TUM, RoboGym

TUM RoboGym in München: 48 Trainingszellen für rund 100 Roboter

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Zentrum bündelt Robotikforschung, reale Trainingsdaten und industrielle Anwendungen; NEURA Robotics investiert rund 11 Millionen Euro.
Ein modernes Forschungszentrum mit einer weitläufigen Halle, klaren Strukturen und hellen, minimalistischen Arbeitsbereichen. Illustration mit AI erstellt.

Mit der Einrichtung des TUM RoboGym am LabCampus nahe dem Flughafen München schaffen das Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (TUM MIRMI) der Technischen Universität München und das Unternehmen NEURA Robotics eine neue Plattform für sogenannte Embodied AI.

Die Anlage gilt als eines der fortschrittlichsten Trainings- und Forschungszentren für physische künstliche Intelligenz in Europa. Sie soll als Brücke dienen, um Forschungsprototypen zügig in marktfähige Anwendungen für Industrie und Logistik zu überführen.

Infrastruktur und finanzielle Rahmenbedingungen

Das Trainingszentrum erstreckt sich über mehr als 2.300 m² und umfasst 48 Trainingszellen, die mit jeweils einem bis zwei Robotern ausgestattet sind. Zum Start stehen rund 100 humanoide Systeme sowie Serviceroboter bereit. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf rund 17 Mio. Euro über eine anfängliche Laufzeit von drei Jahren.

NEURA Robotics steuert dabei rund 11 Mio. Euro bei, was circa 65 Prozent des Budgets entspricht, und deckt damit die Bereitstellung von Robotern, Infrastruktur, Rechenleistung und Fachpersonal ab. Die TUM stellt die Räumlichkeiten und stellt wissenschaftliche Arbeitskapazitäten bereit.

Eingebettet ist die Anlage in das am selben Standort eingerichtete TUM Convergence Center, das neben dem TUM RoboGym powered by NEURA auch Initiativen wie die KI.Fabrik, das TUM Future Work LivingLab und den TUMorrow Hub bündelt.

Wissenschaftlich geleitet wird das RoboGym von Direktor Prof. Lorenzo Masia und dem wissenschaftlichen Koordinator Prof. Achim Lilienthal. Das Areal steht Angehörigen der Universität offen und ist auf Anfrage auch für externe Institute, Hochschulen und Unternehmen zugänglich.

TUM-Präsident Hofmann bezeichnete die Einrichtung als wegweisend für Deutschland und Europa sowie als wichtiges industriepolitisches Signal. Auch Bayerns Wissenschaftsminister Blume und Wirtschaftsminister Aiwanger unterstrichen den Beitrag zur Standortsicherung und zur Entlastung von Fachkräften.

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Methodik, Datenpfade und industrielle Praxis

In den Trainingszellen simulieren Roboter typische Abläufe der Intralogistik und Fertigung. Dazu zählen das Falten von Kartons, die Montage und das Zusammenstecken von Bauteilen, das Bedienen von Werkzeugen, das Befüllen von Flaschen sowie das Bestücken von Regalen und die Handhabung von Holzbauteilen.

Bereits seit September nutzen Betriebe aus mehr als zehn Wirtschaftszweigen die Anlage, darunter Vertreter aus der Automobilbranche, Pharma, Medizintechnik, Verpackungsindustrie, Landwirtschaft und Pflege.

Technologisch setzt das Konzept auf die Kombination dreier Datenquellen:
- Echte Betriebsdaten aus den physischen Robotereinsätzen
- Menschliche Demonstrationen, die über Sensoranzüge, Motion Capture und Teleoperation erfasst werden
- Hochskalierte Simulationen über sogenannte Data Amplifier

Die gesammelten Datensätze fließen in einen kuratierten Cloud-Data-Lake, der als Basis für das Training von Foundation-Modellen dient. Neben skalierbarer Datenerfassung und Sim-to-Real-Methoden zielt das Konzept auf ein Modell ab, das Trainingskapazitäten künftig als Dienstleistung („Training as a Service“) bereitstellt.

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Modellgeneration 4NE1 und internationale Vernetzung

Im Zuge der Eröffnung präsentierte NEURA Robotics die vierte Generation seines humanoiden Roboters 4NE1. Das Modell ist rund 20 Prozent leichter als die vorherige Bauform, verfügt über eine schwarze Textilhaut sowie sogenannte Smart Limbs mit eigenständigen Reflexen in jedem Gliedmaß.

Gesteuert über die Plattform Neuron AI, ist das System für die spätere Serienfertigung ausgelegt. NEURA-CEO Reger bezifferte den Preis auf rund 60.000 Euro und stellte alternative Leasingmodelle in Aussicht.

Der Münchner Standort bildet den Auftakt für ein geplantes internationales Netzwerk aus NEURA-Gyms in Europa, den USA und China; die nächste Kooperation ist mit der RWTH Aachen avisiert. Das 2019 gegründete Unternehmen hatte im Juni eine C-Finanzierungsrunde von 1,2 Mrd. Euro beziehungsweise bis zu 1,4 Mrd. US-Dollar abgeschlossen, an der sich Investoren wie Tether, Qualcomm, Amazon, NVIDIA, Bosch, Schaeffler und die EIB beteiligten.

Laut Unternehmensangaben beläuft sich der Auftragsbestand auf rund 1,5 Mrd. Euro mit festen Abnahmeverpflichtungen, wovon etwas mehr als die Hälfte auf Roboterarme und mobile Plattformen entfällt. In anderen Berichten wird ein Auftragsbestand von über 864,8 Mio. Euro ausgewiesen; bis 2030 strebt das Management den Einsatz von mehreren Millionen humanoiden Robotern an.

Flankiert werden diese Wachstumspläne durch Übernahmen: So sicherte sich NEURA Robotics über die Tochter NEURA Mobile Robots GmbH sämtliche Anteile am Ulmer Spezialisten Adlatus Robotics samt dessen Flotte autonomer Reinigungsroboter und übernahm zudem den Geschäftsbereich der ACTIVE-Shuttle-Fahrerlosen-Transportsysteme von Bosch Rexroth inklusive der Software ROKIT.

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