Typ-1-Diabetes, DDG

Typ-1-Diabetes bei Kindern: DDG sieht Datenlücken beim bundesweiten Screening

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Fachgesellschaft hält ein flächendeckendes Antikörper-Screening bei Kindern derzeit mangels ausreichender Evidenz und Versorgungsstrukturen für nicht vertretbar.

DDG sieht Datenlücken für bundesweites Typ-1-Diabetes-Screening
Leere, sterile Reagenzgläser in einem Labor, die auf eine medizinische Diagnostik und wissenschaftliche Forschung hindeuten. Illustration mit AI erstellt.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat Nutzen und Risiken eines bevölkerungsweiten Screenings auf Inselautoantikörper zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen einer detaillierten Bewertung unterzogen.

Aus Sicht der Fachgesellschaft reicht die aktuelle Datenlage derzeit nicht aus, um ein bundesweites Screening für Kinder einzuführen. Bevor ein solcher Schritt medizinisch und organisatorisch vertretbar sei, brauche es validierte und standardisierte Tests, belastbare Langzeitdaten sowie etablierte Strukturen für Bestätigungsdiagnostik, Beratung und Nachsorge.

In Deutschland erkranken jährlich rund 4.000 Kinder und Jugendliche neu an Typ-1-Diabetes. Während ein internationales Expertengremium in einem Konsensuspapier in der Fachzeitschrift Diabetologia ein bevölkerungsweites Screening auf Inselautoantikörper empfiehlt, um die Erkrankung früh zu diagnostizieren und krankheitsmodifizierende Therapien rascher einzusetzen, mahnt die DDG zur Zurückhaltung.

Erkenntnisse aus der Fr1da-Studie und internationale Daten

Wesentliche Erkenntnisse zur Früherkennung lieferte die bayerische Fr1da-Studie. Bei einer Untersuchung über zehn Jahre wurden 219.951 Kinder mit einem Medianalter von 3,1 Jahren getestet, wobei bei 590 von ihnen frühe Stadien des Typ-1-Diabetes bestätigt wurden.

Eine im Fachjournal JAMA publizierte Fr1da-Auswertung, die 220.476 Kinder berücksichtigte, wies bei 590 Kindern ein frühes Stadium nach, was einer angepassten Häufigkeit von 0,30 Prozent entsprach.

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Binnen fünf Jahren entwickelten 29,5 Prozent der Kinder im Stadium 1 sowie 47,6 Prozent der Kinder im Stadium 2 einen klinischen Diabetes. Die kumulative Progressionsrate lag nach fünf Jahren bei 36,2 Prozent (156 Fälle; annualisiert 9,6 Prozent). Das 5-Jahres-Risiko unterschied sich dabei nicht signifikant nach erstgradiger Familienanamnese: Es betrug 41,4 Prozent bei Kindern mit familiärer Vorbelastung gegenüber 35,3 Prozent bei Kindern ohne Vorbelastung. Die mittlere Zeit bis zur klinischen Manifestation lag bei 8,6 Jahren, wobei die Spanne von unter einem Jahr bis zu mehr als 20 Jahren reichte.

Ergänzende Befunde stammen aus dem europäischen Programm EDENT1FI, das bis zur Jahrestagung der Europäischen Diabetes-Gesellschaft (EASD) 2026 insgesamt 140.568 Kinder und Jugendliche aus acht Ländern mit einem Medianalter von 7,6 Jahren untersuchte.

Ursprünglich auf rund 200.000 Untersuchungen bis 2028 ausgelegt, meldete die EASD insgesamt 634 Fälle. Das mehrstufige Programm, das Antikörpertests, Bestätigungen und metabolische Beurteilungen umfasst, identifizierte frühe Stadien bei 2,13 Prozent der Getesteten mit Verwandten ersten Grades sowie bei 0,32 Prozent ohne familiäre Vorbelastung.

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Wegen der größeren Grundgesamtheit entfielen 408 Fälle auf Kinder ohne und 219 auf Kinder mit familiärer Vorbelastung. Zudem zeigte eine australische Registerstudie mit 5.202 Erkrankten, dass eine Diagnose vor dem 7. Geburtstag im Vergleich zu einer Diagnose im Alter von 13 bis 16 Jahren mit einem um 68 Prozent niedrigeren Risiko für kardiale Komplikationen in den folgenden 20 Jahren einherging (adjustierte Hazard Ratio 0,32).

Medizinischer Nutzen und offene Fragen

Ein klarer Vorteil engmaschiger Betreuung liegt in der Prävention akuter Stoffwechselentgleisungen: Studien belegen, dass eine kontinuierliche Nachsorge die Rate diabetischer Ketoazidosen auf höchstens 5 Prozent senken kann.

Bei bisher unerkanntem Diabetes liegt diese Rate in Deutschland bei etwa 20 bis 25 Prozent. Therapeutisch steht mit Teplizumab ein Wirkstoff bereit, der bei ausgewählten Betroffenen ab acht Jahren im Stadium 2 den Ausbruch der Erkrankung im Mittel um etwa zwei Jahre verzögern kann, diesen jedoch nicht verhindert.

Neben den offenen Fragen zu flächendeckenden Versorgungs- und Nachsorgestrukturen bleibt auch die Kosteneffektivität eines flächendeckenden Screenings bislang nicht abschließend beurteilbar.

Mehr zum Thema bei Deutsches Ärzteblatt: „Fachleute empfehlen systematisches Screening von Kindern auf Typ-1-Diabetes – News“

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