Trennung, Risikofaktor

Trennung als Risikofaktor: 188% mehr Depressionen, 28 Mrd. Schaden

07.07.2026 - 00:01:39 | boerse-global.de

Studien zu Kreatin und Depressionen zeigen uneinheitliche Ergebnisse. ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen haben sich verdreifacht. Trennungen verursachen jährlich 28 Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Schaden.

Psychische Gesundheit 2026: Neue Studien und Reformen
Trennung - Eine stilisierte Silhouette eines menschlichen Kopfes mit leuchtenden Linien im Inneren, die komplexe Denkprozesse darstellen. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Studien decken ein breites Spektrum ab – von klinischen Behandlungen über soziale Risikofaktoren bis zu digitalen Lösungen. Experten warnen vor strukturellen Defiziten und unzureichender Gesundheitskompetenz.

Kreatin gegen Depressionen? Ergebnisse bleiben uneindeutig

Ein Forschungsteam der Universität Ottawa hat die Wirkung von Kreatin bei Depressionen untersucht. Die Forscher werteten fünf kontrollierte Studien mit insgesamt 238 Teilnehmenden aus. Das Ergebnis: uneinheitlich. Zwei Studien sahen Vorteile einer Supplementierung, drei weitere konnten keinen signifikanten Effekt feststellen. Zudem entwickelten Teilnehmende mit bipolarer Störung teilweise Manien. Wegen der dünnen Datenlage sprachen die Forscher keine allgemeine Empfehlung aus.

ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen verdreifacht

Die Zahl der ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen ist innerhalb eines Jahrzehnts sprunghaft gestiegen. Laut der Psychiaterin Alexandra Philipsen von der Uniklinik Bonn haben sie sich verdreifacht. Schätzungen zufolge sind rund 2,5 Prozent der Erwachsenen betroffen – aktuell haben aber nur 0,7 Prozent eine entsprechende Diagnose erhalten. Fachleute warnen vor ungesicherten Selbstdiagnosen über soziale Medien. Die Fehlerquote sei hoch.

Kritik an rein biomedizinischen Modellen kommt von Organisationen wie „Mad in Deutschland“. Sie fordern mehr Aufklärung über mögliche Folgeschäden von Neuroleptika und Antidepressiva. Ihre Position: Depressionen sind oft Reaktionen auf äußere Lebensumstände. Der Umgang mit Medikamenten müsse vorsichtiger werden.

Trennung als Risikofaktor: 28 Milliarden Euro Schaden pro Jahr

Soziale Bindungen und die Arbeitswelt beeinflussen die psychische Gesundheit massiv. Eine Auswertung von Prof. Christian Roesler von der Katholischen Hochschule Freiburg zeigt: Paartherapie wirkt, aber schwächer als in klinischen Studien. Die Effektstärke im Alltag liegt zwischen 0,36 und 0,44. Eine Trennung erhöht das Risiko für Depressionen um 188 Prozent. Die volkswirtschaftlichen Folgen sind enorm: Der jährliche Schaden durch Trennungen beträgt rund 28 Milliarden Euro.

Arbeitsrecht: Kritik an geplanten Verschärfungen

Prof. Dr. Marvin Reuter von der Universität Bamberg übt scharfe Kritik an geplanten arbeitsrechtlichen Änderungen. Der Wegfall der telefonischen Krankschreibung oder die Nachweispflicht ab dem ersten Tag senkten den Krankenstand nicht. Im Gegenteil: Reuter erwartet verstärkten Präsentismus – also Arbeiten trotz Krankheit. Da steigende Fehlzeiten vor allem auf längerfristige psychische Erkrankungen zurückgehen, könnten Maßnahmen wie die Ausweitung sachgrundloser Befristungen die Belastung weiter verschärfen.

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Digitale Helfer: PANDORA-Projekt sucht nach Lösungen

Im Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung steht die Frage im Mittelpunkt: Warum brechen so viele Nutzer digitale Angebote ab? Das Projekt PANDORA, an dem Teams des Universitätsklinikums Essen und der Universität Duisburg-Essen beteiligt sind, untersucht die Gründe. Ziel ist es, die Bedürfnisse der Patienten besser zu verstehen und die Wirksamkeit digitaler Interventionen zu steigern. Das Vorhaben ist bis Mai 2029 gefördert.

Künstliche Intelligenz könnte dabei helfen. In Fachgesprächen Anfang Juli 2026 betonten Experten: KI kann aus pauschalen Gesundheitsdaten komplexe Zusammenhänge herstellen. Das mache Präventionsmaßnahmen effizienter und kostengünstiger. Kritiker geben allerdings zu bedenken: Technologische Systeme erfassen den individuellen Kontext des Menschen nur bedingt.

Kinder und Jugendliche: Alarmierende Zahlen

Die gesundheitliche Lage der jüngeren Generation bleibt angespannt. Der DAK-Präventionsradar für das Schuljahr 2024/2025 zeigt: 84 Prozent der Schulkinder haben eine unzureichende Gesundheitskompetenz. Rund 65 Prozent der befragten Schüler fühlen sich erschöpft. Besonders bei Mädchen sind depressive Symptome (27 Prozent) und Einsamkeit (41 Prozent) weit verbreitet. Deshalb werden Forderungen nach einem Schulfach Gesundheit lauter.

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Politische Reformen: Koalition arbeitet an letzten Details

Im Juli 2026 stehen entscheidende Weichenstellungen bevor. Die Koalition feilt an den letzten Details einer Gesundheitsreform. Vorgesehen ist unter anderem eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes an den Beiträgen für Grundsicherungsempfänger. Der Deutsche Pflegerat fordert einen grundlegenden Kurswechsel: Reformen dürften nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssten die Versorgung konsequent am Bedarf der Menschen ausrichten. Die Kompetenzen von Pflegefachkräften und Hebammen müssten vollständig integriert werden.

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