Tourette-Syndrom: Phase-IIb-Studie mit Cannabinoid-Mix in Hannover
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 11:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Suche nach medikamentösen Behandlungsoptionen für das Tourette-Syndrom rückt einen Cannabinoid-basierten Wirkstoffkandidaten in den Fokus. NeuroThera Labs, notiert an der TSXV unter dem Kürzel NTLX und Tochtergesellschaft von SciSparc (SPRC), treibt die klinische Entwicklung von SCI-110 voran. Der Wirkstoff kombiniert Dronabinol mit dem entzündungshemmenden Molekül PEA (Palmitoylethanolamid).
Neue Studienphase an der Medizinischen Hochschule Hannover
Laut einem Bericht von wallstreet-online.de startet an der Medizinischen Hochschule Hannover eine Phase-IIb-Studie zu SCI-110. Das Studiendesign ist randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert und folgt einem Crossover-Ansatz. Eingeschlossen werden erwachsene Patienten zwischen 18 und 65 Jahren. Die Wirksamkeit wird anhand der Yale Global Tic Severity Scale (YGTSS) nach 12 und 26 Wochen erfasst.
Die Studie läuft nach Angaben von stocktitan.net nicht nur in Hannover, sondern an insgesamt drei Zentren: neben Yale und Tel Aviv gehört die Hannoveraner Klinik zu den Standorten des Prüfprogramms.
Bisherige Studienergebnisse als Ausgangspunkt
Die aktuelle Studienphase baut auf früheren klinischen Daten auf. In der vorangegangenen CANNA-TICS-Studie mit 97 erwachsenen Teilnehmern wurde Nabiximols gegen Placebo getestet. Dabei zeigte sich eine Responderrate von 21,9 Prozent (14 von 64 Patienten) gegenüber 9,1 Prozent (3 von 33) unter Placebo. Der Unterschied erreichte mit einem p-Wert von 0,07 jedoch keine statistische Signifikanz, wie wallstreet-online.de berichtete.
Eine noch frühere Phase-IIa-Studie mit 16 Patienten hatte laut demselben Bericht eine Tic-Reduktion von 21 Prozent ergeben. Diese Datenlage – positive Signale bei gleichzeitig fehlender statistischer Absicherung – dürfte einer der Gründe sein, warum das Unternehmen nun mit einer größer angelegten, kontrollierten Studie nachlegt.
Antrag auf Orphan-Drug-Status bei der FDA
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Parallel zur klinischen Weiterentwicklung hat NeuroThera Labs bei der US-Arzneimittelbehörde FDA die Orphan-Drug-Designation für SCI-110 bei Tourette-Syndrom im Erwachsenenalter beantragt, wie finanznachrichten.de berichtete.
Ein solcher Status kann regulatorische Vorteile mit sich bringen, etwa verlängerte Marktexklusivität und Unterstützung bei der Zulassungsstrategie – Instrumente, die bei seltenen Erkrankungen mit begrenzten Patientenzahlen häufig zum Einsatz kommen.
Zur Unterstützung des regulatorischen Prozesses hat das Unternehmen laut stocktitan.net die Beratungsfirma RK Strategies engagiert.
Kapitalmarktreaktion bei der Muttergesellschaft
Die Muttergesellschaft SciSparc (SPRC) notierte laut einem Bericht von rttnews.com vorbörslich bei 5,55 US-Dollar, ein Rückgang von 2,12 Prozent. Ob sich diese Bewegung auf die Nachrichtenlage rund um SCI-110 zurückführen lässt, bleibt aus den verfügbaren Angaben nicht eindeutig ablesbar.
Einordnung
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Das Tourette-Syndrom gilt weiterhin als neurologische Erkrankung mit begrenzten medikamentösen Optionen. Die nun laufende Phase-IIb-Studie mit ihrem Crossover-Design und der Erfassung über mehrere Messzeitpunkte hinweg soll belastbarere Daten liefern als die bisherigen, statistisch nicht signifikanten Ergebnisse der CANNA-TICS-Studie.
Der parallele Antrag auf Orphan-Drug-Status bei der FDA deutet darauf hin, dass NeuroThera Labs den regulatorischen Weg für SCI-110 bereits strategisch vorbereitet, während die klinische Evidenzbasis noch erweitert wird.
