Treppensteigen: Regelmäßig senkt Herztod-Risiko um 39 Prozent
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 14:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deSchon kleine Portionen Bewegung im Alltag können offenbar große Wirkung entfalten. Mehrere aktuelle Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiges Treppensteigen oder gezieltes Krafttraining das Risiko für chronische Entzündungsfolgen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken kann – ein Befund, der angesichts steigender Fehlzeiten und Gesundheitskosten an Bedeutung gewinnt.
Treppensteigen als unterschätzter Gesundheitsfaktor
Eine Meta-Analyse des Norfolk and Norwich University Hospital beziehungsweise der Norwich Medical School in Großbritannien, die neun Studien mit über 480.000 Patienten im Alter von 35 bis 84 Jahren über durchschnittlich 14 Jahre auswertete, kommt laut einem Bericht vom 10. September 2026 zu einem klaren Ergebnis: Regelmäßiges Treppensteigen senkt das Risiko für Herztod um 39 Prozent und das Gesamtsterberisiko um 24 Prozent. Als Optimum nennt die im American Journal of Cardiovascular Drugs veröffentlichte Analyse sechs Treppenabsätze pro Tag.
Weitere Auswertungen untermauern diesen Zusammenhang. Laut einem Bericht vom 12. September 2026 senkt Treppensteigen statt Aufzugfahren die Gesamtmortalität, da vertikale Bewegung rund 9,6-mal mehr Energie verbraucht als Sitzen.
Kurze Treppenläufe an drei Tagen pro Woche über sechs Wochen verbesserten demnach die kardiorespiratorische Kapazität und das LDL-Cholesterin. Eine gepoolte Analyse von fünf Studien mit 455.619 Patienten zeigte zudem eine signifikante Reduktion sowohl der kardiovaskulären als auch der Gesamtmortalität durch Treppensteigen.
Entzündungsprozesse und Alterung der Blutzellen
Der Zusammenhang zwischen Bewegung und Entzündungsrisiko wird auch durch eine Studie des Instituto Cardiovascular de Mount Sinai in New York gestützt, die in Nature veröffentlicht wurde und fast 91.000 Menschen umfasste.
Demnach tritt eine sogenannte klonale Hämatopoese – eine Mutation weißer Blutkörperchen, die Arteriosklerose begünstigt – bei 25 Prozent der über 70-Jährigen und 50 Prozent der über 80-Jährigen auf. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf und 150 Minuten Bewegung pro Woche kann laut der Studie Entzündungen und das Herz-Kreislauf-Risiko senken.
Krafttraining versus Ausdauersport
Nicht jede Form von Sport wirkt gleich. Das Johns Hopkins ARVC Registry, das 355 Teilnehmer mit einem Medianalter von 34 Jahren bei Einschluss und 44 Jahren bei Abschluss begleitete, fand bei über der Hälfte der Teilnehmer ventrikuläre Arrhythmien.
Ausdauersportler wiesen dabei ein um 58 Prozent höheres Risiko für solche Herzrhythmusstörungen auf als Sitzende oder Kraftsportler – Krafttraining selbst zeigte kein erhöhtes Risiko. Die am 10. September in JACC: Clinical Electrophysiology veröffentlichte Studie bezieht sich auf eine Erkrankung, die weltweit schätzungsweise ein bis fünf von 1.000 Menschen betrifft.
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Auch für ältere Menschen scheint die Trainingsform entscheidend zu sein. Eine australische Studie mit 120 Teilnehmern im Durchschnittsalter von 72 Jahren zeigte laut einem Bericht vom 11. September 2026, dass hochintensives Intervalltraining (HIIT) die Muskelmasse erhält, während moderates Training vor allem Fett abbaut.
Sportwissenschaftler Ingo Froböse empfiehlt Anfängern eine Vorbereitungsphase von vier bis sechs Monaten; Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten ihr Training ärztlich abklären lassen.
Fitnessmarker und Trainingsintensität
Als Marker für Langlebigkeit gilt neben der Handgriffkraft die VO?max. Sportwissenschaftler Billy Sperlich betont laut einem Bericht vom 10. September 2026, dass nicht der Ausgangswert entscheidend sei, sondern dessen Veränderung.
Für einen deutlichen Anstieg seien Intervalle im Wechsel von einer Minute Belastung und einer Minute Pause nötig; erste Anpassungen zeigten sich nach acht bis zehn Wochen bei zwei bis vier Trainingseinheiten pro Woche. Smartwatch-Werte könnten eine Labormessung dabei nicht ersetzen.
Auch strukturiertes Walking scheint messbare Effekte zu erzielen: Eine in Mayo Clinic Proceedings veröffentlichte Studie mit über 200 Erwachsenen im Durchschnittsalter von 63 Jahren zeigte, dass Intervall-Walking-Training – fünf Sets aus drei Minuten schnellem und drei Minuten langsamem Gehen, an fünf Tagen pro Woche über 30 Minuten – Blutdruck, BMI und Blutzucker verbessert.
Rückengesundheit und gesellschaftliche Dimension
Der DAK-Gesundheitsreport 2026 zeigt, dass Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems die meisten Arbeitsunfähigkeitstage verursachen – noch vor Atemwegserkrankungen.
Eine Übersichtsarbeit mit 42 Studien zu sechs Bewegungsinterventionen kam laut demselben Bericht zu dem Ergebnis, dass Yoga den größten Effekt auf die Rückengesundheit erzielt. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 150 Minuten aerobe Aktivität sowie zwei Krafteinheiten pro Woche.
Dass Bewegungsmangel weit verbreitet ist, zeigt eine RKI-Studie, die zwischen Frühjahr 2021 und Frühjahr 2023 erhoben wurde: 78 Prozent der Menschen ab 65 Jahren in Deutschland bewegen sich demnach zu wenig, 83 Prozent haben mindestens zwei Risikofaktoren, und nur 2 Prozent weisen keinen Risikofaktor auf.
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Vorsicht nach Infekten
Trotz aller positiven Effekte raten Fachleute zur Zurückhaltung nach überstandenen Infekten. Laut einem Bericht vom 11. September 2026 sollten nach Erkältung oder Grippe mindestens drei symptomfreie Tage abgewartet werden, nach Antibiotikaeinnahme fünf Tage nach der letzten Dosis.
Bei einer Herzmuskelentzündung wird sogar ein sechsmonatiger Sportverzicht empfohlen. Prof. Dr. Volker Schächinger warnte in diesem Zusammenhang vor Komplikationen bis hin zu Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und plötzlichem Herztod, wenn zu früh nach einem Infekt wieder trainiert wird.
In der Summe zeichnen die aktuellen Studien ein Bild, in dem bereits moderate, regelmäßige Bewegungsformen – vom Treppensteigen bis zum kurzen Intervalltraining – einen messbaren Beitrag zur Senkung von Entzündungs- und Sterberisiken leisten können, sofern individuelle Vorerkrankungen und Erholungsphasen berücksichtigt werden.
