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Traditionelle Medizin: Vietnam steigert Kostenerstattung auf 30 Prozent

19.06.2026 - 08:23:48 | boerse-global.de

Vietnam treibt die Professionalisierung seiner traditionellen Heilkunde voran. Neue Kooperationen und Regulierungen sollen altes Wissen mit modernen Standards verbinden.

Vietnam modernisiert traditionelle Medizin mit Forschung und Gesetzen
Traditionelle - Traditionelle vietnamesische Heilpflanzen und Kräuter auf einem Holztisch, im Hintergrund unscharf ein modernes Labor oder eine Klinik. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Forschung, Gesetzgebung und Anbaumodelle sollen altes Wissen mit modernen Standards verbinden.

Forschungsoffensive: Zwei Institute bündeln Kräfte

Einen wesentlichen Schritt zur wissenschaftlichen Fundierung machte die Branche am 17. Juni. Die Vietnamesische Akademie für Traditionelle Medizin und das Institut für Arzneistoffe schlossen eine Kooperationsvereinbarung. Dr. Nguyen Quoc Huy und Dr. Tran Minh Ngoc vereinbarten eine engere Zusammenarbeit bei Forschung und Produktentwicklung. Ziel: gemeinsame Projekte und effizientere Ressourcennutzung.

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Parallel dazu arbeitet die Politik an der Regulierung des Marktes. Vizeminister Vu Manh Ha erörterte den Entwurf eines Rundschreibens, das den Umgang mit Heilkräutern als Produkte mit mittlerem bis hohem Risiko regeln soll. Seine Botschaft: Balance zwischen strengen Sicherheitskontrollen und Entwicklungsanreizen finden.

Krankenhaus-Landschaft: 76 spezialisierte Häuser

Ein aktueller Bericht liefert konkrete Zahlen zur Versorgungslage. Landesweit gibt es 76 spezialisierte Krankenhäuser für traditionelle Medizin – fünf auf zentraler, 61 auf provinzieller und zehn auf privater Ebene.

Die Integration ins staatliche Gesundheitssystem schreitet voran. Bis 2025 strebt Vietnam einen Anteil von 3,3 Prozent traditioneller Behandlungen an – das entspricht rund sieben Millionen Fällen. Aktuell umfasst die Liste erstattungsfähiger Produkte 229 traditionelle Arzneimittel und 349 Inhaltsstoffe. Die Kostenerstattung durch die Krankenversicherung soll von 20 Prozent (2025) auf 30 Prozent bis 2030 steigen.

Regionale Anbaumodelle: Von Hanoi bis Da Nang

Die Kultivierung von Heilpflanzen bildet das Fundament der Wertschöpfungskette. In verschiedenen Regionen haben sich spezialisierte Modelle etabliert:

Ba Vi (Hanoi): Die Kooperative von Ly Thi Mai bewirtschaftet sechs Hektar mit über 100 Heilpflanzenarten. Fast drei Milliarden VND flossen in moderne Verarbeitungsanlagen. Bis zu zwölf lokale Fachkräfte arbeiten dort – ein Beleg für wirtschaftliche Tragfähigkeit.

Provinz Lao Cai: Auf rund 106 Hektar produziert die Gemeinde Ta Phin jährlich geschätzt 1.900 Tonnen Heilpflanzen. In Pung Luong liegt der Fokus auf hochwertigen Kulturen wie Panax notoginseng und verschiedenen Ginseng-Sorten.

Da Nang: Im Gebiet Tra Doa-Van Tien bewirtschaften über 50 Haushalte mehr als sieben Hektar. Ihre Spezialität: Patschuli, Jasmin, Kurkuma, Minze und Perilla.

Wirkstoff-Forschung: Sonnenblumenkerne im Fokus

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Neben der Massenproduktion rücken spezifische Wirkstoffe in den Fokus. Dr. Ngo Duc Phuong vom Institut für Traditionelle Vietnamesische Medizin verweist auf das Potenzial von Sonnenblumenkernen. Sie enthalten ungesättigte Fettsäuren, Vitamin E und Mineralstoffe – antioxidativ und herzgesund. Die Forschung zu medizinischen Wirkungsweisen befindet sich in der präklinischen Phase.

Auch traditionelle Ernährung spielt eine präventive Rolle. Der Reiskuchen Bánh tro, traditionell zum Drachenbootfest verzehrt, kann überschüssige Magensäure neutralisieren – dank des alkalischen Aschewassers.

Technologische Fortschritte gibt es auch im Rohstoffanbau. Bio-Calcium-Dünger im Reisanbau der Region An Giang reduzieren die Bodenversauerung und verbessern die Düngemitteleffizienz um mehrere Kilogramm pro Hektar. Ein indirekter Beitrag zur Qualität landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

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