Traditionelle Medizin: Forschung identifiziert Wirkstoffe gegen Arthritis
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 23:27 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt der Erfassung traditioneller Heilpflanzen und der Identifizierung pflanzlicher Wirkstoffe. Wie Berichte aus dem Oktober 2026 verdeutlichen, stehen dabei insbesondere Behandlungsansätze gegen Symptome von Diabetes sowie Mechanismen zur Linderung rheumatoider Arthritis im Fokus präklinischer und ethnobotanischer Arbeiten.
Dokumentation traditioneller Pflanzenanwendungen bei Diabetes
In einer zwischen Februar und August 2024 auf 25 öffentlichen Märkten in Burundi durchgeführten Erhebung erfassten Wissenschaftler die Praxis traditioneller Heiler.
Von 146 befragten Praktikern gaben 64 an, Diabetes zu behandeln. Die Studie verzeichnete insgesamt 121 Pflanzenarten aus 111 Gattungen und 51 Familien, die bei 30 verschiedenen Symptomen zum Einsatz kommen.
Die am häufigsten vertretenen Pflanzenfamilien waren die Asteraceae mit 14,87 Prozent und die Fabaceae mit 13,22 Prozent der genannten Arten. Unter den Einzelspezies verzeichneten Gymnanthemum amygdalinum (17 Nennungen, RFC 0,27), Dicoma anomala (14 Nennungen, RFC 0,22) sowie Erythrina abyssinica (13 Nennungen, RFC 0,20) die höchsten Werte.
Dokumentiert wurden 55 Rezepturen aus mehreren Pflanzen und acht Einzelpflanzen-Rezepturen. Die Zubereitung erfolgte in 65,6 Prozent der Fälle als Dekokt, während die Verabreichung zu 97,6 Prozent oral stattfand. Als Pflanzenteile dominierten Blätter mit 52,41 Prozent und Rinde mit 27 Prozent. Die Autoren unterstrichen jedoch, dass mit dieser Erfassung keine klinische Wirksamkeit nachgewiesen sei.
Wirkstoffmechanismen bei rheumatoider Arthritis
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Neben Bestandsaufnahmen analysieren Forscher konkrete Naturstoffe im Zusammenhang mit chronischen Gelenkentzündungen. Bei Untersuchungen der traditionellen chinesischen Formel Huoxi Qufeng (HXQF) und des isolierten Wirkstoffs Isoimperatorin (ISO) identifizierte die Netzwerkpharmakologie 816 Wirkstoff-Targets, 1.837 Zielstrukturen bei rheumatoider Arthritis und 279 gemeinsame Schnittmengen.
In einem siebentägigen Versuch mit 25 männlichen Sprague-Dawley-Ratten verabreichten Forscher täglich Ibuprofen (5 mg/kg), ein HXQF-Dekokt (2 mL einer 2-g/mL-Zubereitung) oder ISO (50 mg/kg).
Während der Histologie- und Arthritis-Index im Krankheitsmodell bei etwa 2,8 lag, erreichten die Werte unter Ibuprofen 0,75 bis 0,80, unter HXQF 1,29 bis 1,48 und unter ISO 1,62 bis 1,89. Die Serumwerte zeigten für TNF-? 142,61 gegenüber 86,04 pg/mL in der Kontrollgruppe sowie für IL-6 16,84 gegenüber 5,94 pg/mL.
Zu den Einschränkungen zählten die ausschließliche Untersuchung männlicher Tiere, die Beschränkung auf eine Dosis und die rein rechnerische Modellierung der EGFR-Achse.
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Parallel identifizierte eine computergestützte Analyse einer Formel aus Kurkuma, Pueraria und Coix-Samen (TPC) Coumestrol sowie die Gene PTGS2, CD38 und MAPK8 als prioritäre Angriffspunkte. Bei 85 bioaktiven Phytochemikalien und 4.275 krankheitsrelevanten Zielstrukturen wies das eingesetzte Maschinenlern-Modell (plsRglm) eine AUC von 0,837 auf.
In Molekulardynamik-Simulationen über 100 Nanosekunden betrug die Bindungsenergie von Coumestrol an CD38 ?113,35 kJ/mol und an MAPK8 ?129,83 kJ/mol; der Komplex mit PTGS2 verlor im Verlauf die Bindungskonfiguration.
Experimentelle Ansätze und Knorpelschutz
Auch andere pflanzliche Komponenten werden experimentell getestet. An der indonesischen Universitas Halu Oleo untersuchte das Team ALSTORA unter Leitung von Prof. Dr. Muhammad Arba ein Nanoemulgel aus der Ethylacetat-Fraktion von Alstonia scholaris-Blättern mittels In-Silico-, In-Vitro- und In-Vivo-Tests auf immunmodulatorische Effekte.
Zudem zeigte die isolierte Verbindung Obakulacton aus der Rinde von Phellodendron-Arten bei Ratten mit induzierter Arthritis nach 21-tägiger Gabe eine Reduktion von Gelenkschwellungen sowie partiellen Knorpelschutz.
Der beschriebene Mechanismus zielt auf ein intrazelluläres Protein im Fettstoffwechsel von Gelenkzellen ab. Die Daten beziehen sich ausschließlich auf Tierversuche mit der Reinsubstanz; Aussagen zur Sicherheit oder Wirksamkeit bei Menschen lassen sich daraus nicht ableiten.
