Trikuspidalklappe: EVOQUE-Prothese erstmals ohne Thorakotomie eingesetzt
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deAm Ospedale F. Miulli in Acquaviva delle Fonti in Apulien ist erstmals ein Trikuspidalklappen-Ersatz ohne Thorakotomie und ohne künstlichen Herzstillstand vorgenommen worden. Behandelt wurde eine 74 Jahre alte Patientin, die an einer schweren Trikuspidalinsuffizienz sowie an einer chronischen Herzinsuffizienz litt.
Bei dem Eingriff implantierten die behandelnden Mediziner eine biologische EVOQUE-Prothese mithilfe eines Katheters über die Femoralvene, wodurch eine extrakorporale Zirkulation vermieden werden konnte. Nach fünftägigem stationärem Aufenthalt wurde die Patientin in gutem Allgemeinzustand entlassen.
Klinische Evidenz und Prothesenentwicklung
Die implantierte EVOQUE-Prothese erhielt im Jahr 2023 die CE-Kennzeichnung und nachfolgend auch die Zulassung in den Vereinigten Staaten. Die klinische Datenlage stützt sich unter anderem auf die TRISCEND-II-Studie mit 400 Patientinnen und Patienten, die unter schwerer symptomatischer Trikuspidalinsuffizienz litten.
Nach einem Jahr wiesen rund 95 Prozent der mit der Prothese versorgten Studienteilnehmer keine oder lediglich eine minimale bis leichte Regurgitation auf.
Methodenüberblick und Behandlungsabläufe
Kathetergestützte Herzklappenverfahren erfolgen überwiegend über die Leistenvene und kommen ohne eine Durchtrennung des Brustbeins aus. Das Spektrum reicht von TAVI, MitraClip und Ballonvalvuloplastie über Trikuspidal-TEER bis hin zum Katheterklappenersatz bei schwerer Insuffizienz sowie Valve-in-Valve-Eingriffen.
Die Indikation besteht vor allem bei hohem chirurgischem Risiko, fortgeschrittenem Alter oder bestimmten anatomischen Voraussetzungen. Die Diagnostik erfolgt primär über die Echokardiographie, wobei nicht jede Klappenerkrankung kathetergestützt behandelbar ist.
Als ein etabliertes Verfahren zur Segelraffung dient TriClip. An der Klinik Medicana International Samsun führte das Team um Kardiologe Dr. Ahmet Yan?k diesen Eingriff ein. Das Verfahren erfolgt im Angiographie-Labor unter Vollnarkose und Intubation, gesteuert durch transösophageale Echokardiographie über einen venösen Leistenzugang.
Die Intervention nimmt etwa 1 bis 1,5 Stunden in Anspruch, und die Patienten erwachen nach 1 bis 2 Stunden. Nach einer Nacht auf der Intensivstation und einem Tag auf Normalstation erfolgt die Entlassung meist nach ein bis zwei Tagen.
Wer sich intensiv mit seiner Herzgesundheit und den entsprechenden medizinischen Parametern auseinandersetzt, sollte seine Blutwerte präzise deuten können. Dieser kostenlose Ratgeber hilft Ihnen dabei, wichtige Laborwerte selbst zu verstehen und mögliche Fehlinterpretationen zu erkennen. Kostenlosen 25-Seiten-Report zum Laborwerte-Check anfordern
Der Einsatz empfiehlt sich bei schwerer Insuffizienz mit Symptomen wie Atemnot sowie Schwellungen an Bauch, Beinen oder Nieren trotz optimaler medikamentöser Therapie. Ohne den Eingriff verbringen betroffene Patienten mitunter 10 bis 15 Tage pro Monat im Krankenhaus.
Fachlicher Austausch und Ausbau der Infrastruktur
Am 14. Oktober 2026 fand auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen ein Live Case Seminar der PCR Tricuspid Focus Group statt, das rund 50 Kardiologinnen und Kardiologen aus ganz Deutschland zusammenbrachte. Die Veranstaltung – der einzige Austragungsort der Reihe in der Ruhrregion – entstand in Kooperation mit der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Elisabeth-Krankenhauses Essen.
Schwerpunkte bildeten kathetergestützte Therapien (T-TEER und TTVI), Patientenselektion und Leitlinien anhand interaktiver Fallpräsentationen. Zu den Referenten zählten unter anderem Prof. Dr. Fabien Praz von der Universitätsklinik Bern sowie Prof. Dr. Volker Rudolph vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen.
Parallel erweitern Versorger ihre Kapazitäten: Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt nahm ein vergrößertes Herzkatheterlabor mit neuer biplaner Anlage sowie einem Aufnahme- und Nachsorgebereich mit 4 Betten in Betrieb.
Neben der fachärztlichen Diagnostik ist das Wissen um die eigenen Vitalstoff-Werte ein entscheidender Faktor für die langfristige Gesundheitsvorsorge. Erfahren Sie in diesem Gratis-PDF von Dr. Ulrich Fricke, welche zehn Werte wirklich wichtig sind, um fit und aktiv zu bleiben. Hier den kostenlosen Laborwerte-Ratgeber sichern
Die Biplan-Technik ermöglicht zwei Röntgenaufnahmen bei einer einzigen Kontrastmittelinjektion, was die Belastung für die Nieren und die Strahlendosis senkt. Zu den angebotenen Verfahren gehören MitraClip und TriClip; Landeshauptmann Hans Peter Doskozil verwies diesbezüglich auf wachsende Behandlungszahlen.
Marktperspektiven im Segment
Marktanalysen sehen ein steigendes Problembewusstsein auf ärztlicher Seite wie auch bei Patienten als maßgeblichen Treiber der Nachfrage, wenngleich bestehende Wissenslücken und begrenzte Zugänge zu spezialisierten Zentren den Ausbau bremsen. Nach einem Bericht von IndexBox lag das Marktvolumen für Trikuspidalklappenreparaturen im Jahr 2025 bei geschätzten 1,1 Milliarden US-Dollar.
Bis 2035 wird ein Anstieg auf rund 4,2 Milliarden US-Dollar prognostiziert, was einer jährlichen Wachstumsrate von 12,8 Prozent im Zeitraum von 2026 bis 2035 entspricht. Ausgehend von einem Basisindex von 100 im Jahr 2025 soll der Indexwert bis 2035 auf 285 klettern. Kathetergestützte Verfahren dürften dabei bis Anfang der 2030er-Jahre die Mehrheit aller Eingriffe stellen.
Bezogen auf die Ursachen entfallen rund 45 Prozent auf die funktionelle Trikuspidalinsuffizienz, gefolgt von 20 Prozent durch angeborene Herzfehler, 15 Prozent durch rheumatisches Fieber und 12 Prozent durch Endokarditis. Zu den führenden Marktteilnehmern zählen unter anderem Edwards, Abbott, Medtronic und Boston Scientific.
