Tumorforschung: Neuer Wirkstoff AVA6103 mit 0% Neutropenie-Rate
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 23:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der onkologischen Forschung markiert der klinische Nachweis des Wirkmechanismus (Proof of Mechanism) einen wesentlichen Meilenstein für die Entwicklung neuer Therapieansätze bei soliden Tumoren. Aktuelle Daten von Avacta Therapeutics zum Wirkstoffkandidaten AVA6103, einem Peptid-Drug-Conjugat (PDC) auf Basis der sogenannten pre|CISION-Plattform, geben detaillierte Einblicke in das Sicherheits- und Pharmakokinetikprofil dieses Ansatzes.
Fortschritte in der klinischen Prüfung FOCUS-01
Wie aus Berichten von Mitte September 2026 hervorgeht, hat Avacta Therapeutics den klinischen Proof of Mechanism für AVA6103 in der laufenden Phase-1-Studie FOCUS-01 gemeldet. Im Rahmen des Phase-1a-Teils der Studie wurden die ersten drei Dosisstufen erfolgreich abgeschlossen.
Die Untersuchung umfasste eine Gruppe von 19 Patienten (n=19), die den Wirkstoff in Dosierungen von 1,5, 3 und 4,5 mg/m² erhielten. Die Verabreichung erfolgte dabei in Zyklen alle zwei oder drei Wochen.
Das primäre Ziel dieser frühen klinischen Phase ist die Evaluierung der Sicherheit und Verträglichkeit bei Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren. Die bisherigen Ergebnisse deuten auf ein sauberes Sicherheitsprofil hin, wobei die Beobachtungen eine nur begrenzte hämatologische und gastrointestinale Toxizität zeigen.
Vergleich der Toxizitätsraten und Dosierungsvorteile
Ein zentraler Aspekt der vorliegenden Analyse ist der Vergleich der Nebenwirkungsprofile von AVA6103 gegenüber bestehenden Standards wie Enhertu sowie der maximal tolerierten Dosis (MTD) von konventionellem Exatecan. Die Daten aus der Mitte September 2026 veröffentlichten Auswertung zeigen signifikante Unterschiede in der Verträglichkeit:
Die ersten drei Dosisstufen der Phase-1-Studie FOCUS-01 sind abgeschlossen — und die gemeldeten Toxizitätsraten weichen deutlich von dem ab, was Sie von Enhertu oder der konventionellen Exatecan-MTD kennen. Unser kostenloser Report ordnet die Daten in drei Schritten ein: Vergleichstabelle, PK-Profil und die Frage, was die erreichte Payload-Dosis für die weitere Dosisfindung bedeutet. Kostenlosen Daten-Report jetzt anfordern
- Neutropenie: Während unter AVA6103 eine Rate von 0 % verzeichnet wurde, liegt dieser Wert bei Enhertu bei 22 % und bei der konventionellen Exatecan-MTD bei 64 %.
- Thrombozytopenie: Hier wurde für AVA6103 eine Rate von 5 % (1 von 19 Patienten) gemeldet, im Gegensatz zu 11 % bei Enhertu und 43 % bei der Exatecan-MTD.
- Anämie: Die Rate unter AVA6103 lag bei 16 % (3 von 19 Patienten), während sie bei Enhertu 11 % und bei konventionellem Exatecan 43 % betrug.
- Gastrointestinale Beschwerden: Die Rate für Übelkeit und Erbrechen belief sich unter AVA6103 auf 5 % (1 von 19 Patienten). Zum Vergleich liegen die Werte für Enhertu bei 44 % und für die Exatecan-MTD bei 67 %.
Trotz der deutlich reduzierten Toxizität ermöglicht der Wirkmechanismus von AVA6103 eine höhere Dosierung des Wirkstoffs. Die erreichte Payload-Dosis liegt laut den Berichten rund 50 % über der MTD von herkömmlichem Exatecan. Speziell in der dritten Dosisstufe wurde ein Wert erreicht, der etwa 50 % über dieser herkömmlichen Belastungsgrenze liegt.
Pharmakokinetik und präklinische Korrelation
Die pharmakokinetischen Daten (PK-Daten) der klinischen Studie sind konsistent mit den zuvor entwickelten präklinischen Modellen. Beobachtet wurde eine schnelle Plasma-Clearance bei gleichzeitig verlängerter Freisetzung von niedrigdosiertem Exatecan im Zielgewebe.
Diese Ergebnisse stützen frühere Erkenntnisse aus präklinischen Modellen für HER2-positiven und FAP-positiven Magenkrebs. In diesen Xenograft-Modellen erzielte AVA6103 in sechs von sechs Fällen partielle Remissionen.
Neutropenie-Raten von 64 % unter der konventionellen Exatecan-MTD und 22 % unter Enhertu sind für viele Patienten der limitierende Faktor der Therapie. Die vorliegenden Phase-1-Daten zu AVA6103 zeigen ein anderes Profil — bei 19 Patienten wurde bis zur dritten Dosisstufe keine Neutropenie gemeldet. Wie belastbar diese Beobachtung ist und wo die Grenzen der frühen Phase liegen, lesen Sie in unserer Einordnung. Einordnung der Sicherheitsdaten jetzt sichern
Im Gegensatz dazu wurde unter der Behandlung mit Enhertu in einem von sechs Fällen eine Progression der Erkrankung festgestellt. Fachleute werten dies als Hinweis auf eine potenziell stärkere Antitumor-Aktivität des neuen Wirkstoffkandidaten in spezifischen Tumorumgebungen.
Erste belastbare Daten zur klinischen Wirksamkeit aus der FOCUS-01-Studie werden für das erste Halbjahr 2027 erwartet. Bis dahin wird die Untersuchung fortgesetzt, um die optimale Dosierung und das therapeutische Fenster weiter zu definieren.
