Transplantationen, MHH

Transplantationen: MHH erforscht T-Zell-Therapie gegen lebenslange Immunsuppression

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das AgEndo-Projekt entwickelt trainierte Immunzellen, die Spenderorgane gezielt schützen und den Bedarf an Immunsuppressiva senken sollen.

MHH erforscht T-Zell-Therapie für mehr Toleranz nach Transplantationen
Wissenschaftler bei der Arbeit an einem Mikroskop in einem modernen medizinischen Forschungslabor. Illustration mit AI erstellt.

Neue Ansätze zur Toleranzentwicklung nach Transplantationen

Nach einer Organtransplantation sind Patientinnen und Patienten lebenslang auf Medikamente angewiesen, die das Immunsystem unterdrücken, um eine Abstoßung des neuen Organs zu verhindern. Diese dauerhafte Immunsuppression birgt jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken, da sie die Anfälligkeit für Infektionen und Begleiterkrankungen erhöht.

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird im Rahmen des Projekts AgEndo an einer zellbasierten Alternative geforscht. Wie die MHH in einem Bericht vom 12. Oktober 2026 darlegte, fördern das Land Niedersachsen und die VolkswagenStiftung das Vorhaben über eine Laufzeit von drei Jahren mit rund 2,4 Millionen Euro.

Ziel des Forschungsprojekts ist die Entwicklung einer maßgeschneiderten Zelltherapie, die das Immunsystem gezielt darauf trainiert, das Spenderorgan zu schonen, anstatt die körpereigene Abwehr flächendeckend zu hemmen. Auf diese Weise soll der Bedarf an herkömmlicher Immunsuppression nach einer Herz- oder Lungentransplantation verringert werden.

Gewinnung und Training regulatorischer T-Zellen

Das wissenschaftliche Team um PD Dr. Fatih Noyan und PD Dr. Alexander Horke setzt bei diesem Verfahren auf regulatorische T-Zellen (Tregs). Diese Zellen spielen im menschlichen Immunsystem eine zentrale Rolle bei der Dämpfung von Abwehrreaktionen und verhindern unter normalen Bedingungen, dass gesunde Gewebestrukturen angegriffen werden.

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Nach einer Transplantation bedeutet Immunsuppression für viele Betroffene ein Leben lang tägliche Medikamente — mit allen Nebenwirkungen. Die Forschung an regulatorischen T-Zellen könnte diesen Weg eines Tages verändern: Statt die Abwehr flächendeckend zu hemmen, sollen trainierte Zellen das Spenderorgan gezielt schützen. Unser kostenloser Leitfaden ordnet die aktuelle Studienlage verständlich ein. Kostenlosen Leitfaden zur Toleranztherapie anfordern

Für die Therapie werden die regulatorischen T-Zellen aus Thymusgewebe isoliert, das im Rahmen von Herzoperationen bei Kindern entfernt wird. In Laborprozessen werden diese Zellen vermehrt und auf das jeweilige Spenderorgan trainiert. Durch diese spezifische Vorbereitung sollen die Tregs nach der Verabreichung in der Lage sein, das transplantierte Gewebe gezielt vor Abstoßungsreaktionen durch das Immunsystem abzuschirmen.

Perspektiven für klinische Studien und weitere Einsatzgebiete

Die Ergebnisse aus dem AgEndo-Projekt sollen die Basis für künftige klinische Studien legen. Bei einem erfolgreichen Verlauf könnte der methodische Ansatz langfristig nicht nur bei Herz- und Lungentransplantationen Anwendung finden, sondern auch auf andere Organtransplantate übertragen werden.

Zudem bestehen potenzielle Einsatzmöglichkeiten bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen sowie der Graft-versus-Host-Disease, einer schwerwiegenden Abstoßungsreaktion.

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Die MHH gilt mit jährlich 300 bis 400 Organtransplantationen als das größte Transplantationszentrum in Deutschland. Der Bedarf an verträglicheren Behandlungsoptionen ist hoch: Bundesweit warten derzeit etwa 8.200 Menschen auf Spenderorgane, vor allem auf Nieren, Herzen, Lebern und Lungen.

Zelltherapien wie der erforschte Treg-Ansatz könnten künftig dazu beitragen, die Toleranz gegenüber Spenderorganen zu verbessern und die Belastung durch dauerhafte medikamentöse Therapien zu reduzieren.

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