Triglyceride, Hohe

Triglyceride: Hohe Werte steigern das Herz-Kreislauf-Risiko um 30 Prozent

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 10:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute betonen frühe Vorsorge, risikobasierte LDL-Zielwerte und die Bedeutung weiterer Blutfette für die Herzgesundheit.
Nahaufnahme eines Querschnitts einer menschlichen Arterie zur Veranschaulichung vaskulärer Gesundheit. Illustration mit AI erstellt.

Erhöhte Cholesterinwerte bleiben von Betroffenen oft über Jahre hinweg unbemerkt. Da ein ischämisches Ereignis medizinisch meist nur die sichtbare Spitze eines Eisbergs darstellt, warnen Fachleute vor den Gefahren dieser asymptomatischen Verläufe. Eine Atherosklerose baut sich in der Regel über lange Zeiträume schleichend auf.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten weltweit als häufigste Todesursache. Die kumulative Belastung durch hohe Werte von LDL-Cholesterin stellt dabei einen kausalen Risikofaktor dar, weshalb eine frühzeitige Senkung zu jedem Zeitpunkt zu einer messbaren Risikoreduktion beiträgt.

Frühzeitige Erkennung und die Bedeutung des Gefäßalters

Prof. Dr. Ingo Eitel aus Lübeck betonte auf einer Pressekonferenz, dass mit einem früheren Eingreifen potenziell mehr Lebensjahre gewonnen werden können. Dennoch wird die Vorsorge in jüngeren Altersgruppen oft vernachlässigt.

Auswertungen der WOBASZ3-Studie über zwei Jahrzehnte zeigen laut dem Hauptforscher Prof. Aleksander Prejbisz, dass die Wirksamkeit der Behandlung von Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen bei über 50-Jährigen steigt, während sie bei Menschen unter 50 Jahren stagniert. Entsprechend müsse die Prophylaxe vor allem bei den unter 50-Jährigen und besonders bei Männern ansetzen.

Dass Diagnosen häufig verzögert werden, belegen auch internationale Erhebungen. Laut Prof. Kim Sang-hyun von der Koreanischen Gesellschaft für Lipidologie und Arteriosklerose weisen in Südkorea 41,4 % der Erwachsenen ab 20 Jahren eine Dyslipidämie auf, was über 10 Millionen Patienten entspricht.

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Mehr als die Hälfte der diagnostizierten Personen verzögert jedoch die notwendige Behandlung. Daten der Fachgesellschaft zeigen zudem, dass Männer in ihren 30er- bis 50er-Jahren doppelt so hohe Triglyceridwerte aufweisen wie Frauen der gleichen Altersstufe.

Zielwerte und neue Leitlinien zur Risikobewertung

In der modernen Kardiologie rückt die reine Orientierung an starren Gesamtgrenzwerten in den Hintergrund. Kardiologe Jorge Tartaglione verweist darauf, dass statt eines fixen Werts von 200 heute das individuelle Gesamtrisiko ermittelt wird.

Seine Zielvorgaben für LDL-Werte liegen bei unter 100 mg/dl bei niedrigem Risiko, unter 70 mg/dl bei hohem Risiko und unter 55 mg/dl nach Infarkten oder kardialen Ereignissen. Zudem empfiehlt er, den genetisch determinierten Marker Lipoprotein(a) einmal im Leben bestimmen zu lassen.

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Auch internationale Richtlinien schärfen ihre Kriterien. In einer im Oktober 2026 veröffentlichten Konsensleitlinie (CCEP2026) stuft ein chinesisches Expertengremium symptomlose subklinische Plaques nicht mehr nur als Risikoindikator ein, sondern als aktiv zu behandelnde Krankheitsentität.

Für Personen über 40 Jahren mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Hypercholesterinämie oder familiärer Vorbelastung wird ein Screening mittels Ultraschall oder CT empfohlen.

Die Leitlinie definiert LDL-Ziele von unter 2,6 mmol/l bei mittlerem Risiko, unter 1,8 mmol/l bei hohem Risiko sowie unter 1,4 mmol/l bei sehr hohem Risiko. Bei extrem hohem Risiko wird ein wert unter 1,0 mmol/l angestrebt.

Ein ähnliches Vorgehen skizziert der tschechische Internist Michal Vrablík. Für unter 40-jährige Nichtraucher mit normalem Blutdruck sei ein LDL-Wert von unter 3 mmol/l anzustreben, wobei tiefere Werte das vaskuläre Risiko noch weiter senken. Er verweist darauf, dass etwa ein Drittel des Blutcholesterins aus der Nahrung stammt, während zwei Drittel von der Leber gebildet werden.

Therapieansätze und komplexe Lipidmuster

Bei medikamentösen Interventionen bleiben Statine das Fundament. Bezüglich der Verträglichkeit gibt es unterschiedliche Erfahrungswerte: Während Jorge Tartaglione von Muskelbeschwerden bei rund 20 % der Behandelten berichtet und Bempedoinsäure nach ärztlicher Rücksprache als Alternative nennt, beziffert Michal Vrablík Nebenwirkungen auf maximal 10 % und hält fest, dass Statine weniger Komplikationen als Aspirin verursachen. Er rät dazu, bei Unverträglichkeiten mindestens zwei bis drei der sechs verfügbaren Statintypen zu erproben.

Neben LDL rücken weitere Lipide in den Fokus. Prof. Maciej Banach von der Polnischen Lipidgesellschaft hebt hervor, dass isoliert erhöhte Triglyceride das kardiovaskuläre Risiko selbst bei normalem Cholesterin um 30 % steigern können.

Laut Analysen des polnischen Programms „Profilaktyka 40+“ betrifft eine Hypertriglyceridämie schätzungsweise fast 60 % der Erwachsenen. Eine Kombination aus Ernährungsumstellung und Bewegung kann die Werte um 35 bis 40 % senken; medikamentös zeigte der Wirkstoff Olezarsen in Studien eine Reduktion des Risikos für akute Pankreatitis um 87 %.

Dass Triglyceride und Lipoprotein(a) erhebliche Gefahren bergen, unterstreicht auch eine Untersuchung von Forschern unter anderem der Chalmers-Universität an Blutproben von rund 35.000 herzgesunden Probanden. Demnach sind triglyceridreiche Lipoproteine und Lipoprotein(a) pro Partikel schädlicher als LDL und fungieren als wesentliche Treiber des Restrisikos nach einer LDL-Absenkung.

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