Traditionelle Medizin: WHO fordert Wirksamkeitsnachweise und Schutz für Heilpflanzen
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Integration überlieferter Heilmethoden in moderne Gesundheitssysteme erfordert belastbare wissenschaftliche Standards. Bei der Auswertung der Weltkonferenz für traditionelle Medizin, die vom 17. bis 18. Oktober 2026 im nationalen Konferenzzentrum im chinesischen Peking stattfand, betonte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Notwendigkeit, pflanzliche Wirkstoffe systematisch zu erforschen und Heilpflanzen nachhaltig zu schützen.
Wissenschaftliche Kriterien statt pauschaler Freigabe
Die WHO stellte klar, dass eine Einbindung traditioneller Praktiken in die reguläre Gesundheitsversorgung zwingend auf verlässlichen Nachweisen von Wirksamkeit und Sicherheit basieren muss. Die Ergebnisse der Konferenz seien ausdrücklich keine pauschale Zulassung von Hausmitteln.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hob in einer Videobotschaft hervor, dass es keine Entscheidung zwischen Tradition und Wissenschaft geben dürfe. Vielmehr gehe es darum, unterschiedliche Wissenssysteme durch gezielte Forschung, Innovation, Regulierung sowie strenge Qualitätssicherung zusammenzuführen.
Auch der WHO-Regionaldirektor für den Westpazifik, Dr. Saia Ma'u Piukala, sprach sich für eine strukturierte Integration traditioneller Ansätze in die jeweiligen Gesundheitssysteme aus. Er bezog sich dabei auf die Vorgaben der WHO-Strategie für den Zeitraum 2025 bis 2034.
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Neue Initiativen und technologische Ansätze
An der Fachkonferenz, die unter dem Leitmotiv einer technologischen Befähigung und integrierten Entwicklung stand, nahmen knapp 2000 Vertreter aus 103 Ländern und Territorien teil, darunter 16 Repräsentanten von Ministerien. Im Rahmen von über 150 Vorträgen und Berichten wurden Kernbereiche wie Sicherheit, regulatorische Vorgaben und künftige Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz erörtert.
Zu den präsentierten Konferenzergebnissen der WHO zählen unter anderem:
- die Pekinger Initiative zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung traditioneller Arzneipflanzenressourcen,
- das Shennong-Kräuter-Projekt der neuen Ära,
- ein Fachbericht zum Einsatz von künstlicher Intelligenz in der traditionellen Medizin aus dem Jahr 2026,
- die Gründung der Globalen Allianz für traditionelle und integrative Medizin (GATIM).
Diese internationalen Initiativen sollen vor allem den Schutz bedrohter Heilpflanzen sicherstellen und den weltweiten Austausch wissenschaftlicher Daten koordinieren.
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Vorstöße Chinas und offene Umsetzungsfragen
Chinas Premierminister Li Qiang stellte auf der Konferenz Pläne für eine digitale sowie intelligente Transformation der Traditionellen Chinesischen Medizin in Aussicht. Zudem bot er Pilotprogramme zur Öffnung des Dienstleistungssektors im Medizinbereich sowie Kooperationen im Rahmen eines Seidenstraßen-Zentrums für Arzneimittelressourcen an.
Trotz der vorgestellten Richtlinien und Zusagen wiesen Fachbeobachter auf bestehende Lücken hin. So blieben Fragen der konkreten Finanzierung der vereinbarten Programme, verbindliche Verpflichtungen der beteiligten Mitgliedsstaaten sowie Methoden für eine transparente Fortschrittsmessung bislang noch ungelöst.
