Treppensteigen: Meta-Analyse belegt 39% weniger Herztod-Risiko
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen rücken eine oft unterschätzte Form der Alltagsbewegung in den Fokus der Präventivmedizin: das Treppensteigen. Eine umfassende Meta-Analyse der University of East Anglia (UEA) und des Norfolk and Norwich University Hospital (NNUH), die im „American Journal of Cardiovascular Drugs“ publiziert wurde, liefert belastbare Belege für die gesundheitlichen Vorteile dieser vertikalen Fortbewegung.
Umfassende Datengrundlage und präventive Effekte
Die Ergebnisse der Meta-Analyse basieren auf der Auswertung von neun Studien mit insgesamt 480.479 Teilnehmern im Alter zwischen 35 und 84 Jahren. Die Probanden, von denen 53 Prozent Frauen waren, wurden über einen Median von 14 Jahren beobachtet.
Die Auswertung der Daten zeigt einen signifikanten Zusammenhang zwischen regelmäßigem Treppensteigen und einer erhöhten Lebenserwartung. Demnach senkt diese Aktivität das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 39 Prozent. Das allgemeine Sterberisiko reduziert sich laut der Analyse um rund 24 Prozent.
Zudem identifizierten die Forscher positive Effekte in Bezug auf spezifische Krankheitsbilder. Der Zusammenhang zwischen der Bewegung auf Treppen und einem verringerten Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte sowie Herzinsuffizienz sei deutlich erkennbar, wenngleich hierfür keine konkreten Risikozahlen in der Studie genannt wurden.
Studienleiterin Sophie Paddock vom Norfolk and Norwich University Hospital wies darauf hin, dass eine der einbezogenen Untersuchungen sechs Stockwerke beziehungsweise sechs Treppenläufe pro Tag als optimalen Richtwert nahelegt. Eine endgültige „optimale Dosis“ sei jedoch noch Gegenstand der Forschung.
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Intensität und Alltagsintegration als Erfolgsfaktoren
Professor Vassilios Vassiliou von der Norwich Medical School betonte den praktischen Nutzen dieser Bewegungsform. Da vertikale Bewegung fast zehnmal so viel Energie verbrauche wie ruhiges Sitzen, handle es sich um eine hocheffiziente Methode der Gesundheitsförderung. Kurze Intervalle an drei Tagen pro Woche können die Ausdauerleistung bereits innerhalb von sechs Wochen messbar steigern.
Diese Erkenntnisse stehen im Kontext einer globalen Herausforderung: Herzerkrankungen gelten weltweit als häufigste Todesursache, wobei sich die Fallzahlen zwischen 1990 und 2019 fast verdoppelt haben. Gleichzeitig erreichen über 25 Prozent der Erwachsenen weltweit nicht die empfohlenen Aktivitätsniveaus.
Ergänzend zur Treppen-Analyse revidieren Studien der Monash University und der University of Sydney gängige Fitness-Mythen. Die bekannte 10.000-Schritte-Marke beruht demnach nicht auf klinischer Evidenz, sondern auf einer japanischen Werbekampagne der 1960er Jahre.
Statt reiner Schrittzahl sei das Tempo entscheidend. Ein „Sweet Spot“ für ein deutlich niedrigeres Sterberisiko liege bei 90 bis 100 Schritten pro Minute in den intensivsten 30 Minuten des Tages.
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Ganzheitliche Prävention und institutionelle Unterstützung
Der Stellenwert von Alltagsbewegung wird auch von politischer Seite verstärkt adressiert. In Bayern bündelt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit seit Kurzem über 400 Angebote zur Prävention auf einer zentralen Plattform. Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach betonte das Ziel, Bürgern den Zugang zu Informationen und Bewegungsangeboten wie etwa kostenfreien Kursen der Gesundheitsämter zu erleichtern.
Dass Bewegung bereits im Kindesalter eine kritische Rolle spielt, unterstreichen Daten der Deutschen Sportjugend (dsj). Nur 32 Prozent der 6- bis 17-Jährigen erreichen die von der WHO empfohlenen 60 Minuten Bewegung pro Tag. Der dsj-Vorsitzende Stefan Raid warnte in diesem Zusammenhang vor langfristigen gesundheitlichen Folgen und forderte eine stärkere Förderung bewegungsfreundlicher Lebenswelten.
Neben der reinen Aktivität spielt laut Studien der Harvard T.H. Chan School of Public Health und der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health vom 19. September 2026 auch der Rhythmus eine Rolle. Ein ausgeprägter Aktivitäts-Ruhe-Rhythmus mit viel Bewegung am Tag und Ruhe in der Nacht korreliert mit einem geringeren biologischen Alter.
Trotz der positiven Befunde geben die Autoren der UEA-Meta-Analyse zu bedenken, dass es sich um statistische Zusammenhänge und nicht um einen direkten Kausalitätsnachweis handelt. Viele Daten basierten auf Selbstauskünften der Teilnehmer, was die Genauigkeit einschränken kann. Dennoch bleibe das Treppensteigen eine leicht zugängliche und effektive Maßnahme zur signifikanten Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit.
