Tuya Doova: KI-Begleitroboter für Senioren soll 2027 in Deutschland starten
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Pflegeforscher Patrick Jahn vom Uniklinikum Halle rechnet damit, dass Roboter im häuslichen Umfeld in fünf bis zehn Jahren deutlich stärker verbreitet sein werden als heute. Gegenwärtig befinde sich der Einsatz solcher Technik überwiegend im Forschungsstadium und sei noch nicht flächendeckend etabliert, erklärte Jahn laut einem Bericht von mdr.de.
Der Blick auf verschiedene Projekte und Marktentwicklungen zeigt, in welche Richtung sich die technologische Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben im Alter derzeit bewegt.
Fernüberwachung und Exoskelette
Am Uniklinikum Halle können Pflegerinnen bereits per Fernkontrolle nachvollziehen, ob Herzpatienten zuhause ihre Medikamente einnehmen. Jahn verweist zudem auf Exoskelette, die bei Kraftmangel unterstützen, sowie auf Sensoren, die kontinuierlich Gesundheitswerte etwa bei Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfassen.
Ziel sei ein möglichst langes, selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden, verbunden mit Prävention und Mischformen aus menschlicher und technischer Betreuung. Angehörige seien durch Technik dabei nicht zu ersetzen, betonte der Forscher.
Ein konkretes Beispiel für Exoskelett-Technik zeigte sich auf der IFA 2026 in Berlin: Das Hüft-Exoskelett AlpWalk S1 für Senioren wurde dort mit dem IFA Innovation Honoree Award ausgezeichnet. Mit zwei Motoren soll es den Energieaufwand beim Laufen um bis zu 35 Prozent reduzieren. Der Akku hält laut Hersteller bis zu sechs Stunden beziehungsweise 20 Kilometer, geladen wird per USB-C mit 65 Watt.
Das Gerät ist nach IP54 geschützt und für Temperaturen zwischen ?20 und 50 Grad Celsius ausgelegt. Ein „Gentle-Pace"-Algorithmus wurde mit über 10.000 Gangarten von Senioren trainiert. Das AlpWalk S1 ist in Europa vorbestellbar, die Auslieferung soll rund zwei Monate nach Bestellung erfolgen; der Frühbucherpreis liegt bei 1.099 Euro, regulär bei 1.299 Euro.
Marktwachstum bei Pflegerobotik
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Der Bedarf an technischer Unterstützung im Alter dürfte laut einer Analyse des Marktforschungsunternehmens IndexBox in den kommenden Jahren spürbar zunehmen. Demnach wächst der weltweite Markt für Roboter zur Unterstützung älterer Menschen bis 2035 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 9,4 Prozent.
Hintergrund ist die demografische Entwicklung: Die Weltbevölkerung ab 65 Jahren dürfte bis 2035 die Marke von 1,5 Milliarden überschreiten. Häusliche Pflege gilt laut IndexBox als das am schnellsten wachsende Segment mit einem geschätzten Anteil von 35 Prozent, betreutes Wohnen kommt auf rund 20 Prozent.
Als Wachstumshemmnisse nennt IndexBox hohe Anschaffungskosten, regulatorische Hürden und Datenschutzbedenken. Zu den Marktteilnehmern zählen demnach Unternehmen wie Toyota, Panasonic, SoftBank Robotics, Blue Frog Robotics und iRobot.
Ein Beispiel für neue Produkte in diesem Segment präsentierte Tuya Smart auf der IFA 2026: den KI-Begleitroboter Doova für ältere, alleinlebende Menschen. Er reagiert auf den Sprachbefehl „Hey Tuya, Help", lokalisiert Stimmen im Raum und bewegt sich mithilfe von Lidar-Sensorik und einem Vier-Mikrofon-System autonom durch die Wohnung.
Zu den Funktionen zählen Gesprächsangebote, Erinnerungen an Termine und Medikamente, die Steuerung vernetzter Geräte wie Licht oder Vorhänge sowie das Patrouillieren bei Abwesenheit der Bewohner, wobei sensible Videoaufnahmen laut Tuya Smart auf dem Gerät verbleiben und nicht in die Cloud übertragen werden.
Der weltweite Markt start ist für das zweite Quartal 2027 geplant, Deutschland gilt dabei als wichtiger Markt; Preis und Geschäftsmodell stehen noch nicht fest.
Grenzen der Technik
Trotz der technischen Fortschritte betonen Fachleute die Grenzen automatisierter Systeme. In französischen Kliniken und Pflegeheimen, etwa im Pariser Krankenhaus Broca und in La Septfontoise im Département Tarn-et-Garonne, werden sprechende Roboter und KI-Stimmen für Menschen mit Alzheimer erprobt – darunter der Roboter NAO, der Fragen und Aufgaben zur geistigen Anregung stellt, die Robbe Paro für therapeutischen Trost sowie das KI-System Livana, das personalisierte Telefongespräche auf Basis biografischer Angaben führt.
Die dortigen Forschenden verstehen Robotik dabei ausdrücklich als Werkzeug, nicht als Ersatz für menschliche Beziehungen. Eine 72-jährige Patientin namens Michèle berichtete, sie habe keine Angst vor der Technik, ziehe aber grundsätzlich den Kontakt zu Menschen vor.
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Finanzielle Unterstützung für Wohnumbauten
Wer sein häusliches Umfeld altersgerecht umbauen möchte, kann finanzielle Unterstützung durch die Pflegekasse erhalten. Nach § 40 Abs. 4 SGB XI übernimmt die Pflegekasse bis zu 4.180 Euro je Maßnahme zur Wohnumfeldverbesserung; leben mehrere pflegebedürftige Personen im Haushalt, gilt der Betrag pro Person, insgesamt jedoch höchstens 16.720 Euro je Maßnahme.
Der Antrag muss vor Beginn der Arbeiten mit einem Kostenvoranschlag gestellt werden. Über einen einfachen Antrag wird laut § 40 Abs. 7 SGB XI innerhalb von drei Wochen entschieden, bei Einbindung einer Pflegefachperson oder des Medizinischen Dienstes innerhalb von fünf Wochen.
Bei einem Umbau im Wert von 6.000 Euro für eine Person verbleibt demnach ein Eigenanteil von 1.820 Euro. Auch ein Umzug in eine besser geeignete Wohnung kann bezuschusst werden.
Die verschiedenen Entwicklungen – von Exoskeletten über Begleitroboter bis zu Fördermitteln für den Wohnungsumbau – deuten darauf hin, dass technologische Unterstützung im Alter zunehmend als Ergänzung zur menschlichen Pflege verstanden wird, nicht als deren Ersatz.
