TONTOU-Lücke, Intel

TONTOU-Lücke: Intel und AMD Prozessoren können geknackt werden

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 14:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

MIT-Forscher umgehen Schutzmechanismen von Intel- und AMD-Chips und lesen Kernel-Daten aus; weitere Maßnahmen gegen TONTOU werden empfohlen.

TONTOU-Angriff legt neue Prozessorlücke bei Intel und AMD offen
Nahaufnahme von High-End-Prozessorschaltkreisen und Motherboard-Komponenten in einem Serverraum. Illustration mit AI erstellt.

Forscher des MIT haben eine neue Sicherheitslücke in Prozessoren von Intel und AMD entdeckt. Der Angriff namens TONTOU umgeht bestehende Schutzmechanismen und könnte sensible Daten aus dem Systemkern extrahieren.

Zeitfenster als Einfallstor

Die Schwachstelle nutzt eine winzige Zeitspanne im Ablauf moderner Prozessoren. Diese setzen auf spekulative Ausführung: Sie sagen voraus, welche Befehle als Nächstes gebraucht werden, und verarbeiten diese vorab. Beim Wechsel zwischen Sicherheitskontexten sollen diese Vorhersagen eigentlich gelöscht werden – genau hier liegt das Problem.

Das Forschungsteam um Doktorand Daniël Trujillo und Professorin Mengjia Yan entdeckte eine Lücke zwischen dem Löschvorgang und der tatsächlichen Nutzung der Vorhersagen. Angreifer können diese Zeitspanne mit gezielt ausgelösten Hardware-Interrupts ausnutzen, etwa durch Netzwerkverkehr oder System-Timer. So lässt sich die Branch-Prediction-Einheit neu vergiften und letztlich auf geschützte Kernel-Daten zugreifen.

Vier Prozessorgenerationen betroffen

Die Forscher demonstrierten den Angriff auf vier verschiedenen Prozessorgenerationen. In einem Praxistest mit Linux-System und aktivierten Standard-Schutzmaßnahmen gelang es ihnen, die Datei „/etc/shadow" mit den verschlüsselten Root-Passwort-Hashes auszulesen.

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Besonders brisant: Auf AMD-Plattformen konnte die Verteidigungsmechanik „Safe-RET" überwunden werden, die eigentlich Vorhersagedaten vor der Nutzung bereinigt. Die Forscher verlangsamten den Prozessor gezielt, um das angreifbare Zeitfenster zu vergrößern. Der Exploit schaffte es, Kernel-Speicher mit einer Rate von 5,47 Bytes pro Sekunde bei über 90 Prozent Genauigkeit auszulesen.

Branchenweite Sicherheitsupdates im August

Die Veröffentlichung von TONTOU folgt auf ein umfangreiches Patch-Programm der Chip-Hersteller. Mitte August hatten Intel und AMD gemeinsam mehr als 80 Schwachstellen adressiert.

Intel veröffentlichte 42 Sicherheitshinweise zu 72 Fehlern. Darunter befanden sich kritische Probleme in der PROSet/Wireless-WiFi-Software, die lokale Codeausführung oder Rechteausweitung ermöglichen konnten, sowie Schwachstellen in Xeon-Prozessoren und der Active-Management-Technologie (AMT).

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AMD meldete rund ein Dutzend Schwachstellen in den Produktlinien Ryzen und EPYC. Zu den bedeutenden Fällen zählten Fehler in der Vitis-Entwicklungsumgebung sowie Out-of-Bounds-Read-Schwachstellen in der TPM-2.0-Referenzimplementierung, registriert als CVE-2026-6726 und CVE-2026-6727. Letztere betraf Ryzen-Desktop-Prozessoren der Serien 3000 bis 9000 und konnte potenziell Verschlüsselungs- und Signaturfunktionen aushebeln.

Härtung weiterhin notwendig

Obwohl Mainboard-Hersteller seit dem Frühjahr Firmware-Updates für einige dieser Probleme ausgeliefert haben, zeigt die Entdeckung von TONTOU: Auch geschützte Systeme benötigen offenbar weitere Härtung auf Kernel-Ebene, um gegen zeitlich getaktete Angriffe gewappnet zu sein. Die Forscher empfehlen, neben Hardware-Fixes auch Software-basierte Gegenmaßnahmen zu implementieren, die das Zeitfenster für solche Injektionsangriffe schließen.

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