Tuta und Nextcloud: Neue App bringt Mail und Kalender auf eine Plattform
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 15:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der europäische E-Mail-Anbieter Tuta hat am 1. Oktober 2026 eine offizielle Anwendung im Nextcloud App Store sowie ein aktivierbares Plugin für die Plattform veröffentlicht. Durch diesen Schritt können Anwender Tuta Mail und Kalenderfunktionen direkt innerhalb ihrer Nextcloud-Umgebung bedienen.
Zu den technischen Schnittstellen gehört die Möglichkeit, E-Mail-Anhänge unmittelbar im Nextcloud-Speicher abzulegen sowie Meeting-Links zu erstellen. Für die Einrichtung des Dienstes sind Nextcloud-Administratorrechte erforderlich.
Nach Angaben von Tuta handelt es sich um die erste offiziell unterstützte Plugin-Integration des Unternehmens; die gemeinsame Nutzung beider Werkzeuge sei kostenlos und basiere vollständig auf europäischer Infrastruktur.
Hohe Abhängigkeit europäischer Einrichtungen von US-Konzernen
Die Veröffentlichung zielt auf das Bestreben ab, eigenständige europäische Kommunikationslösungen zu etablieren. Wie eine Auswertung des niederländischen Rundfunksenders NOS ergab, laufen rund 70 Prozent der E-Mails von EU-Institutionen über Server im Besitz von US-Unternehmen.
Microsoft deckt demnach mehr als die Hälfte dieses Volumens ab, während weitere Anbieter aus den Vereinigten Staaten auf 14 Prozent kommen. Lediglich rund 30 Prozent der E-Mails nutzen europäische Server.
Während die EU-Kommission auf US-Server setzt, greifen das EU-Parlament, Europol und der Gerichtshof der Europäischen Union laut dem Bericht nicht auf US-Mailserver zurück.
Fachleute stufen einen plötzlichen Dienstestopp durch US-Konzerne zwar derzeit als höchst unwahrscheinlich ein, verweisen jedoch auf das fortbestehende Risiko für die digitale Souveränität. Laut einer Erhebung von Politico bringen rund 84 Prozent der Europäer US-Technologieunternehmen bei der Verwaltung persönlicher Daten kein Vertrauen entgegen.
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Ähnliche Bedenken wurden auch auf nationaler Ebene laut. Bei einer Fachveranstaltung warnte Bert Hubert, dass 99 Prozent des niederländischen E-Mail-Verkehrs über Microsoft 365 und damit unter US-Kontrolle abgewickelt würden.
Europäische E-Mail- und Produktivitätsanwendungen verzeichnen demnach einen Marktanteil von weniger als einem Prozent. Obwohl die niederländische Koalitionsvereinbarung die digitale Autonomie als Priorität anführt, stellt der Staatshaushalt dafür 0 Euro an neuen Mitteln bereit.
Hubert verwies vor diesem Hintergrund auf den Jahresumsatz europäischer Unternehmen in Höhe von 35 Billionen Euro und forderte diese auf, verstärkt europäische Software- und Cloud-Angebote einzukaufen, um eine Wiederholung dieser Abhängigkeitsstrukturen im Bereich der künstlichen Intelligenz zu verhindern.
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Behörden erproben eigenständige Kommunikationswerkzeuge
Parallel zu Angeboten für den allgemeinen Markt testen Verwaltungen vermehrt eigene Kommunikationswerkzeuge, um globale Cloud-Dienste abzulösen. Frankreich plant, Programme wie Teams und Zoom bis 2027 vollständig durch die Lösung Visio zu ersetzen. Visio wurde bereits mit rund 40.000 Beamten getestet, wobei die französische Regierung die rechnerische Ersparnis auf etwa 1 Million Euro jährlich je 100.000 Nutzer bezifferte.
Auch im Bereich der behördlichen Messaging-Dienste existieren bereits etablierte europäische Plattformen. In Deutschland verzeichnete der BwMessenger seit 2020 mehr als 100.000 aktive Nutzer. In Frankreich greifen mehr als 300.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst auf das Kommunikationssystem Tchap zurück.
