0,07 Prozent). Zum Vergleich: Im Juni 2024 hatte das Papier noch ein Rekordhoch von mehr als 130 Euro markiert.
Am 16. September 2026 beließ die UBS die Aktie auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 332 dänischen Kronen; das durchschnittliche Kursziel betrug 277,44 dänische Kronen. Ein Analyst der Bank verwies dabei auf den Kapitalmarkttag am 21. September 2026 und richtete den Blick auf mittelfristige Finanzziele sowie die US-Entwicklung der Wegovy-Pille.
Bayer erzielt Zulassungserfolg bei Diabetes-Spätfolgen
Im Umfeld von Begleiterkrankungen des Diabetes meldete unterdessen Bayer Fortschritte: Die US-Gesundheitsbehörde FDA erteilte dem Wirkstoff Kerendia (Finerenon) im Wege einer beschleunigten Prüfung die Zulassung zur Senkung des Urin-Albumin-Kreatinin-Quotienten (UACR) bei Erwachsenen mit chronischer Nierenerkrankung und Typ-1-Diabetes. Dies stellt die erste neue Behandlungsoption für diese Indikation in den USA seit mehr als 30 Jahren dar, wo schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der Typ-1-Diabetiker eine chronische Nierenerkrankung aufweisen.
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In der zugrundeliegenden FINE-ONE-Studie mit 242 Teilnehmern zeigte sich nach drei Monaten eine UACR-Reduktion um 22 Prozent und nach sechs Monaten um 28 Prozent gegenüber Placebo (p=0,0001). Das Auftreten von Hyperkaliämie lag bei 10,1 Prozent im Vergleich zu 3,3 Prozent in der Placebogruppe.
Bayer stellt für das Medikament jährliche Spitzenumsätze von über 3 Milliarden Euro in Aussicht. Die Aktie des Leverkusener Konzerns notierte vorbörslich mit einem Plus von 1,56 Prozent bei 49,48 Euro und legte im XETRA-Handel zeitweise um 0,80 Prozent auf 49,37 Euro zu.
