Tomoni Mental Health: 4.800 Menschen für 270.000 Kinder geschult
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit setzen Bildungseinrichtungen, Kommunen und Sportorganisationen verstärkt auf gezielte Trainings und Informationsprogramme. Die Maßnahmen zielen auf Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie Bezugspersonen im Alltag ab, um seelische Belastungen frühzeitig zu erkennen und abzufedern.
Hintergrund sind anhaltend hohe Fallzahlen: Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums ist in Deutschland etwa jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche von einer psychischen Erkrankung betroffen.
Früherkennung im Vereins- und Schulumfeld
Ein wachsender Teil der Präventionsarbeit verlagert sich in den Freizeit- und Bildungsbereich. So startete Eintracht Frankfurt am 10. Oktober 2026 gemeinsam mit dem Sozialunternehmen Tomoni Mental Health eine Initiative, bei der Trainerinnen und Trainer geschult werden, Warnzeichen seelischer Probleme bei Kindern und Jugendlichen wahrzunehmen.
Eine Befragung im Verein hatte zuvor ergeben, dass von 90 Trainerinnen und Trainern mehr als die Hälfte bereits mit psychischen Belastungen des Nachwuchses konfrontiert war. Das über ein Jahr entwickelte Programm bietet bundesweit kostenlose, spendenfinanzierte Online-Gruppenkurse für Sportvereine an.
Tomoni Mental Health, gegründet von Alix Puhl und mit dem Lotto-Hessen-Fair-Play-Preis 2026 ausgezeichnet, schulte bis Ende Juni 2026 nach eigener Angabe 4.800 Menschen in 17.500 Einheiten und erreichte damit das Umfeld von rund 270.000 Kindern und Jugendlichen.
Auch im Schulsektor wächst der Handlungsdruck. Die Landesschüler*innenvertretung Rheinland-Pfalz verwies auf das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung, wonach rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler psychisch hoch belastet sei.
Die Vertretung forderte einen flächendeckenden Ausbau schulpsychologischer Dienste, verpflichtende Sensibilisierungsmaßnahmen für das Lehrpersonal sowie langfristige Reformen beim Notendruck.
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Ergänzend greifen zivilgesellschaftliche Projekte ein: Die Berliner Organisation LifeTeachUs vermittelt Freiwillige für lebenspraktische Themen an Schulen, um bei wöchentlich rund einer Million Ausfallstunden zu unterstützen; rund 25.000 Ehrenamtliche stehen bereit.
Kommunale Hilfen und wissenschaftliche Plattformen
Parallel dazu bauen Städte und Forschungseinrichtungen ihre Informationsangebote aus. Das Gesundheitsamt Dortmund stellte neben dem fünfstündigen Schulprojekt „Verrückt? Na und!“ des Vereins Irrsinnig Menschlich e.V. sein seit über 30 Jahren bestehendes Psychosoziales Adressbuch als mobiles Online-Portal vor.
Nach Angaben der Amtsleitung und der zuständigen Koordinationsstelle waren bereits vor der Pandemie rund 20 Prozent der Jugendlichen im Pubertätsalter von psychischen Störungen betroffen; zudem seien Fehltage im Beruf und Diagnosen bei Depressionen, Sucht- und Angsterkrankungen weltweit gestiegen.
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Auf Bundesebene rief das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) einen frei zugänglichen Informationsdienst ins Leben. Das Portal bietet fundierte Erkenntnisse zu Krankheitsbildern und Prävention.
Nach Einschätzung der Zentrumsleitung setzt wirksame Hilfe bereits vor einer formalen Diagnose an. Der erste Schwerpunkt der Plattform befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen Internetnutzung, sozialen Netzwerken und mentalen Belastungen wie Schlafproblemen oder Angstzuständen.
Statistische Entwicklung der psychischen Belastungen
Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim belegen die Relevanz der Programme. Laut Professor Andreas Meyer-Lindenberg haben sich die Belastungen in Deutschland durch die Abfolge von Pandemie und Krieg in der Ukraine verschärft.
Die Erhebungen des RKI zeigen deutliche Tendenzen: Bei einer Befragung für das Jahr 2024 gaben rund 22 Prozent der Erwachsenen depressive Symptome an, während die Quote ambulanter Diagnosen depressiver Störungen im Jahr 2023 bei etwa 17 Prozent lag.
Zudem stuften 28 Prozent der befragten Erwachsenen ihr Wohlbefinden im Jahr 2024 als eher schlecht ein, während nur rund elf Prozent von einer eher guten Verfassung berichteten. Jüngere Erwachsene zeigten sich dabei besonders betroffen.

