Tokenisierung: Vermögensmarkt wächst um 200 Prozent
16.06.2026 - 03:39:21 | boerse-global.de
Der Wandel erfasst alle Bereiche der traditionellen Finanzwelt.
Milliardenmarkt für digitale Vermögenswerte wächst rasant
Die Tokenisierung realer Vermögenswerte (RWA) gewinnt rasant an Fahrt. Am 15. Juni 2026 präsentierten mehrere globale Finanzinstitute konkrete Projekte, die einen grundlegenden Wandel der Branche einläuten. Die Marktkapitalisierung tokenisierter RWA hat bereits die Marke von 30 Milliarden Euro überschritten – ein Anstieg von 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
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Citigroup kündigte die Einführung sogenannter Digital Depositary Receipts (DDRs) an. Diese ermöglichen es, Anteile privater Unternehmen als digitale Token abzubilden – ohne den Umweg über einen Börsengang. Die erste Transaktion führte die Bank mit ihrer Beteiligungsfirma Kaleido durch und nutzte dabei die Blockchain-Infrastruktur von SIX, der regulierten digitalen Wertpapiersammelstelle in der Schweiz. Citigroup fungiert dabei sowohl als Emittent als auch als Verwahrstelle und plant, den Dienst auf mehrere Blockchain-Netzwerke auszuweiten.
Amundi und BlackRock setzen auf tokenisierte Fonds
Europas größter Vermögensverwalter Amundi hat tokenisierte Anteilsklassen für seine Geldmarktfonds aufgelegt – sowohl in Euro als auch in US-Dollar. An der Kooperation sind Ant International und CACEIS beteiligt, wobei letzteres als Transfer- und Tokenisierungsagent fungiert. Ant International, das bereits seit 2019 Blockchain für das Treasury-Management nutzt, prüft derzeit die Aufnahme dieser Fonds auf seiner hauseigenen Whale-Plattform. Amundi verwaltete zum 31. März 2026 Vermögenswerte von rund 2,4 Billionen Euro.
BlackRock-CEO Larry Fink betonte am selben Tag, dass die Ära der Tokenisierung für alle Anlageklassen begonnen habe. Dies folgt auf SEC-Einreichungen des Unternehmens aus dem Mai 2026 für zwei weitere tokenisierte Produkte. Der bereits bestehende tokenisierte US-Staatsanleihenfonds BUIDL, der auf dem Ethereum-Netzwerk läuft, erreichte bis Mai 2026 ein verwaltetes Vermögen von rund 2,3 Milliarden Euro.
DTCC plant Echtzeit-Abwicklung für Aktien
Die Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC) treibt ihr eigenes Tokenisierungsnetzwerk für Aktien voran. Der Start ist für Oktober 2026 vorgesehen. Das Netzwerk, das im Dezember 2025 die Genehmigung der US-Börsenaufsicht SEC erhielt, basiert auf Technologien wie Canton, Stellar und Hyperledger Besu.
Die DTCC, die 2025 Transaktionen im Wert von 4,3 Billionen Euro abwickelte und Vermögenswerte von rund 106 Billionen Euro verwahrt, strebt mit dieser Initiative eine T+0-Abwicklung an – also die sofortige Abrechnung am selben Handelstag. Ziel ist es, Kontrahentenrisiken deutlich zu reduzieren. Bereits im April 2025 wurde eine kollateral-fokussierte „AppChain“ als gemeinsame Infrastrukturschicht eingerichtet.
Naher Osten und Europa modernisieren Infrastruktur
In Katar hat die Zentralverwahrstelle Edaa eine Partnerschaft mit LSEG Markets Technology geschlossen, um die Finanzmarktinfrastruktur zu transformieren. Das Projekt schafft eine einheitliche Plattform für Handel, Clearing und Abwicklung. Diese Modernisierung ist Teil der Qatar National Vision 2030 und dient als Grundlage für die Einführung einer zentralen Gegenpartei (CCP) in der Region.
Die Umstellung auf Echtzeit-Verarbeitung wird durch ein Whitepaper von Citigroup untermauert, das die Notwendigkeit von Sofortzahlungen für Broker-Dealer betont. Die Bank wickelt derzeit täglich mehr als zehn Millionen Sofortzahlungen über 40 verschiedene Systeme ab – über ihre API-first-Plattform.
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Deutschland reformiert Altersvorsorge für Aktieninvestments
Auch die Gesetzgebung passt sich den neuen Anlagemöglichkeiten an. In Deutschland haben Bundestag und Bundesrat im Frühjahr 2026 das Rentenreformgesetz verabschiedet. Der Rahmen tritt am 1. Januar 2027 in Kraft und führt das sogenannte „Altersvorsorgedepot“ (AVD) ein. Erstmals dürfen staatlich geförderte Rentensparbeiträge ohne die bisherige 100-prozentige Kapitalgarantie in ETFs und Aktien investiert werden.
Marktausblick: Bis zu 16 Billionen Euro bis 2030
Der Markt für die Verwahrung digitaler Vermögenswerte wächst rasant. Die britische Bank Standard Chartered beziffert das globale Marktvolumen für 2025 auf rund 640 Milliarden Euro. Für 2028 prognosticierte die Bank, dass tokenisierte reale Vermögenswerte (ohne Stablecoins) die Marke von 1,8 Billionen Euro erreichen könnten. Die Unternehmensberatung BCG geht sogar davon aus, dass der Gesamtwert tokenisierter Vermögenswerte bis 2030 auf 14,5 Billionen Euro steigen könnte.
In Hongkong wickelten Banken im ersten Halbjahr 2025 digitale Vermögenstransaktionen im Wert von umgerechnet rund 3 Milliarden Euro ab – ein deutlicher Anstieg im Jahresvergleich. In Großbritannien, das inzwischen mehr als 10.000 Fintech-Unternehmen beherbergt, fordern Branchenexperten stabilecoin-Regulierungen und eine verbesserte digitale Finanzbildung, um das Wachstum des Sektors zu sichern.
