Treppensteigen: 39% weniger Herz-Kreislauf-Todesfälle nachgewiesen
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 11:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen zunehmend, wie eng alltägliche Lebensstilfaktoren mit der Funktionsfähigkeit der körpereigenen Abwehrkräfte und der Geschwindigkeit biologischer Alterungsprozesse verknüpft sind. Sowohl Ernährungsformen als auch regelmäßige Bewegung und thermische Reize wie Saunagänge beeinflussen messbare zelluläre Marker und das kardiovaskuläre Risiko.
Epigenetische Uhren und die Rolle der Ernährung
Einen vertieften Einblick in molekulare Zusammenhänge liefert die Forschung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Unter der Leitung von Prof. Monique Breteler und Juliana Tavares vom Standort Bonn analysierten Forschende Blutproben und Ernährungsgewohnheiten von rund 7500 Frauen und Männern.
Die Untersuchung stützte sich auf 6470 Teilnehmende der Rheinland Studie und wurde an rund 1000 Probanden der EPIC-Potsdam-Studie bestätigt. Dabei erfasste das Team rund 850.000 Stellen am Erbgut sowie drei epigenetische Uhren – etwa doppelt so viele DNA-Stellen wie in vielen früheren Arbeiten.
Die Ergebnisse zeigen, dass gesunde Ernährungsmuster mit einem verlangsamten biologischen Altern einhergehen, wobei der stärkste Zusammenhang bei Rauchern beobachtet wurde. Während zwei Ernährungsstile mit hohem Anteil hoch verarbeiteter Lebensmittel und Fastfood negative Effekte aufwiesen, reduzierten acht von zehn untersuchten Ernährungsstilen die biologische Alterung.
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Insbesondere die Nordische Diät und die DASH-Diät verlangsamten alle drei untersuchten Uhren; sechs weitere Kostformen, darunter mediterrane und zwei pflanzliche Ansätze, zeigten diesen Effekt auf mindestens einer Uhr. Mehr als 70 Prozent der beeinflussten Signalwege erwiesen sich dabei als allen Diäten gemeinsam, auch wenn die messbaren Effekte insgesamt moderat ausfielen.
Zu ähnlichen Differenzierungen gelangte eine Analyse von 51 longitudinalen Interventionsstudien aus der Datenbank TranslAGE, publiziert in Nature Medicine.
Ein Team um Dr. Raghav Sehgal an der Yale University School of Medicine untersuchte 3128 Blutproben auf 16 epigenetische Uhren und 94 DNA-Methylierungsmarker. Dabei zeigten Lebensstilmaßnahmen wie Bewegung sowie mediterrane, fettarme und kohlenhydratreduzierte Ernährung eine Abnahme des epigenetischen Alters, wenngleich pharmakologische Interventionen wie Metformin, Semaglutid oder Rapamycin im Mittel stärkere Veränderungen erzielten. Nahrungsergänzungsmittel wiesen hingegen keinen signifikanten Effekt auf.
Bewegung, Alltagstransfer und thermische Reize
Neben der Ernährung bestimmt körperliche Aktivität die Vitalität maßgeblich. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse des Norfolk and Norwich University Hospital und der University of East Anglia in Norwich, geleitet von Sophie Paddock, verknüpfte Daten von 480.479 Personen aus neun Studien.
Für die kardiovaskuläre Sterblichkeit wurden Daten von 455.619 Teilnehmenden im Alter von 35 bis 84 Jahren über eine Beobachtungsdauer von 14 Jahren zusammengeführt. Demnach war regelmäßiges Treppensteigen mit einem um 39 Prozent geringeren Risiko verbunden, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben; das Gesamtsterberisiko lag um rund 24 Prozent niedriger.
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Dass Bewegung im Alltag an Bedeutung gewinnt, unterstreicht auch eine Eurobarometer-Umfrage der Europäischen Kommission unter 26.508 Befragten: Fast die Hälfte treibt täglich oder mehrmals pro Woche Sport, während der Anteil der Inaktiven von 45 Prozent im Jahr 2022 auf 39 Prozent sank. Aktive Wege zu Fuß oder mit dem Rad stiegen im selben Zeitraum von 24 Prozent auf 37 Prozent.
Ergänzend deuten Studien auf den Nutzen thermischer Belastungen hin. Ein bis drei Saunagänge pro Woche können Herz-Kreislauf-System und Abwehr stärken. Untersuchungen beziffern die Belastung auf 60 bis 100 Watt auf dem Fahrradergometer und dokumentieren geringere Risiken für schwere Atemwegsinfekte sowie eine niedrigere Gesamtmortalität.
Für den Erhalt der Abwehrkräfte bleiben zudem eine ausgewogene Nährstoffzufuhr mit Zink sowie den Vitaminen C und D und der Fokus auf unverarbeitete Kost zentrale Bausteine.
