Troja-Razzia: Über 1 Million mutmaßlich manipulierte Smartphones verkauft
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 05:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Europäische und deutsche Sicherheitsbehörden haben bei einer großangelegten Razzia im Ermittlungskomplex „Troja“ ein mutmaßlich kriminelles Netzwerk zerschlagen. Rund 1.700 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnder vollstreckten laut einem Bericht vom 29. September 2026 etwa 160 Durchsuchungsbeschlüsse in 19 Ländern.
Beteiligt an den koordinierten Maßnahmen waren die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO), das Zollfahndungsamt Essen, das Landesamt zur Bekämpfung von Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen (LBF NRW) sowie die Polizei Düsseldorf. Allein in Nordrhein-Westfalen gab es mehr als drei Dutzend Durchsuchungen.
Festnahmen und internationale Verflechtungen
Bereits am 26. September 2026 wurden im Vorfeld der Großaktion bundesweit 15 Objekte durchsucht. Zudem vollstreckten die Einsatzkräfte am 26. September 2026 sieben Haftbefehle in Österreich, Deutschland und Spanien, die sich unter anderem gegen die mutmaßlichen Köpfe der Bande richten. Im Vereinigten Königreich vernahmen die Ermittler eine Zeugin.
Gegen die Beschuldigten besteht der Verdacht auf Betrug, Steuerhinterziehung, Einfuhrschmuggel, gewerbsmäßige Markenrechtsverstöße sowie die Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die durch die EPPO geleiteten Ermittlungen wurden durch einen Bericht des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung (OLAF) ausgelöst. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Millionenschäden für Verbraucher und Fiskus
Der mutmaßlichen Gruppierung wird vorgeworfen, seit 2017 über 1 Million aus gebrauchten Teilen zusammengesetzte Smartphones als angebliche Neuware veräußert zu haben. Laut vertraulichen Dokumenten handelte es sich dabei überwiegend um mutmaßliche Samsung-Geräte, die aus Altteilen montiert und anschließend neu verpackt wurden.
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Der geschätzte Schaden für europäische Verbraucher beläuft sich auf mindestens 300 Millionen Euro. Seit 2017 generierte die Gruppierung nach Behördenangaben einen Umsatz von mindestens 300 Millionen Euro.
Zusätzlich entstanden erhebliche Steuerschäden: Der Mehrwertsteuerausfall in mehreren Mitgliedstaaten der Europäischen Union beläuft sich auf 30 Millionen Euro, wovon mindestens 25 Millionen Euro die Bundesrepublik Deutschland betreffen. Laut Recherchen des WDR belaufen sich die hinterzogenen Steuern allein in Deutschland auf rund 24 Millionen Euro.
Logistische Netzwerke und Hinweise für Kunden
Die Lieferketten erstreckten sich über mehrere Kontinente. Den Ermittlungen zufolge montierten Helfer die Altgeräte in Hongkong sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten. Anschließend gelangten die Waren über die Niederlande nach Deutschland, von wo aus sie europaweit über Online-Plattformen, darunter Amazon, verkauft wurden.
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Aus abgehörten Gesprächen ging hervor, dass monatlich zwischen 10.000 und 20.000 Geräte aus China und Dubai nach Europa transportiert worden sein sollen. Bei den Maßnahmen stießen die Beamten unter anderem in einer Lagerhalle in Krefeld nach ersten Schätzungen auf mehrere Tausend Smartphones; Zählungen der Deutschen Presse-Agentur bezifferten den Fund auf 10.000 bis 15.000 Geräte.
Verbraucher, die ein manipuliertes Smartphone vermuten, können Seriennummer und IMEI direkt beim Hersteller überprüfen lassen. Die individuelle IMEI-Nummer lässt sich auf dem Gerät über die Tastenkombination *#06# abrufen und anschließend beim Samsung-Kundensupport abgleichen. Juristen empfehlen, Kaufbelege zu sichern und bei Unstimmigkeiten umgehend Kontakt mit dem Händler aufzunehmen. Zudem können sich Betroffene an die offizielle behördliche Kontaktadresse Troja.GZD@zka.bund.de wenden.
